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Journal

Wenn ein Kind nicht nach Hause kommt . . .

Seien wir ehrlich: Ihre ersten Kriminalromane waren nicht so gut. Ein wenig bemüht wirkten sie, als suche Karin Fossum noch nach dem richtigen Ton; als habe sie, die ehemalige Taxifahrerin und Krankenschwester in diversen psychiatrischen Kliniken, noch nicht endgültig ihre Stärken entdeckt. Und doch schimmerte von Anfang an etwas durch, das ahnen ließ, hier ist eine ganz große Erzählerin am Werke.

Diese Ahnung wurde nicht getäuscht: Krimi auf Krimi schrieb sich Karin Fossum, aus einem kleinen Nest nahe Oslo stammend, frei und stieg auf an die Spitze der skandinavischen Autorinnen. Nun hat sie mit "Schwarze Sekunden" ihren sechsten Krimi vorgelegt, und dieser nimmt einem schlicht den Atem.

Scheinbar banal beginnt die Geschichte: Ein Kind kommt zum verabredeten Zeitpunkt nicht nach Hause. Es verspätet sich auch nicht um eine halbe Stunde. Auch nach einer Stunde ist es nicht da, und am Abend fehlt es ebenso wie am Morgen darauf. Und das Geschehen nimmt seinen Lauf; Fossums hoch gewachsener stoischer Kommissar Konrad Sejer betritt die Bühne. Es ist jene Unerbittlichkeit, mit der Karin Fossum vom Warten und vergeblichen Hoffen erzählt, das in seiner Tatenlosigkeit und in seinem Schmerz viel grauenhafter wirkt, als es die wüsteste Mordtat vermag, wenn sie denn beschrieben werden kann.

Gut möglich, dass mancher, der Kinder hat, das Buch zwischenzeitlich zur Seite legen muss, um Luft zu holen. Karin Fossum hat übrigens zwei Töchter. (Frank Keil)

  • Karin Fossum: Schwarze Sekunden. Deutsch von Gabriele Haefs, Piper, 300 Seiten; 18,90 Euro.

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