Er ist der erfolgreichste Bandleader der Welt. Fast 2500 Platten sind unter seinem Namen erschienen. Hansi Last aus Bremen, der erst durch seine Plattenfirma zu James Last wurde, gilt als Meister zeitloser U-Musik. 2006 geht der Wahl-Amerikaner wieder auf große Tour. Der Vorverkauf hat begonnen (18.11.2006, Color-Line-Arena, Tickets beim Abendblatt 29,71-66,46 Euro unter Tel. 040/3037320).

JOURNAL: Neue CD, Autobiographie, Tournee - vor Ihnen liegt ein turbulentes Jahr. Warum tun Sie sich das immer wieder an?

JAMES LAST: Harte Arbeit ist die Tournee als solche ja nicht. Die Vorbereitungen sind schwieriger: Licht, Orchester und alles, was dazu gehört, zusammenzustellen, ist enormer Aufwand. Aber wir proben dann nur an vier Tagen.

JOURNAL: Sie werden nächstes Jahr 77. Wie halten Sie sich fit?

LAST: Ich treibe für mein Alter sehr viel Sport, jogge und schwimme jeden Morgen und habe zweimal die Woche Workout mit meinem Personal Trainer. Zur Tour hin bekommt mein Training dann noch mal ein anderes Level. Und Golf natürlich. Manche Leute staunen, daß ich noch 18 Löcher lang auf dem Platz herumrenne. Das geht alles noch.

JOURNAL: Die 30 Konzerte werden unter dem Motto "The Last Tour" angekündigt. Wie viele "Last Touren" wird es geben?

LAST: Bis die "Final Tour" kommt.

JOURNAL: Mit 25 sollen Sie mal gesagt haben: "Ich freue mich jetzt schon aufs Alter." Fühlt sich das Alter nun tatsächlich so schön an, wie Sie gehofft hatten?

LAST: Schon damals hatte ich zu meiner Frau gesagt: Ich freue mich drauf, weil ich nie Kreuzworträtsel machen muß. Musik gibt so viel her! Man kann alte LPs anhören und sich fragen: Warum hat Carl Orff das so gemacht? Ein unendlicher Forschungsprozeß. Bei mir kann keine Langeweile aufkommen.

JOURNAL: Kaum eine Stilrichtung ist vor Ihnen sicher. Wie halten Sie sich in dem schnellebigen Geschäft musikalisch auf dem Laufenden?

LAST: Ohren aufhalten! Und nicht den Fehler machen und sagen: Früher war alles toll. Da höre ich gar nicht drauf. Ich höre das, was positiv ist und gut.

JOURNAL: Gucken Sie auch MTV?

LAST: Klar. Und ich gehe auf Konzerte.

JOURNAL: Was muß ein Song haben, damit Sie anbeißen und ihn neu arrangieren wollen?

LAST: Ich muß etwas empfinden. Heute morgen erst habe ich wieder einen gesungen, "Wake Me Up When September Ends" von Green Day. Da stelle ich mir vor, wie wir, wenn es zum Finale geht, richtig einen draufmachen.

JOURNAL: Sie wollen tatsächlich Green Day interpretieren?

LAST: Ja. Der Titel hat Atmosphäre, fängt mit ruhigen Gitarren an, dann beginnt einer zu singen, dann kommt die Basedrum - das ist gut! Bässe machen mich unheimlich an. Wenn es eine Gegenbewegung von Baß und Melodie gibt, gefällt's mir.

JOURNAL: Wo archivieren Sie Ihre Tonträger?

LAST: In Amerika habe ich ein eigenes Karree dafür. Da sind die Wände voller CDs - nicht nur meine eigenen, auch andere. Und in Hamburg, zum Teil im Keller.

JOURNAL: Was hat Sie bewogen, in den Achtzigern nach Florida zu gehen? Flucht vor dem Ruhm?

LAST: Meine Frau hatte einen schweren Autounfall und wollte nicht mehr nach Sylt fahren zum Strand, weil sie ganz verbrannt war auf der einen Seite. Da habe ich gesagt: Wir kaufen uns ein Schiff. Und als wir damit in Florida waren, haben wir dort so tolle Häuser gesehen. So sind wir da hängengeblieben.

JOURNAL: Auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann lebt als deutscher Held in den USA und hat, wie Sie, 2006 Großes vor. Ihm wird vorgeworfen, daß er nicht in Deutschland wohnt. Können Sie das nachvollziehen?

LAST: Ich finde die Kritik falsch. Er hat eine junge Mannschaft aufgestellt, die hat angegriffen und Tore geschossen, wie es beim Fußball ja sein soll. Sie haben schon mal drei reingekriegt, dafür aber vier gemacht! Laßt den doch machen, was er will!

JOURNAL: Haben Sie seit Ihrem Umzug nach Florida Ähnliches erlebt?

LAST: Musiker und Bands sind international. Da kommen solche Stimmungen nicht auf. Aber eine Zeitlang hatte ich Befürchtungen.

JOURNAL: Sie haben Ihr Debüt "Non Stop Dancing" mit 36 veröffentlicht. Warum so spät?

LAST: Weil ich davor für viele Schallplattenfirmen und Künstler arrangiert habe. Irgendwann habe ich dann bei Polydor angefragt, ob ich Chancen hätte. Die meinten: ja. Dort bin ich bis heute geblieben: das ganze Leben bei einer Plattenfirma!

JOURNAL: Die hat Sie zu James Last gemacht. Wie haben Sie da reagiert?

LAST: Ich sagte: "Ihr habt doch einen Vogel!" Die meinten, international könnte das eine Chance haben. Und damit haben sie dann wohl recht behalten: Ich kenne keinen deutschen Künstler, der im Ausland so viele Platten verkauft hat wie wir.

JOURNAL: Haben Sie den James gleich akzeptiert?

LAST: Ja. Trotzdem schreibe ich immer noch Hansi drunter, wenn ich etwas unterzeichne. Und die Fans in England rufen auch noch immer Hansi. Deshalb auch der Titel der Jubiläums-CD "They Call Me Hansi".

JOURNAL: Sie wollten mal Rocker werden. . .

Last: Ich bindoch Rocker! Ich habe Baß gelernt. In einer Rockband Baß zu spielen, das wäre schon der Hammer! Da hätte ich heute noch Bock drauf.

JOURNAL: Was war Ihr größter Fehler?

LAST: Vielleicht, daß ich zu oft ja sage.