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Journal

Wie Sie selbst die Welt ein bißchen besser machen können

Das wär's doch: Nicht gleich Berge versetzen, sondern schon im Kleinen etwas bewirken. Eine Aktion aus England sammelt Vorschläge, die jeder umsetzen kann: jemandem im Bus den Sitz anbieten, jemandem zuhören, mit Kindern essen, mit dem/der Liebsten baden und Wasser sparen. Jeder kann etwas tun, das für alle gut ist. We are what we do gibt positive Impulse, Beispiele sehen Sie hier.

Die entscheidende Frage stellte David Robinson im November 2002 in London: "Was sollen deiner Meinung nach eine Million Menschen tun, um die Welt zu verändern?" Er veröffentlichte sie in Zeitungen, schickte E-Mails, streute sie in seinem Bekanntenkreis. Und wurde reichlich belohnt: Rund 1500 Vorschläge, die Welt mit einfachen, alltäglichen Handlungen ein bißchen besser zu machen, gingen bei ihm ein.

Das war der Startschuß. Der Beginn einer erstaunlichen Bewegung namens We Are What We Do (WAWWD), was etwa das Gleiche bedeutet wie ein Satz von Mahatma Gandhi: "Be the change that you will see in the world" - Sei der Wandel, den du in der Welt sehen möchtest. "Wenn man es mit einem guten Marketing schaffen kann, ein Markenzeichen für einen Turnschuh zu entwickeln, warum dann nicht auch für einen wohltätigen Zweck?" hatte sich Robinson gefragt.

Man kann. Schnell fand Robinson eine enthusiastische Mitstreiterin: Eugenie Harvey. Sie quittierte ihren Job bei der Beratungsfirma Brunswick umgehend, nicht ohne Brunswick dazu zu bewegen, unentgeltlich

Büroräume für We Are What We Dobereitzustellen.

Robinson führte dann Gespräche mit potentiellen Sponsoren und brachte Coca Cola dazu, eine Anschubfinanzierung von 3000 Pfund lockerzumachen. So konnte 2004 ein Buch mit 50 der eingereichten Aktionsvorschläge gedruckt werden. 70 der kreativsten Köpfe Englands hatten unentgeltlich daran mitgearbeitet. So kostete es nur fünf Pfund und bekam den Titel "Change the World for a Fiver".

Darin steht neben neuen Ansätzen auch viel Altvertrautes. Etwa "Verzichte auf Plastiktüten" und "Stell das Wasser ab, wenn du die Zähne putzt". Aber erst die Bündelung und die lockere Präsentation, der clevere Marketing-Leute einen lebendigen, unverkrampften Charme verpaßten, setzte einen Strudel in Gang, dem sich viele Leser nicht entziehen konnten.

Mittlerweile schlägt die Bewegung Wellen bis Argentinien, Norwegen und Australien, wohin allein 190 000 Exemplare des Buches verkauft wurden - ganz ohne daß jemand mehr Geld damit verdienen will, als die Organisation braucht, um sich weiter bewegen zu können.

Damit reiht sich WAWWD nahtlos in neue Strömungen ein, in denen Menschen ganz persönlich etwas tun wollen, um das Zusammenleben angenehmer, gesünder, emotional reicher zu machen: "Kommunitarismus". Eine Bewegung, die nicht nach Staat oder Institutionen ruft, sondern die Initiative des Einzelnen stärken will.

Auch WAWWD ist wichtig, sich nicht vereinnahmen zu lassen, weder von sendungsbewußten Öko- oder Gutmenschen-Initiativen noch von Gesundheitsaposteln, Lobbyisten religiöser Gruppen oder Wohltätigkeitsvereinen. Das eröffnet die Chance, daß unterschiedliche Beweggründe einfließen - mit einem gemeinsamen Ziel: Mitmenschen zu inspirieren, durch einfache Handlungen in ihrem Umfeld die Welt zu verbessern und diese Kraft weiterwirken zu lassen.

"Mit gefällt die Idee, daß sich hier ein Unternehmen nicht für mehr Profit einsetzt, sondern für etwas Gutes. Die Bewegung ist neu, frisch, hat eine positive Idee für das Leben und baut den Sinn für die Gemeinschaft wieder auf, der verlorengegangen zu sein scheint", sagt Nick Walker, zuständig für die Realisierung des "Fiver"-Buches.

Dabei will, darf und soll WAWWD gerne lustig und ironisch sein. Die Aktion Nr. 22 "Mach ein Testament, das Gutes tut" gibt dieses Beispiel: "1977 hinterließ Ernest Digweed Jesus 26 000 Pfund. Auszuzahlen beim Beweis von dessen Existenz". Die Aktion 07 "Pflanz einen Baum" nennt als Grund: "Aus Zeug, das wir nicht brauchen (Kohlendioxid), machen sie Zeug, ohne das wir nicht leben können (Sauerstoff)." Klingt irgendwie überzeugend.

Überhaupt ist ziemlich viel erlaubt, ja gefordert, was Spaß macht: Mit jemanden baden, den man liebt - das spart nämlich Wasser. Ein Buch, das man nicht mehr liest, auf einer Bank liegenlassen - der nächste kann noch Freude dran haben. Und man braucht auch nicht unbedingt Geld, um die Welt zu verändern. Jeder kann spüren, daß es Auftrieb gibt, wenn er nur ein paar der Vorschläge umsetzt. Zum Beispiel, wenn er dem gepflanzten Baum beim Gedeihen zusieht. "Wenn genug Leute mitmachen, werden wir uns nicht gut fühlen, weil wir Gutes getan haben, sondern weil wir wirklich einen besseren Zustand als vorher erreichen können", sagt Eugenie Harvey.

Sie und David Robinson zweifelten anfangs, ob sie überhaupt 10 000 Bücher loswerden würden. "Bis heute haben wir dann aber insgesamt 370 000 verkauft", freut sich Eugenie. "Change the World for a Fiver" wurde ein Bestseller und stand acht Wochen auf der Bestsellerliste der Sunday Times. Zigtausende wurden inspiriert, die 50 kleinen Ideen mit großer Wirkung auszuprobieren. Inzwischen kann man im Internet seine eigenen Vorschläge registrieren. Seit Anfang Februar sind allein in Deutschland mehr als 23 000 zusammengekommen. Und die deutsche Auflage von 30 000 Büchern "Einfach die Welt verändern" war innerhalb von einer Woche ausverkauft.

Die Bewegung wächst. Viele tun was. In England gibt es schon Schulen mit We Are What We Do-Projekten. Aus den anfangs sieben Sponsoren sind jetzt Hunderte geworden. Buchhändler haben ihre Gewinnmarge für das Buch heruntergeschraubt und unterstützen Aktion 1: "Verzichte auf Plastiktüten, so oft es geht". Karin Markowski im Londoner Buchladen "Books etc." erzählt: "Wir fragen die Kunden nicht: ,Wollen Sie eine Tüte?', sondern ,Brauchen Sie eine?'"

Wenn WAWWD sich in London offiziell vorstellt, wird auch der deutsche Konditor Gerhard Jenne tätig: Er backt Mürbeteig-Männchen für die Gäste. "Albert Schweitzer hat gesagt: ,Auch das wenige, was du tun kannst, ist manchmal viel.' Nichts anderes ist es doch: Man muß einfach was machen", sagt Jenne, der in London lebt.

Andere Unternehmen wie die Standard Chartered Bank kaufen WAWWD-Bücher und schenken jedem Angestellten eins. Das Hotel One Aldwich legt in jedem Zimmer zwei der Bücher aus: eins zum Blättern und eins zum Kaufen und Weiterverschenken. Die fünf Pfund gehen ohne Abzüge an WAWWD.

Auch viele Privatpersonen stellen sich in den Dienst der Bewegung. Wie Fiona Wollensack (23), die damit Aktion 32 "Tauscht, was ihr könnt" umsetzt: Die in Wales lebende Tochter deutscher Eltern war begeistert von dem Buch. "Ich hab' sofort da angerufen und gefragt, ob ich mitarbeiten kann." Jetzt übersetzt sie unentgeltlich die Website für We Are What We Do. "Ich freu' mich, daß ich nur mit meiner Fähigkeit, Deutsch und Englisch zu sprechen, so viel helfen kann", sagt sie strahlend. "Und daß ich damit einen Unterschied machen kann. Das reicht mir völlig."

SO KÖNNEN SIE MITMACHEN

Wer Lust hat, sich an den Aktionen zu beteiligen, oder selber welche vorschlagen möchte, findet dazu Möglichkeiten auf der Website von We Are What We Do: www.wearewhatwedo.de

Auch Unterrichtspläne für Schulen, Informationen für Unternehmen und Videoclips, zu denen die Bewegung inspiriert hat, sind dort zu finden. Das Buch "Einfach die Welt verändern", gestaltet von Scholz & Friends Berlin, ist im Pendo Verlag erschienen, hat 56 Seiten und kostet 7,90 Euro. Zu kaufen im Buchhandel oder per E-Mail beim Pendo-Verlag unter info@pendo.de

Deutscher Sitz von We Are What We Do: Wolliner Str. 18/19 Arkonahöfe, Aufgang B, 10435 Berlin

 

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