Gätjen trifft ...
Karen E. Johnson: Südstaaten-Rebellin mit Humor
Rasantes Gespräch voller Gelächter: Die scheidende US-Generalkonsulin Karen E. Johnson über "Damenjobs" und zickige Skorpione.
Karen E. Johnson in ihrem Büro im kleinen "Weißen Haus" an der Alster mit Autorin Heike Gätjen.
Foto: Laible
Rotherbaum. Da wird sie sich wohl fügen müssen. Denn es gehört einfach dazu. Hier oben in der Galerie sind ihre Vorgänger alle an der Wand ordentlich aufgereiht. Und sie kommt jetzt ans Ende. In Schwarz-Weiß. Obwohl sie leuchtende Farben liebt - Karen E. Johnson, die 29. US-Generalkonsulin in der Hansestadt. Die dritte Frau in dieser Männerriege, und im September wird wieder eine Nachfolgerin kommen. "Wir Frauen können diesen Job eben machen - vielleicht sogar besser", sagt sie und lacht. Dieses ansteckende Lachen, das irgendwo tief unten glucksend beginnt und sich in hohen Kaskaden verliert.
Das mit dem Einreihen, mit dem Einfügen, habe sie nicht so gut drauf, sagt sie dann. Sie sei eigentlich immer eine Rebellin gewesen. Habe sich nie bremsen lassen von Sätzen wie "Das geht nicht"; habe immer nach dem Warum gefragt; habe versucht zu verstehen, und am liebsten natürlich zu ändern. Und hat dafür auch gleich ein handfestes Beispiel parat. Ihre Heirat.
Für diese Geschichte gehen wir erst mal in ihr Büro. Zimmer 201 mit dem kleinen Alsterdampfermodell auf dem Schreibtisch und diesem traumhaften Alsterblick, den sie so sehr vermissen wird, zurück in Washington. Die Heirat nun also. Im Oktober 1973. Mit Michael Mitchell, dem mittlerweile pensionierten Staatsbeamten im Außenministerium. Nach der Hochzeit kehrte sie zurück nach Stuttgart, wo sie die Freizeit der stationierten US-Soldaten organisierte. Ihr Chef gratulierte ihr, sagte, wie sehr er es bedaure, eine so verdiente Mitarbeiterin zu verlieren. Da hätten bei ihr die Alarmglocken geschrillt. Sie habe doch nur geheiratet und nicht ihren Abschied eingereicht! Und muss wieder unendlich lachen.
Und dann kam Richard Nixon, "man kann ihn mögen oder nicht", mit seinem Dekret, dass verheiratete Frauen im Dienst der Bundesregierung bleiben könnten. So habe sich dann doch ihr Traum erfüllt: im diplomatischen Dienst zu arbeiten. Die Sache mit der Perücke, die müssen Sie auch noch hören, sagt sie. Eine Uniform mussten Frauen in diesen "Damenjobs" tragen. Und einen militärischen Haarschnitt. Sie habe sich eine Perücke gekauft und die fast hüftlangen Haare drunter gezwirbelt. Klappt doch alles.
Diese energiegeladene, selbstbewusste Frau mit den grünen Augen hat ein Idol: die eigensinnige Südstaatlerin Scarlett O'Hara aus "Vom Winde verweht". Deshalb ihr Ratschlag für Frauen: Hört auf eure Herzen, auf euren Kopf, hört nicht auf das, was andere für richtig oder falsch halten. Verlasst euch auf euer eigenes Urteil. Just do it, just do it. Das sei wahrscheinlich auch ihr texanisches Erbe. Texaner, die Grenzbewohner, die resolut und stark sein mussten, unabhängig, überzeugt davon, dass alles machbar sei. Auch wenn es natürlich unsinnig sei, sagt sie, ganz Diplomatin, Menschen in Kategorien einzuordnen. Und ja, das Barbecue sei bestimmt eine texanische Erfindung.
Rasantes Gespräch voller Gelächter, unterbrochen höchstens von der Suche nach dem passenden deutschen Wort. Wie das mit der Zickigkeit von Skorpionen. Sie ist einer, vom Sternbild her. Und so sind wir also schon zwei. Gefährlich, sagt sie, denn die seien so intensiv. Intensiv nett oder intensiv boshaft. Sie besetze schon mal den netten Platz. Und zickig? Kenne sie nicht. Ist das nasty? Nein. Schlimmer? Ja. Finicky? Nein. Dann solle ich besser ihre Tochter fragen.
Karen E. Johnson erzählt von Tochter Kate, 24, die in Genf Psychologie studiert. Von Peter, dem ältesten Sohn, einem Wirtschaftsexperten, der gerade zu Besuch in Hamburg war. Von Matthew, 33, der ein perfektes Thanksgiving-Dinner kochen könne und beim "National Center for Missing and Exploited Children" (Nationales Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder) in Washington arbeitet.
Würde sie auch gern machen. Als fünften Karriereschritt. Nach der Zeit beim Militär, den zwei Jahren als High-School-Lehrerin, den fünf Jahren in der Marketingbranche, den 20 Jahren im diplomatischen Dienst.
Über Barack Obama sprechen wir kurz. Über ihre Zuversicht, dass er noch eine Menge bewirken wird. Über die stabile deutsch-amerikanische Freundschaft. Über 9/11, das eine so tiefe Wunde in die amerikanische Seele gerissen hat. Darüber, wie sie es nur zwölf Meilen entfernt vom Pentagon miterlebte, ihren Mann im Außenministerium anrief: "Geh raus, geh raus!" Und dass es verständlich war, dass die Menschen aus der Situation heraus glaubten, dass der Irak-Krieg richtig sei. Man müsse versuchen, das zu verstehen. Verständnis sei das Schlüsselwort. Globales Vertrauen. Darauf basiere unsere Zukunft.
Sie wird in knapp zehn Tagen Hamburg verlassen. Mit vielen Erinnerungen und einem Souvenir im Gepäck: einem Strandkorb, übergroß, naturfarben, mit blau-gelbem Innenleben. Drei Jahre hat sie noch im Außenministerium. 65, sagt sie, das sei doch noch kein Rentenalter. Aber da wird sie sich wohl fügen müssen.




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