Die Legende von Camelot lebt ewig
König Arthur (Artus) verzaubert die Briten nicht nur in einem neuen Film: ein allgegenwärtiger Held, der vielleicht gar nicht gelebt hat.
Jeder zehnte Brite hält Hitler und Churchill für Fabelwesen. König Arthur (Artus) dagegen, glauben 57 Prozent, hat tatsächlich existiert. Der Mythos und die Legende um diesen Arthur sind lebendiger denn je. Manche Historiker meinen aber, lebendiger, als es der echte Artus jemals war - denn es habe ihn nie gegeben.
Was aber verzaubert nicht nur die Briten so an dieser Gestalt? Warum bringt Hollywood mit "King Arthur" das Epos zum wiederholten Male auf die Leinwand? Der Autor Geoffrey Ashe ("König Arthur - die Entdeckung von Avalon") erklärt die Faszination so: "Arthurs Königreich verkörpert die Vorstellung eines weit entfernten goldenen Zeitalters. Mit seinem Namen sind Glanz und Hoffnung verbunden - die aber nicht wirklich verloren sind."
Die Legende hat die Dichtung seit 1200 Jahren beflügelt. Ob Wolfram von Eschenbach, Mark Twain, John Steinbeck oder Harold Foster ("Prinz Eisenherz") - immer kamen neue Facetten hinzu. Lord Tennysons lyrische Dichtung "The Idylls of the King" galt als Queen Victorias Lieblingsbuch. Marion Zimmer Bradley fand 1982 mit dem Schmöker "Die Nebel von Avalon" ein breites Publikum. Filmstudios von Disney bis Monty Python rangen dem Stoff mal schwülstige, mal komische Seiten ab. Die Kennedys nannten das Weiße Haus ihr Camelot. Und im Hotel "Excalibur" in Las Vegas finden jeden Abend Ritterspiele statt.
Die Artus-Saga ist eine simple Dreiecksgeschichte: Königin Guinevere zwischen Artus und dessen Freund Lancelot; dazu jede Menge Abenteuer bei der Suche nach dem Heiligen Gral; ein listiger Zauberer; eine Prise Intrigen und ein offenes Ende - Artus wartet auf der Insel Avalon auf die Rückkehr, so wie Barbarossa im Kyffhäuser die Tage zählt.
Die Accessoires stimmen: eine Mischung aus Romantik, Action und Magie mit edlen Rittern und schönen Frauen, prächtigen Festungen und dunklen Mächten macht Arthur zur wichtigsten Figur der britischen Mythologie neben Richard Löwenherz und Robin Hood.
Leider hat Arthur der Nachwelt nichts hinterlassen. Weder Dokumente noch zeitgenössische Bildnisse, erst recht nicht Excalibur, das magische Schwert, oder ein Grab. Jeder Fund, der nur annähernd aus dem fünften Jahrhundert stammen könnte, wird gern Arthur zugeschrieben. Dass es in Cadbury Castle eine große Festung gab, ist unbestritten - nur war es Camelot? Dass es in Glastonbury von Sümpfen und Flussläufen wimmelt, sieht jeder - nur war es Avalon? Viele Engländer träumen, in der Burgruine auf den Klippen von Tintagel an Cornwalls wilder Nordküste könnte irgendwann das Schwert Excalibur oder der Heilige Gral ausgegraben werden - dabei ist sie 700 Jahre jünger als die Arthur-Legende. Aber auch die walisische Tourismusindustrie beansprucht Arthur als Sehenswürdigkeit, ähnlich wie Frankreich und sogar Italien.
Arthur soll, wenn er denn lebte, irgendwann im fünften oder sechsten Jahrhundert in Wales, den Midlands oder in Cornwall geboren worden sein. Er soll als Heerführer mit dem Titel "Dux Britannorum", Herzog von Britannien, die Armeen der verschiedenen Provinzfürsten nach dem Ende der römischen Herrschaft gegen die eindringenden Angeln und Sachsen kommandiert haben. Eine Schlacht, die von Mount Badon (nördlich des heutigen Bath) zwischen 490 und 516, ist historisch belegt. Der erwähnte Heerführer hieß allerdings Ambrosius Aurelianus und war auch kein König - von einem Arthur ist keine Rede.
Der Name Arthur oder Artus wird erst viel später erwähnt: etwa in der "Historia Britonum" aus dem 9. Jahrhundert, in der "Historia Regum Britanniae" des Bischofs Geoffrey of Monmouth aus dem 12. Jahrhundert oder in einem Roman von Thomas Malory von 1485. Möglich, dass "Arthur" aus mehreren realen Personen zusammengebastelt wurde.
Der britische Historiker Mike Ibeji sagt: "Es hat immer zwei Arthurs gegeben: die verschwommene Figur der Geschichte - und den strahlenden Helden der Legende."
Der deutsche Autor Heinz Ohff ("König Artus - eine Sage und ihre Geschichte") nennt die Gestalt "ein Wunschbild des Abendlandes". Arthur sei "als Traumfigur aus Historie, Sage und Wunschvorstellung realer und greifbarer als die meisten historisch gesicherten Gestalten". Vielleicht ist er deswegen für viele Briten aus Fleisch und Blut.



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