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Journal

Worüber Männer im Schuhgeschäft so reden

Franziska Steiof, 43, ist derzeit sehr gefragt: Am Berliner Grips-Theater und auf zwei Schleswig-Holsteiner Bühnen sind gerade Stücke von ihr zu sehen, und ihr bisher neuntes Werk zeigt sie mit ihrer Gruppe DeichArt nun im Hamburger monsun theater: "Schwitzende Männer im Schuhgeschäft" (20. -23. 4., je 20 Uhr) plaudern über Abgründiges und Skurriles aus ihrer Innenwelt. Wir wollten wissen, was Franziska Steiof über Männer, Frauen und das Öl im Beziehungssalat denkt.

JOURNAL: Drei Männer, drei Hocker, drei Ansichten; um was geht's in Ihrem Stück?

FRANZISKA STEIOF: Drei grundverschiedene Männer packen aus, unterhalten sich und singen über ihre An- und Einsichten, Frauen, Sex und ihre Rollen im Alltag. Die Konstellation mit Tom Keller, Nickel Bösenberg und Eirik Behrendt auf der Bühne eignet sich hervorragend für ständig wechselnde Koalitionen und Konkurrenzkämpfe untereinander. Übrigens wird dabei mehr gespielt als gelitten.

JOURNAL: Woraus ist das Stück gemacht? Aus Emanzipation, Liebe oder Verzweiflung?

STEIOF: Weder noch. Aus der Lust von uns vieren, zusammen eine musikalische Theater- Unterhaltung zwischen U und E zu entwickeln. Unsere gemeinsame Humorlage ist einer der Trümpfe! Wir haben unsere Lieblingssongs gesammelt und einige neu für Klavier, Trommeln und Gesang umgesetzt. Im Kern des Stückes geht es um das vermeintlich Private. Daß sich drei Schauspieler darauf einlassen, hat mit Offenheit, Vertrauen, Respekt zu tun, insofern also schon mit den Grundpfeilern von Liebe.

JOURNAL: Was hat Sie auf die Spur des so ungern einkaufenden Geschlechts gebracht?

STEIOF: Der Titel entstand bei Proben für den "Schimmelreiter" in Kiel. Nach einer anstrengenden Probe stellte sich Tom Keller an seinen Synthi, sang sich die Anspannung aus dem Leib und improvisierte über schwitzende Männer im Schuhgeschäft. Ich war begeistert.

JOURNAL: Wollen Sie den Männern etwas beibringen oder den Frauen Langmut nahelegen?

STEIOF: Eher unterhalten und neue Sichtweisen eröffnen. Schön, wenn Frauen und Männer dann neue Einblicke in männliches Erleben gewinnen. Wenn die drei mit ihren Eigenheiten, Ticks, Abgründen und Träumen den Zuschauern ans Herz wachsen, entsteht zwischen Bühne und Publikum eine positive Verbindung.

JOURNAL: Was ist dran an der Ansicht: "Männer und Frauen passen nicht zusammen"?

STEIOF: Wenn es keinen Bedarf an der Beziehung zwischen beiden gäbe, wäre sie längst ausgestorben. Irgend etwas paßt also nach wie vor perfekt. Um den Rest wird naturgemäß gerangelt.

JOURNAL: Wie ist es denn, wenn S i e ins Schuhgeschäft gehen?

STEIOF: Eine deutsche Frau hat im Durchschnitt 17 Paar Schuhe. Ich liege leicht drunter, bin kein Dauergast in Schuhgeschäften, brauche aber viel länger als die meisten Männer.

JOURNAL: Hatten Sie Anschauungsobjekte?

STEIOF: Alle Menschen in meiner Umgebung. Ich sammle Geschichten, Sichtweisen und Momente, die über sich hinaus wirken. In diesem Stück kombinieren wir Improvisationen der Darsteller mit Geschichten, die ich einfließen ließ.

JOURNAL: Schwierig, selbstironische Menschen zu finden, die so etwas spielen können. Wie haben Sie gleich drei gefunden, und dann noch männliche?

STEIOF: Gemeinsame Erfahrung war durch lange Zusammenarbeit am Kieler Theater vorhanden. Irgendwann gründeten wir die freie Gruppe DeichArt. Seit 2002 produzieren wir Stücke.

JOURNAL: Beschreiben Sie drei männliche Eigenschaften, über die Sie gestolpert sind.

STEIOF: Außerhalb der Arbeit: die Fähigkeit ab- und umzuschalten, Eitelkeit, Narzismus.

JOURNAL: Und drei weibliche?

STEIOF: Die Unfähigkeit, ab- und umzuschalten. Ständige Selbstzweifel. Sich als Opfer der Umstände zu definieren.

JOURNAL: Wie kommt man da denn noch zusammen?

STEIOF: Das Öl im Beziehungssalat setzt sich aus Respekt, Humor und Lust zusammen. Ein prima Verbindungsmittel ist übrigens auch, etwas gemeinsam zu produzieren. Wie wir.

 

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