Was Regierungen und Mullahs missfällt
Arabische Autoren haben es oft im eigenen Land schwer: Viele Themen sind heikel, und nicht alle Menschen können lesen.
Derzeit gibt es in den 22 Mitgliedsländern der arabischen Liga mehr als tausend unabhängige Verlage. Sie veröffentlichen insgesamt 20 000 bis 31 000 Titel im Jahr, schätzt der arabische Verlegerverband. Etwa 45 Prozent der publizierten Titel sind wissenschaftliche Werke, ein Viertel Schulbücher. In der Belletristik sind Gedichte und Kurzgeschichten besonderer beliebt.
Romanciers oder Lyriker in der arabischen Welt brauchen aber eine hohe Frustrationstoleranz: Allein zum Vergnügen liest zwischen Rabat und Damaskus nur eine verschwindend kleine Minderheit. Obwohl das Arabische die Muttersprache von weltweit rund 250 Millionen Menschen ist, erreichen selbst Romane relativ bekannter Autoren nur selten eine Auflage von mehr als 3000 Exemplaren (zum Vergleich: Startauflage von Martin Walsers "Der Lebenslauf der Liebe" 100 000). In Ägypten konsumierten nur "zwischen einem und zwei Prozent der Bevölkerung" Literatur, meint der Präsident des arabischen Verlegerverbandes, Ibrahim el Moallem. Erstes Hindernis: die hohe Zahl von Analphabeten, in Ägypten z. B. nach offiziellen Angaben 12 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen. Hinzu kommen in etlichen Ländern die literaturfeindliche Einstellung islamischer Fundamentalisten sowie Zensur und Publikationsverbote. Die Themen, die Autoren Ärger oder sogar Verfolgung einbringen können, haben sich geändert: War es in den 60er- und 70er-Jahren noch vor allem Regime-Kritik, so sind es in einigen Staaten der Region heute vor allem religiöse Fragen und Sexualität.



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