Ägypten: Roman mit kritischem Blick auf den Islam: Das Schicksal eines Kopten unter religiösen Eiferern.
Die Kopten, gut sechs Millionen Menschen, sind eine noch heute verfolgte christliche Minderheit in Ägypten. In seiner Novelle "Vom Diesseits und vom Jenseits", die jetzt erstmals ins Deutsche übersetzt wurde, beschreibt der Ägypter Abdalhakim Kassem (1934 - 1990) das Schicksal eines koptischen Schirmmachers, der in einer Notlage unter Zwang den Glauben wechseln und zum Islam übertreten muss. Die bildreiche Sprache macht den kleinen Band flüssig lesbar - eine Beschreibung des dörflichen Ägypten in den 60er-Jahren, vor allem aber ein Bekenntnis zur Toleranz.
Kassem, der selbst politisch verfolgt wurde und ein Jahrzehnt im Exil in Berlin lebte, nähert sich seiner Religion, dem Islam, mit kritischer Distanz. "Aber die Zerrissenen und die Zweifler, für die geschieht nichts?", lässt er einen Protagonisten fragen angesichts seiner Hilflosigkeit gegenüber den fundamentalistisch-missionierenden Massen. Zu spät erkennen die Verantwortlichen ihren fatalen Fehler: "Wir alle haben diesen Mann ausgeliefert . . ."
Im zweiten Teil der Novelle wagt sich Kassem noch tiefer ins Religiös-Fantastische. Er beschreibt, wie das im Koran angekündigte Gespräch zwischen einem Verstorbenen und zwei "Todesengeln" aussehen könnte: die Aufarbeitung eines Lebens im Frage-Antwort-Spiel, bis der Engel Nakîr dem Toten endlich gestattet: "Die Tore des Todes sind dir geöffnet."
Abdalhakim Kassem: Vom Diesseits und vom Jenseits. Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Lenos Verlag, Basel, 177 S.; 18,90 Euro.














