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Journal

Der Mythos vom Roten Baron

Manfred von Richthofen war eins der "Flieger-Asse" im Ersten Weltkrieg - und in der Heimat so bekannt wie ein Popstar. Jetzt wird in Tschechien und Deutschland ein Kinofilm über ihn produziert. Antikriegsfilm oder Heldenkitsch? Ein Besuch bei den Dreharbeiten.

Prag, an einem schönen Spätsommertag. Am Rand der tschechischen Hauptstadt, auf dem Parkplatz eines McDonald's Drive-In, hat die Filmcrew ihre Zelte aufgeschlagen und die Wohnmobile ihrer Stars aufgestellt. Gerade wird eine Szene gedreht, in der auf dem Hügel gegenüber ein Doppeldecker abgestürzt ist. In einem gelben Oldtimer rasen Manfred von Richthofen (Matthias Schweighöfer), sein Freund Voss (Til Schweiger) und andere heran, halten und laufen auf den Doppeldecker zu. Das heißt, Schweiger kann nur humpeln, weil er sich kürzlich beim Fußballspielen einen Achillessenenriss zugezogen hat. "Ist ja toll, wie du läufst, Til", frotzelt Regisseur Niki Müllerschön und will die Szene lieber noch mal mit einem Double wiederholen. Da entdeckt er etwas Störendes im Bild. "Was ist das Weiße dahinten? Das muss weg!", ruft er. "Das ist Lena", blödelt Schweiger (die Schwesterntracht von Kollegin Lena Headey ist weiß). Ach, es ist nur eine Birke.

"Der rote Baron", der in Tschechien und in Deutschland mit einer internationalen Besetzung entsteht - mit Matthias Schweighöfer, Joseph Fiennes, Til Schweiger und Lena Headey -, ist ein ungewöhnliches Projekt. Denn nur selten ist der Erste Weltkrieg Thema im aktuellen Kino. Er gilt als erster "moderner" Krieg, bei dem 1914-1918 erstmals Panzer, Giftgas und Flugzeuge eingestzt wurden. Was das für die Soldaten bedeutete, beschrieb Erich Maria Remarque in seinem Roman "Im Westen nichts Neues". Lewis Milestone machte daraus einen der beeindruckendsten Antikriegsfilme.

Ein hoher Anspruch für "Der rote Baron". Zumal man zu Kriegshelden in Deutschland aus gutem Grund ein sehr zurückhaltendes Verhältnis hat. "Es ist ein Wagnis", gibt Dan Maag zu, einer der drei Produzenten, "aber Richthofen hat nun mal eine faszinierende Biografie."

Manfred von Richthofen war im Ersten Weltkrieg, als man noch Helden hatte, fast schon ein Popstar. Einer, der seine Gegner als Jagdflieger in Angst und Schrecken versetzte und in der Heimat bewundert wurde. Er war jung, von Adel, beherrschte die damals neue Technik und hatte Chuzpe. Richthofen fühlte sich nahzu unverwundbar und ließ seinen Doppeldecker statt in Tarnfarben in der Signalfarbe Rot streichen, was ihm den Spitznamen "Der rote Baron" einbrachte. Mit 80 Luftsiegen war er der erfolgreichste Jagdflieger dieses Krieges, als er 1918 mit 26 Jahren selbst tödlich getroffen wurde. Danach lebte der Begriff "Roter Baron" in vielen Formen weiter, vom "Peanuts"-Hund Snoopy, der auf einer doppeldeckerartigen Hundehütte von Luftkämpfen träumt, bis zu Tiefflieger Boris Becker (rote Haare, viele Siege).

Die Idee zum Richthofen-Film lag bei Regisseur Müllerschön, der auch das Drehbuch geschrieben hat, schon lange in der Schublade. Nun haben sie die 18 Millionen Dollar teure Produktion auf die Beine gestellt - ohne Filmförderung, nur mit privaten Investoren. Für die Dreharbeiten wurden 23 Flugzeuge in Originalgröße nachgebaut. Gerade die Luftkampfszenen sind anspruchsvoll - 20 Minuten soll es davon im fertigen Film geben. "Die Messlatte liegt in diesem Bereich seit ,Pearl Harbor' und ,Aviator' hoch", sagt Maag, der auch den ausländischen Markt im Blick hat: In Japan zum Beispiel, mit seiner Tradition der Kamikaze-Piloten, sei Richthofen auch heute noch immens populär. Mögliche Bedenken, das deutsche Publikum könne Vorbehalte haben, will Maag zerstreuen: "Es wird ein knallharter Antikriegsfilm mit einem klaren Statement."

Richthofen-Darsteller Matthias Schweighöfer ("Schiller", "Kammerflimmern") sieht dem Flieger tatsächlich ähnlich. Was für ein Typ war Richthofen? "Erst ist es für ihn nur eine Art Spiel und Spaß, dann beginnt das Morden", sagt Schweighöfer. Der 25-Jährige glaubt an die Aktualität des Themas. "Es geht um verlorene Ideale und um die Frage: Wie verliebt man sich eigentlich im Krieg?" Im Film verliebt er sich in die Krankenschwester Käte (Lena Headey). Sie erlebt den Krieg nicht wie er aus der Vogelperspektive, sondern ist am Boden mit dessen blutigen Folgen konfrontiert. Erst Käte vermittelt dem draufgängerischen Jagdflieger, dass es nicht um heroische "Luftduelle", sondern um Menschenleben geht. "Der Film wird kein Melodrama, sondern erzählt eine komplexe Geschichte und ist ehrlich im Umgang mit der Liebe", sagt Headey ("Eine Hochzeit zu dritt").

Til Schweiger hat mittlerweile in seinem Wohnmobil sein lädiertes Bein hochgelegt. "Die Piloten sahen ihre Einsätze damals als eine Art Sport an", sagt er. Die Flieger der Jagdstaffeln hatten ihren eigenen "Ehrenkodex": "Wenn einer von ihnen abgestürzt ist, sind die anderen Kondolenz geflogen."

Noch heute werden "Flieger-Asse" wie Richthofen, Ernst Udet oder Oswald Boelcke in Flieger-Magazinen, im Internet und im Militaria-Handel idealisiert. Bei den kurvenreichen "Luftduellen", in denen jeder Jagdflieger die günstigste Abschussposition suchte, wurden viele der jungen Piloten von einer Art sportlichem Ehrgeiz angetrieben, aber auch von einem elitären Selbstbewusstsein. Die Kriegs-Propaganda wusste Richthofens Ehrgeiz für sich zu nutzen. Er bekam Orden, wurde befördert, erhielt eine eigene Jagdstaffel.

Der Film wird sich auch daran messen lassen müssen, ob er den Unterschied zwischen schwärmerischen Fliegeridealen und dem dreckigen Kriegshandwerk herausstellt. Richthofen selbst hat diese Diskrepanz wohl gespürt. Er kam allerdings nicht von der Fliegerei los und blieb ein Rädchen in der großen Kriegsmaschinerie, die erst 1918 zum Stillstand kam. Danach wollten die Menschen in Europa "nie wieder Krieg" - und hatten 21 Jahre später schon den nächsten.

 

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