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Journal

Tschaikowsky? Nirvana? Die Ukulele schreckt vor nichts zurück

Marilyn Monroe tat es vor fast 50 Jahren im Filmlustspiel "Manche mögen's heiß", der deutsche Allzweck-Unterhalter Götz Alsmann und die Fernsehhackfresse Stefan Raab wagten es auch: Sie griffen zur Ukulele. Das viersaitige Instrument, das portugiesische Einwanderer Ende des 19. Jahrhunderts nach Hawaii importierten, galt lange nur als Spielzeug. Zwar wurde es von den Jazzbands der 20er- und 30er-Jahre und später für den Skiffle entdeckt. Aber vorwiegend schien die Ukulele als "hüpfender Floh" (Übersetzung aus dem Hawaiianischen) ein Exotikum für Südsee-Folklore zu bleiben.

Wenn aber Ukulelespieler mit Smoking und Fliege wie ein klassisches Orchester im Halbkreis auf der Bühne sitzen und - unterstützt von einem Bassgitarristen - Lieder aus diversen Genres anstimmen, ist es ein Vergnügen - für The Ukulele Orchestra of Great Britain und fürs Publikum.

Die englische Zeitung "The Independant" adelte das Ensemble, zu dessen Fans auch Prinzessin Anne und Sir Paul McCartney gehören, "als beste musikalische Entertainer des Landes". Die skurrilsten Musik-Botschafter der Insel sind die "Ukes" ohnehin - mit einem Mix von Tschaikowsky, Ennio Morricones Westernmelodie "The Bad And The Ugly", Chics Disko-Klassiker "Le Freak" bis zu Nirvana (!). "Wir sehen alle ganz unterschiedlich aus, aber wir ticken alle ähnlich", sagt David Suich. Wenn der nicht mehr ganz junge Mann zur Grunge-Rock-Hymne "Smells Like Teen Spirit" seine langen Haare schüttelt und Peter Brooke-Turner (2,05 m) als Europas wohl größter Bonsai-Gitarrist mit einstimmt, bleibt kein Auge trocken und kein Fuß ruhig. Wie zum Beispiel beim Gastspiel im Tipi-Zelt am Kanzleramt in Berlin.

1985 hatte George Hinchliffe (heute 52) in Leeds das Orchester mit Suich, Richie Williams und Kitty Lux gegründet - ursprünglich nur für ein Konzert. Ob in Ronnie Scotts Jazz-Klub oder vor 20 000 Menschen im Hyde-Park in London, beim Festival in Glastonbury oder Edinburgh, in Nordamerika oder in Europa: Seit 16 Jahren spielt es in unveränderter Besetzung. Was auch daran liegt, dass sich die Musiker auf ihrem weltweiten Siegeszug mit der "Kindergitarre" nie so richtig ernst nehmen. "Wir machen nichts, was wir nicht mögen", erzählt Hester Goodman, einst auch als Schauspielerin und Comedienne tätig. "Unser Ziel ist, dass sich das Publikum gut fühlt", sagt die smarte Lady, "aber in Berlin hatten wir auch ein besonders intelligentes Publikum . . ."

Die Herausforderung können Hanseaten annehmen: Von nächster Woche an zelebrieren die Briten ihre "Anarchy in the Ukulele" erstmals in Hamburg, in den Fliegenden Bauten; mehr als 250 Hits haben sie im Songbook. Und nur ein alter Otis-Redding-Titel scheint im Widerspruch zur musikalisch-minimalistischen Leichtigkeit des Orchesters zu stehen: "Hard To Handle". . .

Anarchy in the Ukulele 6.-18. Febr., Di-Sa 20 Uhr, So 19 Uhr (Einlass u. Gastronom. 90 Min. vorher), Fliegende Bauten, Glacischaussee 4, Karten zu 14,60 bis 34,56 Euro (Preview am 6.2.: 18,80 Euro ) im Abendblatt-Center, Caffamacherreihe 1, T. 303 73 20; Internet: www.fliegende-bauten.de ; www.ukuleleorchestra.com

 

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