Lara Croft und das Ende der Computerhelden
Wo kommt die Abenteurerin Lara Croft oder die Elite-Einheit "Commandos" her? Sie alle und noch zahlreiche andere Actionhelden wohnen in einem kleinen Büro an der Elbe. Dort ist der Sitz der Hamburger Spielentwicklungsfirma Eidos. 1991 stieg die Firma in die Videokompressionsbranche ein. Danach kaufte das Unternehmen immer mehr Firmen auf, woraus sich dann Eidos entwickelte. In Deutschland arbeiten dort mittlerweile 30 Angestellte, weltweit sind es etwa 600. Ihren ersten großen Erfolg feierte Eidos mit der Erscheinung von "Tomb Raider feat. Lara Croft", wovon es heute sechs Teile gibt, die mehr als 30 Millionen mal verkauft wurden. Später folgte das sehr erfolgreiche Zweite-Weltkriegs-Epos "Commandos".
Ein Interview mit dem Sprecher von Eidos, Theodossios Theodoridis, über Zukunftspläne, Erfolge und Raubkopierer.
SMZ: Wie schätzen Sie Eidos im Vergleich zu anderen Publishern ein?
THEODOSSIOS THEODORIDIS: Das ist schwer zu sagen. Eidos ist einer der führenden Publisher weltweit. Marktführer ist zwar Electronic Arts, aber es gibt keinen Konkurrenzkampf zwischen den Unternehmen, wie es in anderen Branchen der Fall ist.
SMZ: Hat sich Eidos auf ein bestimmtes Genre spezialisiert?
THEODORIDIS: Nein, eine Konzentration auf ein Genre wäre nicht sehr klug. Man muss flexibel sein und verschiedene Genres anbieten, damit für jeden Spielertypen etwas dabei ist. Wir haben von Quiz-, Sportspielen bis hin zu Action-Adventures alles im Programm.
SMZ: Wer ist auf die Idee gekommen, "Tomb Raider" zu entwickeln?
THEODORIDIS: Das war der Entwickler Core Design. Sie haben sich gedacht, warum sollte man den Charakter nicht einmal aus einer anderen Perspektive als der Ich-Perspektive sehen, und wieso sind eigentlich immer Männer die Helden in Spielen? So entstanden die so genannte Third-Person-Perspektive und der Charakter Lara Croft.
SMZ: Ist von der "Commandos"-Reihe eine Fortsetzung geplant?
THEODORIDIS: Nein, es wird kein "Commandos" in der Form geben, wie es die Fans kennen. Aber wir haben schon etwas anderes in der Entwicklung, lasst euch einfach überraschen.
SMZ: Haben Sie große Probleme mit Raubkopierern?
THEODORIDIS: Ja. Seitdem es diese extreme Form der Raubkopiererei gibt, geht der Umsatz der gesamten Branche drastisch zurück.
Auch wenn große Firmen wie wir die Verluste besser wegstecken können: Bereits jetzt steht fest, dass die Spiele-Industrie einem massiven Problem gegenübersteht. Nicht anders verhält es sich in der Musik- und Filmindustrie.
Am schlimmsten ist es für kleinere Unternehmen und Spiele-Entwickler, die auf Grund der Raubkopiererei einfach pleite gehen. Das ist mehr als tragisch, denn an jeder Entwicklung arbeiten, je nach Spiel, bis zu 100 Personen zwei bis drei Jahre lang. Wer soll in Zukunft gute Spiele programmieren, wenn sich das Business wegen der massiven Raubkopiererei nicht mehr lohnt?
SMZ: Was hat Eidos gerade so in der "Pipeline" ?
THEODORIDIS: Mit unseren baldigen Neuerscheinungen "Legacy of Kain: Defiance", "Deus Ex: Invisible War" und dem "Dark Project"-Nachfolger "Thief" haben wir drei Topspiele in der Entwicklung, die bald garantiert viele Spieler begeistern werden.
Hauke Steffen und Max Hellwig, 9 b Gymnasium Ohlstedt



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