"Die Klamotten sind nicht gerade kleidsam"
Alle rennen wegen Moritz Bleibtreu in den Kinofilm "Solino" - aber wer bricht die Mädchenherzen? Barnaby Metschurat!
Ein Schrei gellte durch Barcelona. Barnaby Metschurat stand auf dem Balkon seines Hotelzimmers im sechsten Stock und rannte vor Freude hin und her. Der Grund: Kurz zuvor hatte sein Telefon geklingelt. Am anderen Ende war der Hamburger Regisseur Fatih Akin, der ihm knapp mitteilte: "Jo, Alder, dat klappt. Wir machen das Ding zusammen." Damit hatte Metschurat seine bislang größte Rolle an Land gezogen, den Gigi in "Solino".
Der Film schildert das Schicksal einer Gastarbeiterfamilie, die in den 60er-Jahren aus Italien ins Ruhrgebiet auswandert und dort die erste Pizzeria eröffnet. Die Dreharbeiten sollten turbulent werden. "Zum Auftakt fassten sich alle bei den Händen und wünschten sich auf Türkisch viel Glück", erinnert sich der Schauspieler. Und dann lernte er das Temperament seines Regisseurs kennen. "Fatih lässt einen nicht in Ruhe, er macht immer weiter. Weil ich eine Hauptrolle hatte und viel dran war, Fatih aber ein feuriger Typ ist, haben wir uns in die Haare gekriegt. Aber schließlich haben wir uns immer wieder versöhnt und umarmt."
Metschurat spielt in dem Film den Gigi, der sich von seinem gerissenen Bruder Giancarlo immer wieder die Butter vom Brot nehmen lässt, letztlich aber derjenige von beiden ist, der seinen Weg zum Glück findet. "So einen Bruderzwist kenne ich nicht aus eigener Anschauung. Ich hab drei Halbschwestern, habe an vielen verschiedenen Orten gelebt, hatte immer meine Mutter als Bezugspunkt", sagt der 27-Jährige.
Er hält sich gut an der Seite des ungleich bekannteren Moritz Bleibtreu - gibt das Kompliment aber artig an den Kollegen zurück: "Ein guter Schauspieler spielt immer mit dir und zieht nicht einfach nur sein Ding durch."
In ihren Rollen mussten Metschurat und Bleibtreu italienisch sprechen. Metschurat, der Englisch, Französich und Spanisch spricht, tat sich damit schwer: "Ich hab den Akzent nie ganz weggekriegt. Es war ein Ding der Unmöglichkeit." Außerdem spielen die beiden in typischen 70er-Jahre-Klamotten - deren Farben für die Netzhaut teilweise eine echte Herausforderung sind. "Die waren nicht gerade kleidsam. Aber da die anderen auch so rumliefen, gewöhnten wir uns langsam daran", sagt er, "komisch, dass die Mädchen auch darin immer noch hübsch sind."
Er selbst ist 1974 geboren. Mit dieser Zeit verbinde er vor allem "Idealismus und Naivität". Das sagt er allerdings nicht geringschätzig: "Ich bin selbst ein Naivling und ein Optimist. Ich hab kein Misstrauen in die Leute, sondern glaube, dass sich da immer etwas Gutes versteckt."
Im Alter von 16 Jahren hatte Metschurat mit dem Theaterspielen begonnen. An "Solino" hat ihm besonders gefallen, dass er zum ersten Mal die Brücke vom Jugendlichen zum Erwachsenen schlagen konnte. "Es ist schön, wenn man aus der Rolle etwas mitnehmen kann. So ein Film steckt dich an und nimmt dich so auseinander, dass du danach im Alltag erst einmal ganz langsam trittst."




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