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Journal

Laith Al-Deen

Sein Konzert in Hamburg ist schon ausverkauft, sein Platz in den Top 50- Albumcharts gesichert: Laith Al-Deen punktet nicht nur mit seiner Stimme, sondern schwört auch auf DEUTSCHE TEXTE.deutsche Texte

JOURNAL: Ihr Vater ist Iraker. Welchen Bezug haben Sie zu diesem Land?

AL-DEEN: Ich habe keine wirklichen Wurzeln im Irak, aber ich war natürlich hin und wieder dort, das letzte Mal vor mehr als fünfzehn Jahren. Mit der islamischen Kultur habe ich mich auch nicht besonders auseinander gesetzt. Den Irak-Konflikt kann ich jetzt auch nicht besser nachvollziehen als jeder andere, der mit einem weltoffenen Geist an die ganze Berichterstattung herangeht. Ein Großteil meiner irakischen Angehörigen ist schon vor Jahren ausgewandert, weil Saddam Hussein dort schon länger sein Unwesen treibt. Ich sehe mir das Ganze mit gemischten Gefühlen an und schüttle den Kopf.

JOURNAL: Im letzten Jahr sind Sie noch im Vorprogramm der Gruppe "Pur" aufgetreten...

AL-DEEN: Durch "Pur" hatte ich die Chance, mir ein relativ großes Live-Publikum zu erspielen. Die Tournee war sehr erfolgreich und professionell organisiert. Im Jahr davor, bei meiner ersten Solotournee, hatten wir bei einem Konzert in Halle siebzehn zahlende Zuschauer - das war ein frustrierendes Erlebnis in einem Club für 750 Menschen. Jetzt gehe ich wieder auf Solotournee, mit der Band "Goldjunge" im Vorprogramm. Das ist mehr als großartig, denn ich empfinde mich ja als reinen Live-Musiker.

JOURNAL: Welche Musik war und ist Ihnen wichtig?

AL-DEEN: Angefangen hat alles mit Abba, "Waterloo" und "Money Money Money" waren meine ersten Lieblings-Hits. Mit vierzehn war ich dann Breakdancer und "Bravo"-Leser, das musste einfach sein. Später hörte ich Heavy Metal. Und als Hardrock-Gitarrist bin ich zwangsläufig beim Blues gelandet. Meine Mutter hat mich mit Soul, Blues, Rhythm'n'Blues und Country gefüttert, das ergibt eine seltsame Mischung. In der Disco stehe ich aber auf House und Drum'n'Bass.

JOURNAL: Warum haben Sie eine Nominierung für den Musikpreis "Comet" als HipHopper abgelehnt?

AL-DEEN: Das kam aus dem Bauch, ohne Hintergedanken. Ich komme aus der Rockmusik. Mir geht es immer um Glaubwürdigkeit. Da HipHopper von vornherein als authentisch gelten, könnte ich mich eigentlich glücklich schätzen, wenn ich als HipHopper bezeichnet werde. Aber meine Musik ist nun mal alles andere als HipHop und Rap. Wer sich mit meiner Musik auseinander setzt, definiert sie als Pop, und diese Bezeichnung gefällt mir am besten, da sie vieles offen lässt.

JOURNAL: Sie singen zart-melancholische Liebesverse. Was bedeutet Sprache für Sie?

AL-DEEN: Ich bin in Karlsruhe geboren und sehe mich hundertprozentig als Deutscher. Vor ungefähr sechs Jahren, als ich anfing, deutsch zu texten und zu singen, entdeckte ich meine Heimatsprache als eine sehr nuancenreiche, in der ich mich wesentlich besser ausdrücken kann als im Englischen. Dieses positive Erlebnis will ich vermitteln. Denn die deutschsprachige Musik wird noch immer unterbewertet, obwohl hier ein großer Bedarf an einer kulturellen Identität besteht.

JOURNAL: Warum gibt es kaum erfolgreichen deutschsprachigen Pop?

AL-DEEN: Es gibt eine Menge künstlerisches Potenzial, aber deutschsprachige Künstler haben kaum eine Lobby. Als Medien kommen dafür nur das Radio und teilweise das Musikfernsehen in Frage. Bevor Radio-DJs einen deutschsprachigen Titel spielen, schlagen sie erst mal die Hände überm Kopf zusammen: "Das hört sich ja keiner an!" Auch wenn ihnen das Lied gefällt. Aber langsam kommt das wieder, allein über HipHop und German Soul. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich deutsche Künstler durchsetzen werden.

JOURNAL: Ihre Kollegen Sarah Connor und Sasha verdienen viel Geld, indem sie englisch singen.

AL-DEEN: Ist das denn alles, worum es geht? Ich meine, das hört sich vielleicht sehr moralisch an. Aber ich hab aus Spaß und Idealismus damit angefangen, Musik zu machen. Im deutschsprachigen Raum kann man rund 85 Millionen Menschen erreichen, das muss man erst mal schaffen.

JOURNAL: Kann ein Einwandererkind leichter auf Deutsch singen?

AL-DEEN: Ja, das ist auffällig, deutsche Soulsänger wie Xavier Naidoo, Aymann und ich haben alle ausländische Vorfahren. Das Publikum verzeiht uns vielleicht wegen unseres exotischen Aussehens, dass wir mit der deutschen Sprache gut umgehen können. Diese Theorie ist zwar vage, aber sie stimmt irgendwie. In Deutschland fehlt ein selbstbewusstes Empfinden für deutsche Musik, für deutsche Texte. Wir müssen erst lernen, die eigene Sprache in der Musik wirklich zu akzeptieren. Das kommt erst allmählich. Auch ein Sänger wie Ben wird heute von Teenagern gehört, die ein Gefühl für deutschsprachige Musik entwickeln.

JOURNAL: Welche Kollegen bewundern Sie, und was missfällt Ihnen?

AL-DEEN: Meinen Hut ziehe ich vor Xavier Naidoo und Herbert Grönemeyer. Xavier hat die großen Stadien innerhalb eines kurzen Zeitraums gefüllt. Herbert Grönemeyer kommt nach vier Jahren zurück und ist sofort wieder voll da. Ich finde es toll, dass das Publikum in Deutschland so standhaft, so treu ist. Selbst "alte Helden", die Maffays, die Westernhagens, versuchen, jungen Musikern eine Chance zu geben.

JOURNAL: Berührt Sie der Rechtsstreit zwischen Xavier Naidoo und Moses Pelham?

AL-DEEN: Ich bin nach wie vor auf Xaviers Seite, dafür kenne ich die Vertragsstrukturen zwischen Künstlern und Produzenten zu gut. Das ist die dunkle Seite des Musikgeschäfts. Wenn sich Freundschaften und Familienkonstellationen entwickeln, die noch nie so mein Fall waren, und man alles zusammen macht, bis dann irgendwann alles an Kleinigkeiten zerbricht, ist es besonders schmerzlich. Letztendlich ist es für Xavier gut ausgegangen, auch Moses Pelham hat dadurch keine schlechte Promotion gehabt. Ich hoffe, mir selbst bleibt so was erspart.

JOURNAL: Sex & Drugs & Rock'n'Roll scheinen für Sie Fremdwörter zu sein?

AL-DEEN: Die Pop- und Rockszene lebt auch von ihrem Mythos, den die Fans erfüllt sehen wollen. In den 20er-Jahren ging es bei den Jazzern noch ein bisschen wilder zu, heute gibt es immer noch exzessive Künstler. Auf der anderen Seite: Man kann nicht jahrelang wilde Partys feiern und sich dabei körperlich zu Grunde richten. Popmusiker ist kein Beruf, der einem in den Schoß fällt. Ein gewisses Maß an Selbstdisziplin ist nicht verkehrt.

JOURNAL: Lässt sich Erfolg planen?

AL-DEEN: Nein, aber Standhaftigkeit und ein Ziel vor Augen sind zwei wesentliche Voraussetzungen. Man muss Kompromisse machen können. Dazu gehört auch eine Portion Selbstkritik, um auf dem Boden zu bleiben, auch wenn der ganze Freundeskreis sagt, dass du super bist. Das ist lieb gemeint, aber die Leute wissen nicht, wie sehr sie dein Ego füttern - und ein überfüttertes Ego ist das Aus im Musikgeschäft. Man sollte nie vergessen, wo man herkommt.

 

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