Zugreportage: Eine Reise ins Wildbad Kreuth
Wo bitte fängt der Süden an?
Schweinshaxe, Gamsbart und die CSU, dazu noch ein paar Berge, und das Bild von Süddeutschland ist perfekt. Zumindest aus norddeutscher Sicht. Aber gibt es den Süden wirklich erst im 800 Kilometer entfernten Wildbad Kreuth? Alle Klischees wollen überprüft werden. Eine Reise quer durch Deutschland, auf der Suche nach dem wahren Süden.
Foto: Arlt
Acht Damen mittleren Alters prosten sich mit Sekt zu: "Auf die schöne Fahrt." Die kleinen blauen Gläser klirren leise. Ich trinke Kaffee. Warum eigentlich? Schmeckt besser zum Franzbrötchen. Außerdem ist es gerade erst 7 Uhr 28. Der IC 2083 nach Berchtesgaden setzt sich in Fahrt. Nicht mein Ziel. Ich will nach Kreuth, genauer gesagt, Wildbad Kreuth in Oberbayern. Dort in der Hanns-Seidel-Stiftung tagt die CSU alljährlich, das bayrischste an Bayern (oder?), und es ist der südlichste Punkt Deutschlands, gefühlt zumindest.
800 Kilometer geht es nun gen Süden. Aber wo genau fängt der eigentlich an? Für den, der am Nordpol steht, ist alles Süden. Aber das tun nun mal die wenigsten, zählt also nicht. Süden - das ist nicht einfach nur eine Himmelsrichtung. Mit dem Süden verbindet sich so viel mehr: Sonne, Berge, Urlaub, Italien - vielleicht auch Bayern. Andere sagen, schon hinter den Elbbrücken fängt der Süden an. Wir werden sehen.
Das Gekicher der lustigen Frauenrunde reißt mich aus meinen Gedanken. Die Frauen reden, futtern Käsewürfel mit kleinen Holzspießen, schenken sich Sekt nach. Wie viel haben die davon eigentlich mitgenommen? Die Stimmung ist locker. Und so kann eine stockende Durchsage vom Bahnpersonal schon mal zur lauten Erheiterung beitragen.
Am Fenster rauschen die Eisenpfeiler einer Elbbrücke vorbei. Ein letzter Biss Franzbrötchen, dann verschwindet die Hansestadt samt Speicherstadt aus dem Blickfeld. Alles da draußen wird grün. Nebelschwaden hängen über den Wiesen. Am blauen Himmel nur ein Kondensstreifen. Birkenwäldchen, Maisfelder, gepflügte Äcker, schwarz-weiß gefleckte Kühe, Windräder ziehen vorbei. Wie schön es doch im Norden ist.
Der Bayer an sich soll ja nicht immer einfach im Umgang sein, zählt er doch das Granteln zu seinen herausragenden Eigenschaften. Gut, dass ich eine "Gebrauchsanweisung für Bayern" im Gepäck habe. Darin gibt Autor Bruno Jonas nützliche Hinweise für die Kontaktaufnahme mit schwierigen Einheimischen. Zunächst muss sich der Reisende klarmachen, dass es in Bayern keine Gastfreundschaft gibt. "Sollten Sie dennoch in den Genuss eines irgendwie aufnahmefreundlichen Verhaltens kommen, so müssen Störungen einer uralten bayrischen Grundhaltung vorliegen", heißt es im Reiseführer. Na, das kann ja heiter werden. Aber es gibt da doch auch andere. Doch alles Klischee und Vorurteil?
In Lüneburg wird der Zug richtig voll. Eine Gruppe junger Männer in Werder-Bremen-Trikots steigt ein. Fast alle Plätze sind nun besetzt. Trotzdem ist es bis auf gelegentliches Kichern und konstantes Tippen auf der Laptoptastatur ruhig. Einige Mitreisende schließen noch einmal die Augen. Die Sonne macht schläfrig, und außerdem ist es gerade erst kurz nach neun. Allerdings nicht zu früh für ein paar Beck's, finden die Werderjungs und zischen das erste Bierchen. Die Frauen stricken und blättern in Zeitschriften. Der letzte Tropfen Sekt ist getrunken, nun sind sie ruhig.
Hinter Hannover der erste Hügel. Kann es wirklich sein, dass der Süden nur 136 Kilometer Luftlinie von Hamburg entfernt beginnt? Der Zug saust durch Tunnel und sorgt für Druck auf den Ohren. Ein paar Sekunden streift der Blick über Mischwälder, um sofort wieder in den nächsten Tunnel einzutauchen. Nach einem kurzen Stopp in Göttingen erreicht der IC pünktlich um 10 Uhr 03 Kassel. Die Fußballfans öffnen die nächsten Flaschen, rülpsen und singen "Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß". Wie auch immer. Die Reise nach München ist lang und die Kehlen trocken. Reisende in Fleecepullovern und Funktionshosen steigen ein, die Wanderstöcke im Gepäck. Die Berge rufen wohl den Kraxler. Anstelle von Trolleys werden Rucksäcke in den Ablagen über den Sitzen verstaut. Alle Plätze sind belegt.
Straßen schlängeln sich um Hügel. Weißes Fachwerk hat den roten Backstein abgelöst. Rauchende Schornsteine einer Papierfabrik in Fulda. Im Bistrowagen sitzen drei Herren im besten Alter zusammen, auch sie trinken Bier. Lädt eigentlich der Zug zum Biertrinken ein, oder ist es eher die Aussicht auf den Süden? Oder Training für das Oktoberfest? Einer trägt einen Janker mit Hirschkopfstickerei. Keine Bayern, wie sich herausstellt. Der Stammtisch aus Einbeck, also südliches Niedersachsen. Die Hosenträger mit der feschen Edelweißverzierung habe er mal in Garmisch-Partenkirchen gekauft. In Franken wollen die Männer das 35-jährige Bestehen ihres Stammtisches feiern. Ihre acht Kameraden hüten derweil in Wagen acht das mitgebrachte Bierfass. Am Abend soll es die erste Verkostung geben.
In Würzburg steigen die durstigen Fußballjungs und die lustige Damenrunde aus. Sie nehmen den ICE 785 nach München. Für uns geht es weiter nach Augsburg, wo wir mit dem IC weiterfahren.
Entschleunigung. Nicht, dass ich noch den Süden verpasse. Ein Wanderer steigt zu. Kleidung: südländisch. Ansonsten ist das Abteil fast leer. Auf einem Sitz liegt ein Hamburger Abendblatt, schon gelesen.
Die Weiterfahrt verzögert sich. Eine Notbremse wurde gezogen. "Mutwillig oder vielleicht versehentlich", sagt der Zugführer über Lautsprecher und weist die Mitarbeiter an, ihre Abteile zu kontrollieren. Ein Service-Mitarbeiter unterhält sich mit der Fahrkartenkontrolleurin.
Er sächselt. Der Zug setzt sich wieder in Bewegung. An den Hängen wachsen Weinstöcke. Der Himmel ist immer noch strahlend blau, die Landschaft grün. Kurze Zeit später wird die Gegend wieder verdächtig flach.
Traktoren ziehen Furchen durch braune Erde. Hier und da blüht ein Rapsfeld zum zweiten Mal. Ansonsten wird hier hauptsächlich Mais angebaut. Ich dachte, den gibt es nur in Norddeutschland. Eine Herde Kühe grast friedlich. Einige sind braun, andere schwarz-weiß. Steinach, Ansbach, Gunzenhausen - vom Süden ist hier aber, bis auf die braunen Kühe, eigentlich nichts zu sehen. Es könnten auch Orte in Mecklenburg-Vorpommern sein. Jedenfalls vom Zugfenster aus. Allerdings sind kaum noch Windräder und immer mehr Solaranlagen zu sehen. Sogar auf Stalldächern sind sie installiert. Vielleicht ist das Wetter im Süden ja wirklich besser.
Hinter Treuchtlingen sieht es gleich wieder ganz anders aus. Es wird immerhin etwas hügelig, dann sogar felsig. Eine mittelalterliche Burg saust am Fenster vorbei.
Um 13 Uhr 28 erreicht der Zug Augsburg. Viele steigen hier aus. Vor der Tür bildet sich eine Schlange. Ein kleiner Junge nimmt das zum Anlass, seinen Unmut kundzutun. Er regt sich darüber auf, dass seine Mutter mit ihm zur Kur in die Berge fährt. "Die Berge sind doch behindert", hadert er lautstark mit seinem Schicksal. Er würde ja nicht in die "bescheuerten Berge" fahren, aber seine Mutter eben. Mit sechs Jahren hat man nicht viel zu melden. Seine Fahrt geht weiter. Ich steige aus.
Und da steht er. Direkt auf Gleis vier. In grünen Lederhosen, Kniestrümpfen und Janker. Der erste Bayer in landestypischer Tracht. Er trägt einen auffällig schönen Hut mit Gamsbart, Edelweiß und Anstecknadeln. Die eine hat er für 40 Jahre Mitgliedschaft im Sportschützenbund erhalten. Ein Mann mit Tradition. Tradition ist doch auch etwas sehr Bayrisches, oder? Sichtbar gemachte jedenfalls. Hier bin ich auf jeden Fall richtig.
Die Spitzen seines grauen Schnauzers kringeln sich lustig nach oben. Geduldig wartet er neben einer Gruppe japanischer Touristen. Auch sie tragen Kopfbedeckung: Wollmütze in Schwarz-Rot-Gold. Der IC 2297 nach München fährt ein. Der Bayer steigt nicht mit ein, die Japaner schon. Der Lokführer begrüßt die Zugestiegenen bemüht Hochdeutsch. Den bayrischen Akzent kann er nicht verbergen. Fast schon sanft entschuldigt er sich für vier Minuten Verspätung. Ein mobiler Service bietet Kaffee und Brezel an, Brez'n heißen die ja jetzt hier. Keine halbe Stunde später hält der Zug am Münchner Hauptbahnhof. Menschengewusel empfängt den Reisenden. Wollen die alle auf die Wiesn? Oder sind sie wegen der Landtagswahlen so aufgeregt? Wie auch immer. Es geht nur mühselig voran. Aber die Bayrische Oberlandbahn zum Tegernsee wird nicht warten. Und die fährt nur stündlich. Also ist Eile angesagt. Mit bayrischer Gemütlichkeit kann man hier nicht gewinnen. Noch trennen uns vier Lahme und Humpelnde vom Bahnsteig. Wie kommt es, dass so viele Menschen mit gegipsten und geschienten Beinen hier unterwegs sind? Der Süden geht auf Krücken. Mir fällt der kleine Junge aus dem Zug wieder ein.
Wie viel wusste er wirklich? Trotz Krückenmarathon erreiche ich die BOB rechtzeitig. Die ist hinreichend mit Warnschildern ausgestattet: Essen und Telefonieren verboten. Und keine Sportgeräte auf die Ablage legen. Wahrscheinlich sind diese Hinweise notwendig, um weitere Unfälle zu vermeiden.
Die Mitfahrenden verstehe ich kaum noch. Hier wird tiefstes Bayrisch gesprochen, nehme ich an. Nach ungefähr einer Stunde hält die Bahn in Tegernsee. Um den See liegen viele Kur- und Ferienorte.
Bad Wiessee mit seinem Jod- und Schwefelbad, Rottach-Egern mit seiner luxuriösen Einkaufsmeile und die Stadt Tegernsee, die bekannt ist für ihre traditionellen Bräustüberl. Hier könnte ich es gut aushalten.
Doch werde ich von den Orten nicht viel sehen. Denn der Bus nach Kreuth, dem Heilklimatischen Kurort, wartet schon. Kreuth, die südlichste Gemeinde des Tegernsees, liegt auf 800 Meter Höhe. Direkt am Alpenrand.
Der Bus schlängelt sich die Straße entlang, durch malerische Städtchen und Dörfer. Wir passieren Maibäume im landestypischem Blau-Weiß-Anstrich, Kirchen mit Zwiebeltürmen, saftige Wiesen, auf denen braune Kühe grasen, mit Blumen und Kerzen geschmückte Marterl mit der Figur von Christus. Lüftlmalereien, Hirschgeweihe und Geranienträume zieren die wunderschönen Giebelhäuser. Kein Zweifel, hier schlägt das Herz Bayerns. Direkt vor der Gaststube "Zur Post" hält der Bus. Aussteigen, durchatmen. Die Luft ist eine andere als zu Hause. Irgendwie feucht und klar. Es klingt komisch, aber es riecht nach Bergen. Der Ort strahlt Ruhe und Erholung aus. Die Glocken der Kirche läuten. Hektik scheint hier ein Fremdwort zu sein. Gleich hinter dem Achenpass liegt Österreich. Dabei möchte man wetten, dass hinter den Bergen die Welt zu Ende ist. Beim Anblick dieser Kulisse wird mir klar, warum dies eines der beliebtesten Urlaubsziele ist. Ein gelbes Plakat am Straßenrand klingt verheißungsvoll: Heute Abend lädt der Skiklub zum "Kreuth'a Weinfest". Beste Gelegenheit bayrisches Brauchtum zu erleben. Und offenbar gibt es hier nicht nur Bier.
Im beheizten Zelt am Leonhardstoana Hof sind lange Tische und Bierbänke aufgestellt. Alle Frauen tragen Dirndl, Kropfbänder und kunstvoll geflochtene Frisuren. Kurze Lederhosen geben den Blick frei auf stramme Männerwaden. Erstaunlicherweise ist auch die Jugend in Tracht gewandet. Keine Deppen, wie man voreilig annehmen könnte, sondern wache junge Menschen, denen man auf der Straße hinterherschauen würde. Gleich neben dem Eingang ist die Tanzfläche, daneben die Bühne für die Musiker. Fünf Burschen in Miesbacher Tracht singen und spielen, was das Zeug hält. Ein Banner verrät, den Namen der Band: "Bagg Ma's", was so viel heißt wie "Packen wir es an". Mit Hubert Huber an der Trompete (er heißt wirklich so). Sepp Hengler bläst das Bariton, Leonhard Reischl die Klarinette. Dionys Veicht sorgt am Akkordeon für Stimmung. Und Max Spornraft rockt das Zelt mit der Gitarre. Sie schmettern eine Polka nach der anderen. Es dauert nicht lange, und die ersten Paare stürmen die Tanzfläche. Die Männer wirbeln ihre Tanzpartnerinnen herum. Die Röcke fliegen. Die Wangen röten sich. Es scheint Spaß zu machen. Was gäbe ich drum, jetzt ein Dirndl anzuhaben und in der Masse mitzuschwimmen. Klar, dass niemand eine Frau in Jeans und Kapuzenpulli zur Polka auffordern wird - und dann noch eine aus dem Norden. Auch nicht dieser blonde Lockenkopf, der am Rand steht. Wie würde das aussehen? Hose tanzt mit Hose. Lächerlich. Der Heath Ledger der Berge schnappt sich ein Mädel im Dirndl und zieht es auf die Tanzfläche.
Na gut, die Platte mit Schinken und Käse und der Wein sind schon auch ganz nett.
"I hab glei g'wusst, dass du net von hier bist", sagt die Frau neben mir. Was mich wohl verraten hat? Dass ich die Kellnerin gefragt habe, was "Vischgerl" sein soll? Meine legere Kleidung? Oder dass ich auf Fragen mit "ich versteh kein Wort", "immer noch nicht" und "tut mir leid, aber ich komme von ganz weit her" antworte. Dabei stets höflich lächelnd, um Haltung zu wahren. Die Frau stellt sich als Uschi aus Nürnberg vor. Ihr Dirndl, sie besitzt immerhin eins, hat sie zu Hause gelassen. Mit ihrem Mann verbringt sie gern mal ein Wochenende im Tegernsee Tal. Auf das Weinfest sind sie zufällig gestoßen. Auch sie trägt Jeans. So ein Schicksal verbindet. Die Band singt: "I sitz mit di am Logerfeier". "Verstehst du das?", fragt Uschi und lacht sich kringelig. Sowieso scheint es für Bayern nichts Amüsanteres zu geben, als einen Norddeutschen, der hilflos dem bayrischen Dialekt ausgeliefert ist. Und das wird noch ein lustiger Abend.
Am nächsten Morgen heißt es: Auf nach Wildbad Kreuth, dem Klausurtagungsort der CSU-Landesgruppe. Die Keimzelle Bayerns, wenn man so möchte und deshalb Ziel der Reise. Mein Weg führt mich am Fuße der Berge durch moosbedeckten Wald. Neben dem Weg verläuft die Weissach, die den Blaubergen entspringt und in den Tegernsee mündet. Kristallklar und eiskalt plätschert der Fluss vor sich hin. Idylle pur. Nur getrübt vom fernen Autolärm der Bundesstraße 307, die vom Achenpass kommt und zum Tegernsee führt. Mehr als 100 Kilometer Wander- und Spazierwege gibt es hier. Menschen eher nicht so viele. Es ist noch früh, und der Morgennebel verhängt die Berggipfel. Das Ende meiner Reise ist nur noch zwei Kilometer entfernt. Was ich gesucht habe, den Süden, habe ich längst gefunden. Süden steckte in den Hügeln hinter Hannover, in Bitburgern und Brez'n, in braunen Kühen, in Rucksäcken und Wanderstöcken, in Hüten mit Puscheln und drall gefüllten Dirndln. Was kann da jetzt noch kommen?
Ich habe das Gefühl, die Suche ist beendet. Ich könnte genauso gut umkehren und einen saftigen Zwetschgendatschi in Irmis Tortentraum essen. Oder eine Weißwurst in der Metzgerei. Bis zwölf Uhr schaffe ich sogar zwei. Die bayrische Küche hat ja einiges zu bieten.
Andererseits vergebe ich mir auch nichts, wenn ich einfach weiter laufe und diesen geschichtsträchtigen Ort einmal näher anschaue. Schließlich wurde das Bad bereits 1490 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1511 wurde das Badehaus unter Abt Heinrich V. von Tegernsee erbaut.
1818 erwarb Herzog Max Joseph in Bayern das Bad. Bis heute ist es Eigentum der Herzöge in Bayern. Es gibt sogar eine Verbindung zur Hansestadt Hamburg: Während des Zweiten Weltkriegs reisten Hamburger Schüler im Rahmen der Kinderlandverschickung hierher, um sich zu erholen. Seit 1974 nutzt die Hanns-Seidel-Stiftung die Räume als Bildungszentrum. Aufsehen erregte 1976 der hier gefasste Kreuther Trennungsbeschluss der CSU - ein politischer Meilenstein. Die Fraktionsgemeinschaft von CSU und CDU wurde aufgehoben. Seitdem findet jedes Jahr im Januar die Klausurtagung der CSU-Landesgruppe im Bundestag und der bayerischen CSU-Landtagsfraktion statt. Im vergangenen Jahr wurde hier auch der Rücktritt Edmund Stoibers eingeläutet. Dass hier nichts los wäre, kann man also wirklich nicht sagen. Umkehren geht nicht. Zumal ein Wegweiser darauf verweist, dass es nur noch 500 Meter bis zum Ziel sind.
Und da liegt es vor mir, das ehemalige Kurbad am Hang des Hohlensteins. Auf einer grünen Lichtung, eingerahmt von hohen Bergen, stehen das gelbe Bildungszentrum der Stiftung und die weiße Kapelle zum Heiligen Kreuz. Auf der Wiese ragt ein blau-weißer Fahnenmast gen Himmel. Das soll es jetzt sein? Ein wenig enttäuscht schlendere ich zur Kapelle, vor der sich eine kleine Menschentraube gebildet hat. Eine Hochzeit oder ein Gottesdienst? Auf jeden Fall haben sich die Kirchenbesucher ganz schön rausgeputzt. Eine Firmung soll hier stattfinden, erfahre ich. Während ich noch rätsele, was genau das sein soll, hält ein schwarzer imposanter Wagen direkt vor der kleinen Bergkapelle. Die Menschen hören auf zu reden und schauen erwartungsvoll auf die Autotür, die sich gerade öffnet.
Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, steigt aus. Na Halleluja! Prominenz ist in der kleinsten Hütte. Er begrüßt jeden der Anwesenden mit Handschlag. Die Frauen küssen ihm die Hand, oder vielleicht den Bischofsring. Der Priester hält die Schüssel mit Weihwasser. Der Erzbischof bekreuzigt sich und verschwindet in der Kirche, um den Jugendlichen das Sakrament der Firmung zu verleihen.
Ich bleibe draußen. Mehr Süden geht nun wirklich nicht.




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