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Journal

Verschlungene Pfade im Himalaja

Ein Dämon geht um. Irgendwo im tibetischen Grenzgebiet sucht er seine Opfer. Erst eine Lehrerin, dann zwei ihrer Schüler. Waisenkinder, die bei Nomadenclans aufwuchsen. Zwar haben die chinesischen Behörden einige Zeugen und vermeintlich Verdächtige verhaften lassen, doch die Aufklärungsarbeit betreibt ein anderer: Ermittler Shan. Der Chinese, der jahrelang aus politischen Gründen in einem Arbeitslager gefangen gehalten und gefoltert wurde, recherchiert jedoch nicht in offiziellem Auftrag: Ein tibetischer Lama hat ihn gebeten, sich der Sache anzunehmen und weitere Morde zu verhindern. In seinem zweiten Roman "Das Auge von Tibet" führt der amerikanische Rechtsanwalt und Management-Trainer Eliot Pattison erneut tief in die von China seit mehr als fünf Jahrzehnten unterdrückte Himalaja-Region. Fast 700 Seiten nimmt Pattison sich Zeit, um komplexe Beziehungsmuster zu entwickeln, Fährten nachzugehen und den Leser auf die verschlungenen Pfade tibetisch-buddhistischer Mystik zu führen. Dabei erweist er sich als profunder Kenner der Materie - auch was die Verhältnisse in den chinesischen Gulags und die planmäßige Zerstörung der tibetischen Kultur angeht. Dank dieser inhaltlichen Tiefe ist "Das Auge von Tibet" kein simpler Whodunit-Stoff, der überall spielen könnte, sondern untrennbar mit dem Leben zwischen Gebetsfahnen und Umerziehungslagern verbunden. Dass die Mörderjagd dabei nie in Vergessenheit gerät, ist Pattison hoch anzurechnen: Der Dämon muss besiegt werden. (hot) Eliot Pattison: Das Auge von Tibet. Deutsch von Thomas Haufschild, Rütten & Loening, 697 Seiten; 25 Euro.

 

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