Staatsschulden

Hurra, wir tilgen

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Professoren bitten Spender, die 1,7 Billionen Euro Staatsschulden abzubauen. 15.000 sind schon da.

Es gibt Tage, an denen erscheint die Welt noch eine Spur düsterer, als sie ohnehin schon ist. Telefonrechnungen drücken, Onlinebestellungen quälen, Raten fürs Auto sind fällig, und im neuen Jahr lauert wieder ein Haufen Versicherungen. Und wenn wir dann noch an jene 1,7 Billionen Euro denken, mit denen der deutsche Staat in der Kreide steht, ist der Tag gelaufen. "Schulden sind ein genialer Ersatz für die Kette und Peitsche des Sklaventreibers", hat Ambrose Bierce mal richtig gesagt.

Warum so trübsinnig, fragen jetzt zwei Wirtschaftsforscher. "Hurra, wir tilgen" heißt die private Initiative, die Jochen Hörisch aus Mannheim und Alexander Dill aus Basel ins Leben gerufen haben. Wir selbst sollen den Schuldenberg abtragen. Genauer diejenigen unter uns mit einem prallen Bankkonto - mit vollen Hosen ist eben gut stinken. Tatsächlich horten allein die 100 reichsten Deutschen geschätzte 287 Milliarden Euro - ein Sechstel der Staatsschulden.

Jochen Hörisch rechnet vor: "Wir wenden uns ganz bewusst an das obere Drittel der Gesellschaft." Jeder müsste nur 20 Prozent seines Vermögens abgeben. Der Aufruf hat ein immenses Echo gefunden. Innerhalb einer Woche gingen 15 000 Euro auf dem Sperrkonto der Initiative ein, immerhin schon fast 0,000001 Prozent der deutschen Staatsschulden. Sensationell! Verzinst mit vier Prozent wäre die Billionenschuld schon in 473 Jahren abgetragen. Das Problem ist nur: Bei dem Tempo, mit dem die deutsche Schuldenuhr rast, sind 15 000 Euro schon in sechs Sekunden wieder angehäuft.

Wir wissen nicht, ob Wolfgang Schäuble schon mal bei RTL-Schuldnerberater Peter Zwegat angerufen hat. Immerhin kann er ja sein Geld selbst drucken. Aber eigentlich war der Aufruf überflüssig. Am Ende zahlen sowieso wir die Zeche. Viel Spaß beim Tilgen!

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