Ermitteln im Erziehungsurlaub
Die Ermittlerin arbeitet heute nicht. Sie arbeitet auch nicht morgen und übermorgen auch nicht. Denn die Ermittlerin ist im Erziehungsurlaub. Sie stillt ihr Kind, das noch nicht aufrecht sitzen kann und das sie "Würmchen" nennt. Später schiebt sie es im Kinderwagen durch den hohen Schnee; die Straße hoch und die Straße wieder runter.
Füllt das die Ermittlerin aus? Natürlich nicht. Sie bewegt, was es mit dem Toten im Schnee auf sich hat, dem jüngeren der beiden Jonsson-Brüder, die seit früher Jugend polizeibekannt sind. Doch während es beim Älteren weiterhin böse aussieht, scheint der Jüngere die Kurve bekommen zu haben. Solide lebte er mit Frau und Kind; widmete sich seinem Hobby: einem Aquarium, dem größten in der Stadt. Jedoch soll er sich an illegalem Glücksspiel beteiligt haben - aber weder seine Frau noch sein krimineller Bruder wissen etwas davon. Und so mischt sich die Ermittlerin ein, obwohl sie sich nicht einmischen sollte, während ihre diensthabenden Kollegen mit den Ermittlungen feststecken.
Der Schwede Kjell Eriksson hat mit "Der Tote im Schnee" einen weiteren fulminanten Roman um die Ermittlerin Ann Lindell abgeliefert. Die Suche nach dem Mörder ist dabei nicht unbedingt das Wichtige.
Vielmehr schildert Eriksson illusionslos die Brüchigkeit des Alltags, verstrickt sich aber nicht in allgemeine pseudophilosophische Schwafeleien, sondern betrachtet mit der Lupe seine guten wie bösen Helden, wie sie durchs Leben stolpern. Wie sie die Fehler machen, die sie nicht mehr machen wollten. Wie sie nicht zur Ruhe kommen, obwohl sie sich genau das so fest vorgenommen hatten. Ein exzellenter Krimi, dessen Geschichte noch lange nachhallt.
Kjell Eriksson: Der Tote im Schnee. Deutsch von Paul Berf. Gustav-Kiepenheuer-Verlag, 336 Seiten; 19,90 Euro.



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