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Wirtschaft

Interview in der Deutschland-Zentrale

Unilever senkt die Preise

Der neue Deutschland-Chef Harry Brouwer spricht im Abendblatt-Interview über günstigere Preise für Markenprodukte, Stellenabbau, den Umzug in die HafenCity und Magnum-Eis.

Der Niederländer Harry Brouwer (51) in der Deutschland-Zentrale in der HafenCity. Hier ziehen die Mitarbeiter am 22. und 29. Juni ein. Unilever setzt auf ein Großraumkonzept. Sogar Brouwer, der für das Unternehmen schon in den USA, Hongkong oder auch Irland tätig war, sitzt nach eigenen Angaben im Großraum.
Foto: Marcelo Hernandez

Abendblatt:

Herr Brouwer, Sie sind Niederländer und haben mehr als die Hälfte Ihres Berufslebens im Ausland verbracht. Unter anderem waren Sie in Asien, den USA, Irland und auch schon mal bei Unilever in Deutschland tätig. Wie hält Ihre Familie ein solch unstetes Leben aus?

Harry Brouwer:

Meine Familie ist stets mit mir umgezogen. Aber als unsere jüngste Tochter elf Jahre alt wurde, hat sie mir vorgerechnet, dass sie schon acht bis zehnmal den Wohnort wechseln musste. Wegen der Kinder haben wir beschlossen, dass meine Familie jetzt in den Niederlanden bleibt und ich an den Wochenenden nach Hause fahre.

Abendblatt:

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Unterschiede zwischen den Niederländern und den Deutschen? Sind die Deutschen zu ehrgeizig?

Brouwer:

Nein. Aber die Unterschiede sind groß. Man weiß ja, dass die Niederländer eher Händler sind und die Deutschen eher der Ingenieurstyp. Wenn der Niederländer etwas erfindet und dies zu 80 Prozent stimmig ist, fängt er an umzusetzen, die letzten 20 Prozent werden dann im laufenden Geschäft optimiert. Der Deutsche hingegen sagt, 80 Prozent Perfektion reichen nicht und entwickelt weiter. Die Niederländer legen mehr Geschwindigkeit vor, die Deutschen sind genauer. Die Deutschen sehen das Glas halb leer, die Niederländer halb voll. Über die Unterschiede im Humor werde ich nicht reden.

Abendblatt:

Sie waren schon einmal von 2001 und 2004 Mitglied der Unilever-Geschäftsführung in Deutschland. Damals beschäftigte das Unternehmen 11 600 Mitarbeiter. Heute sind es nach diversen Verkäufen noch 6150. An Ihrem ersten Arbeitstag in Deutschland haben Sie den Abbau von weiteren 200 Jobs in den deutschsprachigen Ländern verkündet. Warum?

Brouwer:

Wir mussten dies tun, weil unsere Kosten im gesamten Unilever-Konzern zu hoch waren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Als Unternehmen muss man ständig seine Effizienz steigern, um erfolgreich zu bleiben. Auch in Deutschland müssen wir so handeln, weil die Einzelhandelspreise im Vergleich zu den Einkommen zu den weltweit niedrigsten gehören.

Abendblatt:

Werden weitere Stellen abgebaut?

Brouwer:

Es gibt keine Programme. Aber derzeit kann niemand voraussehen, was auf die Wirtschaft noch zukommen wird.

Abendblatt:

Die Stimmung im Konzern ist nach dem massiven Personalabbau in der Vergangenheit nach unseren Informationen nicht gerade glänzend. Da wird es viele Hamburger Mitarbeiter sicherlich kaum trösten, dass sie demnächst in eine neue Zentrale in die HafenCity ziehen.

Brouwer:

Ich kann nachvollziehen, dass jemand keine gute Stimmung hat, dessen Zukunft unsicher ist. Deshalb wollen wir mit unseren Betriebsräten so schnell wie möglich Klarheit darüber schaffen, was die Zukunft jedes einzelnen Mitarbeiters betrifft. Die Mitarbeiter sind aber stolz auf die Marken, für die sie arbeiten und freuen sich auf den Umzug in die neue Unternehmenszentrale. Denn unser jetziges Gebäude wurde 1963 bezogen und ist nicht mehr zeitgemäß. Das neue Haus ist offen und transparent, mit viel Licht und einer modernen Technik. Es unterstreicht unsere neue Kultur.

Abendblatt:

Blickt man zurück, dann hat Unilever viele Marken verkauft. Warum?

Brouwer:

In der Vergangenheit haben wir uns von Marken getrennt, die langfristig nicht profitabel waren oder ihre Wachstumsziele nicht erreichen konnten. Unser Ziel ist es, mit unseren Produktgruppen in jedem Land eine profitable Nummer eins oder zwei zu sein.

Abendblatt:

Nach Ihrer Auffassung ist Unilever jetzt sehr gut aufgestellt. Wird es auch wieder Zukäufe geben?

Brouwer:

Ja. Aber Zukäufe sind nur möglich, wenn die Kostenstruktur stimmt. Deshalb schauen wir uns erst jetzt wieder nach günstigen Gelegenheiten um.

Abendblatt:

Wie wirken sich die Wirtschaftskrise und vor allem die Preisdrückerei des Einzelhandels auf Hersteller wie Unilever aus?

Brouwer:

Unilever ist es gewohnt, mit Krisen umzugehen, da wir weltweit tätig sind und immer wieder Krisen in dem einen oder anderen Land erfolgreich gemanagt haben. Wir werden gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Abendblatt:

Dennoch: Die Verbraucher halten ihr Geld zusammen, was besonders die eher teuren Markenartikler wie Unilever zu spüren bekommen könnten.

Brouwer:

Sicher, unser erstes Quartal 2009 war schwierig, aber wir waren nicht schwächer als andere Hersteller. Wir haben reagiert, bieten etwa bei einigen Produkten größere Packungen zum gleichen Preis an. Zudem werden wir mit einer Neupositionierung der Marke Homa Gold erstmals eine Markenmargarine im unteren Preissegment verkaufen. Wir wollen so erreichen, dass wir für alle Verbraucher Angebote bieten.

Abendblatt:

Was antworten Sie dem Handel, wenn er Ihre Preise drücken will?

Brouwer:

Unter anderem, dass wir 3,5 Milliarden Produkte im Jahr über den deutschen Handel verkaufen. Das heißt pro Einkaufstag entscheiden sich Verbraucher zwölf Millionen Mal für ein Unilever-Produkt. Allein unser Magnum-Eis verkauft sich 81 Millionen Mal im Jahr. Vor diesem Hintergrund ist es schade, dass so viel über die Preise gesprochen wird und so wenig über Verkaufskonzepte und gemeinsame Wachstumsmöglichkeiten.

 

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