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Die Bücher

DIE NACH-HIPPIES Und irgendwo steht ein grinsender Frithjof Capra, diese Kreuzung aus Castaneda und Mathe-Lehrer, und läutet das New Age ein . . . Nur dass dieses New Age im Gegensatz zu seinen Vorgängern - sei es das Zeitalter des Aquarius oder jede andere rührende Hippie-Ideologie der 60er - eine unglaubliche Saugkraft entwickelt und alles frisst, was an Psychologie, Philosophie, Subkultur und Kunst nicht niet- und nagelfest ist . . . Schon erzählen mir junge Leute, die ich noch als scharfzüngige Punks kenne, von den Segnungen indischer Weisheit . . . Diedrich Diedrichsen: Sexbeat. 1972 bis heute (1985) DIE NACH-68er Das Teach-In war ein soziales Ereignis ersten Ranges (geworden), ein Theater der Blicke und Gesten . . . Nirgends sonst waren theoretische Sackgassen und praktische Ratlosigkeit so greifbar wie in jenen peinlichen Augenblicken, da ein ganzer Debattenbeitrag in einem einzigen Imperativ - "Vorwärts im Kampf für die Weltrevolution! Unimogs für Azania!" - in hundertfachem Gelächter oder andächtigem Schweigen unterging. So lagen spätere Losungen wie "Hände weg vom Farbstoff - Freiheit für die Gummibärchen!" schon in der Luft, als im Hörsaal noch um die Rettung der Menschheit gerungen wurde. Reinhard Mohr: Zaungäste. Die Generation, die nach der Revolte kam (1992) DIE RUHIGEN 80er Die 80er-Jahre waren mit Sicherheit das langweiligste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Kein Wunder, dass das Spielen mit dem Jo-jo in den Pausen so beliebt war. Und dass das Computerspielzeitalter mit einem Spiel anfing, für das man fast schon stoische Qualitäten brauchte: Zwei weiße Stäbe spielten sich unter elektronischem Wimmern ein weißes Klötzchen hin und her, das Ganze hieß Tennis . . . Es ging allen gut, man hatte kaum noch Angst, und wenn man den Fernseher anmachte, sah man immer Helmut Kohl. Nicole sang von ein bisschen Frieden, Boris Becker spielte ein bisschen Tennis, Kaffee hieß plötzlich Cappuccino, Raider hieß jetzt Twix, sonst änderte sich nix. Florian Illies: Generation Golf. Eine Inspektion (2000) DER INTERNET-BOOM Die 1990er-Jahre, das wissen wir heute, waren eben Boom-Jahre . . . Alles, was uns vorher als Mangel ausgelegt worden war, zahlte sich nun aus. Unsere Verspieltheit, weil die ganze Arbeitswelt eine einzige kreative Spielwiese werden sollte, unsere Unerfahrenheit, die plötzlich das Neue in die Warenwelt bringen sollte, unsere Unstetigkeit, da wir ohnehin immer einen neuen Job angeboten bekamen . . . Wir nannten den Azubi der Personalabteilung allen Ernstes "Human Resources Assistent" oder den Hausmeister "Facility Manager". So wichtig wie unseren Eltern war es uns nie, Abteilungsleiter zu werden. Der Human Facility Manager war eine Satire auf ihre Karrierefixierung. Völker Marquardt: Das Wissen der 35-Jährigen. 2003 35: WEINKELLER ODER LEBENSSINN? Plötzlich, mit 35, beginnt die Zeit zu rasen - wird von Knüppeln getrieben, flüchtet sich davon, verdünnt sich. Das Bewusstsein, dass nur noch eine begrenzte Menge an Leben verbleibt, die ihrerseits nur noch eine begrenzte Menge an neuer Erkenntnis zulässt. Gehrer weiß zum ersten Mal, dass sein Leben kein vollkommenes sein wird, weil kein Leben vollkommen sein kann, es sei denn das in den naiven Köpfen der Jugend. Ja, die Jugend. Er spricht jetzt erstmals von Jugend und meint damit eine andere Generation - nicht mehr die seine. Rolf Dobelli: 35. Eine Midlife Story, 2003 LIEBER FAHRRAD-KURIER ALS YUPPIE Wenn dir Leute erzählen, sie hätten sich ein Haus gekauft, können sie dir ebenso gut mitteilen, sie hätten keine Persönlichkeit mehr. Du kannst daraus so viele Dinge schließen: dass sie in einem Job eingesperrt sind, den sie hassen; dass sie gebrochen sind; dass sie jeden Abend damit verbringen, Videos anzusehen; dass sie 15 Pfund Übergewicht haben; dass sie keiner neuen Idee mehr zuhören . . . Und das Schlimmste ist, dass die Leute das Haus, in dem sie leben, gar nicht mal mögen. Douglas Coupland: Generation X. Geschichten für eine immer schneller werdende Kultur (1991)

 

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