10.01.04

Dodos und andere komische Vögel

Dodos? Die gibts nur noch im Film "Ice Age" zu sehen, ansonsten sind sie um 1680 herum auf Mauritius ausgerottet worden. Oder? Nicht ganz. In Jasper Ffordes "Der Fall Jane Eyre" sind sie plötzlich wieder da. Die Agentin Thursday Next, Protagonistin dieses ungewöhnlichen Romans, hält sich einen dieser Vögel namens Pickwick als Haustier. Evolutionsumkehr ist der letzte Schrei und Do-It-Yourself-Klon-Kits kann man an jeder Ecke kaufen. Pickwick ist zwölf Jahre alt, macht "Plock-plock", wenn er nervös ist, und ist nicht der einzige komische Vogel in dieser Geschichte.

Sie spielt in England, aber dort ist einiges anders, als wir es von der Insel und ihren ohnehin zur Skurrilität neigenden Bewohnern kennen. Das Königreich sitzt immer noch in dem seit 130 Jahren tobenden Krimkrieg fest und ist außerdem mit Wales verfeindet, das sich in eine Republik verwandelt hat. Thursday Next ist eine Geheimagentin mit dem Spezialgebiet Literatur. Denn auf diesem Gebiet tummelt sich das organisierte Verbrechen. Thursday, Krimkrieg-Veteranin mit einem interessant-komplizierten Verhältnis zu Männern, bekommt einen neuen Auftrag: Ein Unbekannter hat das Originalmanuskript von Charles Dickens' Roman "Martin Chuzzlewit" gestohlen. Dringend tatverdächtig ist der Superschurke Acheron Hades, dem normale Agenten nicht das Wasser reichen können und den reguläre Munition nicht verletzt. Jetzt bekommt er mit der Superagentin Thursday eine fast gleichwertige Gegnerin.

Hades ist ein größenwahnsinniger Krimineller, der mindestens die Welt aus den Angeln heben möchte. Er kann sein Aussehen verändern, was die Jagd auf ihn erheblich erschwert. Thursday hat nicht nur einen Dodo, sondern auch einen Vater, der die Zeit anhalten kann, was er mit verblüffenden und teilweise lebensrettenden Auswirkungen für seine Tochter auch hin und wieder tut. Nicht zu unterschätzen ist auch ihr Onkel Mycroft, ein Tüftler, der das "ProsaPortal" erfunden hat. Mit diesem Gerät kann man die Grenzen zwischen Gegenwart und Fiktion aufheben, was zur Folge hat, dass seine Frau in einem Gedicht von William Wordsworth hängenbleibt und Charlotte Brontës Romanheldin Jane Eyre von Hades in die Gegenwart entführt wird.

Es ist der reinste Blödsinn, den Kameramann Jasper Fforde sich für sein Roman-Debüt ausgedacht hat, aber ein äußerst spaßiger und intelligenter. Der Waliser begibt sich auf die Spuren von Douglas Adams ("Per Anhalter durch die Galaxis"). Das haben zwar schon viele versucht, aber der Waliser macht das mit so viel Esprit, Ironie, knackigen Dialogen und Anspielungen auf die englische Literaturgeschichte, dass es eine Freude ist.

In Großbritannien sind bereits zwei weitere Fälle für Thursday Next erschienen, die längst einen eigenen Fanclub hat. Empfehlenswert ist die Website des Autors: www.jasperfforde.com (vob)

Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre. dtv premium, 376 Seiten; 14,50 Euro.

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