Mord unter dem Deckenfresko
"Tiepolos Fehler" von Roman Rausch ist eine raffiniert gebaute Geschichte.
Ein Phantom geht um im deutschen Kriminalroman, das des Regionalkrimis. Als Wiedergeburt des Heimatromans von den einen verspottet, wird sein Ort - nicht selten ist es die Provinz - von anderen als Fokus wahrer Leidenschaft gesehen. Was aber ist ein Regionalkrimi? Vor allem - das hat sich in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gezeigt - ist der Begriff ein verkaufsförderndes Etikett, wie es lange Jahre zuvor auch der so genannte Frauenkrimi war. Doch wirklich schmücken möchte sich kaum ein Autor oder eine Autorin mit diesem Signum. Der Ruch des allzu Schlichten haftet dem Untergenre Regionalkrimi an.
Die Verlage haben da weniger Hemmungen, sie entdecken die deutschen Regionen neu und damit deren absatzfördernde Wirkung. Der Reinbeker Rowohlt-Verlag etwa hat mit dem Autorentrio Leenders/Bay/Leenders den Niederrhein für sich reklamiert, mit Carlo Schäfer das beschauliche Heidelberg, mit Sandra Lüpkes die norddeutsche Küste.
Das nächste Verlagsziel ist Mainfranken, die Residenzstadt Würzburg. Autor Roman Rausch (ein Name wie ein Pseudonym) lässt sein Kriminalroman-Debüt "Tiepolos Fehler", das zuerst als Book On Demand erschienen ist, beginnen wie einen Euro-Krimi. Nach einem Mord unter Tiepolos berühmtem Deckenfresko im Treppenhaus der Residenz wechselt die Handlung nach Italien, wo Kommissar Kilian den Einsatz gegen eine international gesuchte Kriminelle vermasselt. Um Kilian zu schützen, wird er in seine Heimat versetzt - ins ungeliebte Würzburg. Doch zum Grämen bleibt Kilian wenig Zeit, der Mord in der Residenz und weitere Tote erweisen sich als vertrackte Geschichte - die nicht einfacher wird, als die schöne Restauratorin Giovanna in sein Leben tritt.
Roman Rausch schreibt für einen Debütanten erstaunlich routiniert, seine Prosa ist klar, genau, von kleineren sprachlichen Untiefen abgesehen. Er gibt seinen Figuren Raum, sich zu entwickeln, und erschafft so zwei Protagonisten (neben Kilian noch dessen Kollegen Heinlein), die auf Fortsetzung angelegt sind. Die Provinz lebt.
So ist sie letztlich müßig, die Diskussion um so genannte Regionalkrimis. Denn es gibt, frei nach Eric Ambler, nur schlechte oder gute Geschichten. Ob sie nun am Rhein spielen, in Hamburg - oder eben in Würzburg.
Roman Rausch: Tiepolos Fehler. Rowohlt-Verlag, 351 Seiten; 8,90 Euro.



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