Mode, Möbel, Marken, Kunst: Beim Design Festival Hamburg können Sie entdecken, was sich Designer alles einfallen lassen. Etwa die maritimen Spiel- und Spaßobjekte bei "Fish & Ships", die Sie selber ankurbeln können.
Es kommt immer wieder aus irgendeiner Ecke, das Kichern. Und gerade wenn alles so zurückhaltend wirkt wie hier, wo der Fußboden fast so hell ist wie die Wände, fällt auf, dass viele Besucher sich selbst vergessen. Denn hier darf angefasst, gekurbelt, gezogen, gestoßen - und eben gelacht werden. Diese Galerie soll Freude machen.
Was Sie auf dem Design Festival Hamburg entdecken können
So hat es sich Schnuppe von Gwinner gedacht, als sie mit craft2eu (craft to you) begann, einem Schauraum für Kunsthandwerk und Design. Ihre aktuelle Ausstellung "Fish & Ships" zum Beispiel, anlässlich des Design Festival Hamburg, zeigt allerlei Spiel- und Spaßobjekte für Erwachsene; was hier nicht schlüpfrig gemeint ist, aber durchaus ein Grund für sonst ausstellungsmüde Männer, mal im Eppendorfer Weg vorbeizuschauen. Vielleicht nur, um an einer Kurbel zu drehen, um die Bewegungsmöglichkeiten schwärmender Fische oder kunstvoll ausgebeulter Blechdosen auszuprobieren.
Ganze Regatten kämpfen sich hier schaukelnd durchs Meer. "Even Fish Fall In Love", versichert ein Kuss-Objekt aus Frankreich mit Überraschungseffekt. Und ein kaum walnussgroßes Trio, das sich "Sailor's Dream" nennt", tanzt auf Kommando los.
Schnuppe von Gwinner, die früher gefragte Textil-Teppiche entwarf und der Fliege für den Herrn zu einer noch gefragteren neuen Existenz verhalf, ist immer auf der Pirsch - nach neuen Ideen, Kombinationen, handwerklichen Ausdrucksmöglichkeiten. Bei Schmuck beispielsweise zählt für sie nicht das Kostbare, sondern die Design-Idee. "Deutschland steht auf dem Gebiet des Kunstschmucks noch nicht mal in den Kinderschuhen", sagt sie. "Manchmal denke ich, wenn meine Besucher wüssten, auf welche Ideen Designer noch so kommen, würden sie wieder rückwärts aus der Tür fallen."
Ihre Liebe gehört nicht der Massenware, die sie als "seelenlos" empfindet, sondern mit hohem handwerklichen Können hergestellten Einzelstücken, kleinen Serien oder Objekten, bei denen man noch erkennt: "Da ist eine Hand dahinter, ein Geist, ein Mensch, der gestaltend wirkt." Ein Designer geht oft vom Objekt und der Form aus, "oft im Zusammenhang mit einem Firmenimage", sagt sie, "Handwerker entwickeln die Produkte von ihrem Werkstoff aus. Das hat Aura, das ist beseelt." Allein wie viele Versuche nötig sind, um eine wirklich schöne, ästhetisch gelungene Glasvase entstehen zu lassen - das begeistert sie.
"Ich weiß, ich muss Kohle machen, aber ich vergesse das oft", sagt sie. Was sie in ganz Europa findet, ist sehenswert, wenn auch nicht immer billig. "Die wenigsten können sich etwas von diesen Sachen leisten, aber sie schauen sie an, probieren sie aus und genießen sie." Das zahlt sich nicht unbedingt in barer Münze aus. "Aber das ist auch nicht das Wichtigste." Das Wichtigste sei die Freude am Entdecken. So stellt craft2eu junge europäische Designer vor, die - oft erstmals - eine Öffentlichkeit für ihre Ideen interessieren können. "Ich möchte solche Dinge ins Bewusstsein bringen", sagt die Galeristin. Und das sind dann die Zauberwelten aus Formen und Farben, Spiel, Spaß und einer eigenartigen Anziehungskraft. Das reize am meisten die 35- bis 45-jährigen, und "erstaunlich viele junge Frauen verlieben sich in diese Objekte".
Sechs themenbezogene Ausstellungen arrangiert sie im Jahr, immer nach dem Motto: "Sie müssen lustig sein oder etwas auslösen im Kopf". Im Frühjahr kommt wieder eine, die Kichern auslösen wird: Es geht um die Übertragung textiler Strukturen auf andere Materialien. Etwa bestickte Teetassen. Oder Porzellanvasen, die aussehen wie Kissen.
Fish&Ships, Galerie craft2eu, bis 18. 11., Eppendorfer Weg 231. www.craft2eu.net











