Montag, 28. Mai 2012, 19:46

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Journal

Einmischen ist total erwünscht

Sie vermitteln, wenn es Ärger gibt. Seit die Gesamtschule Eidelstedt Streitschlichter ausbildet, ist das Klima dort angenehm und entspannt - für Schüler und Lehrer.

Schlägereien und Streitigkeiten gehören bei uns immer mehr der Vergangenheit an. An unserer Schule sorgen Streitschlichter für ein angenehmes Klima. Heidi Ruwe, die als Beratungslehrerin die Streitschlichter ausbildet, hat uns Auskunft über das Programm gegeben.

SMZ: Wie lange gibt es das Streitschlichterprogramm und wie sind Sie zu diesem Programm gekommen?

HEIDI RUWE: Im August 1998 gab es einen Konflikt in einer zehnten Klasse, in der es um ein verliehenes Video ging. Es gab eine Schlägerei, und manche Schüler meinten, dass man es hätte verhindern können, wenn jemand rechtzeitig dagewesen wäre. Da manche Schüler gerade das amerikanische Schulsystem im Englischunterricht bearbeiteten, kamen sie auf die Idee, Streitschlichter auch hier einzuführen.

SMZ: Kam das Programm von Anfang an gut bei den Schülern an?

RUWE: Ja. Wir wurden vom Kollegium, Schülerrat und der Schulleitung unterstützt. Wir machten nach der Ausarbeitung des Programms einen pädagogischen Abend, auf dem wir eine Schlichtung und einen fairen Kampf vorführten. Manche Eltern fragten, ob man auch Eltern ausbilden könne, da es zu Hause auch viele Konflikte gebe.

SMZ: Wie lange dauert die Ausbildung für Lehrer und Schüler?

RUWE: Ich habe eine zweijährige Kommunikationsausbildung gemacht, aber keine spezielle Ausbildung zur Streitschlichterin. Ich habe mir viel amerikanische und deutsche Literatur besorgt und ein eigenes Programm auf die Beine gestellt. Die Ausbildung zum Streitschlichter dauert sechs Monate, also etwa 30 Schulstunden und drei Blocktage.

SMZ: Was sind die Vorraussetzungen, um Streitschlichter zu werden?

RUWE: Man sollte soziale Kompetenzen haben. Man sollte anerkannt in einer Gruppe sein. Man sollte schweigen können. Man sollte zu seiner Meinung stehen.

SMZ: Wie kommen die anderen Lehrer mit dem Programm zurecht?

RUWE: Der größte Teil des Kollegiums ist für das Streitschlichterprogramm und meint, dass sich das Klima positiv verändert habe. Die Lehrer sagen auch, dass es sie entlastet und dass es seitdem weniger Klassenkonferenzen gebe. Es gibt aber auch Lehrer, bei denen wir das Gefühl haben, dass sie Angst haben, die Verantwortung abzugeben.

SMZ: Was ist der häufigste Streit, mit dem die Schüler zu Ihnen kommen?

RUWE: Mobbing, Beleidigungen und ein bisschen körperliche Gewalt. Die meisten Fälle gebe ich an die Streitschlichter weiter.

SMZ: Welche Arten von Streitigkeiten fallen unter dieses Programm und welche nicht?

RUWE: Alles, was in der Kommunikation zwischen Schülerinnen und Schülern nicht gut läuft und zu tätlichen Auseinandersetzungen führt, wird von uns geschlichtet. Wir schlichten keine Konflikte zwischen Schülern und Lehrern. Kriminelle Taten verweisen die Schlichter an uns, und wir geben dies an die Schulleitung weiter.

Johannes Pfeiffer, 9 a Magdalena Andrijanic, 9 c Gesamtschule Eidelstedt

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus