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Journal

Die Beste aller Welten

Ägypten: Nagib Mahfus beschreibt in seinem neuen Roman eine abenteuerliche Reise - durch Gesellschafts- und Lebensentwürfe.

Ibn Battuta. Dieser Name hatte in der zivilisierten Welt im Mittelalter einen Klang wie heute Elias Canetti, Gabriel García Marquez und Rosamunde Pilcher zusammen. Die zivilisierte Welt - das war damals jene um den Indischen Ozean: Arabien, Ostafrika, Indien. Und Ibn Battuta war der große Reisende jener Zeit, der von Karawanen und Elefanten, Fürstenhöfen und Witwenverbrennungen erzählte. Der große Zivilisationen und ferne Welten beschrieb - abenteuerlich, anspruchsvoll, lehrreich und unterhaltend.

Noch immer hat der Name dort einen Klang wie der Goethes hierzulande. Nicht von ungefähr wählte Arabiens heute bekanntester Autor, Nagib Machfus, einen Ibn Fattuma als Held eines Romans. Auch Ibn Fattuma ist ein Reisender. Aber einer, der zwar real mit einer Karawane von Ägypten in unbekannte Welten und Wüsten aufbricht, der auf jenem Weg aber zugleich auch zum Wesen gesellschaftlicher und menschlicher Existenz vordringen will. Am Ende ist es zugleich eine ganze Lebensreise.

Der Weg führt in fremde Welten, zu anderen Kulturen und Religionen. Doch auch wenn alle Länder, Moscheen, Hütten und Menschen real scheinen: sie sind konstruiert. Denn es ist eine Reise durch Gesellschafts- und Lebensentwürfe. Bei den Maschrik, einem Naturvolk, erlebt Fattuma im "Land der Lust" Menschen, die ganz nach ihrem Trieb leben. Für kurze Zeit beteiligt sich Fattuma selbst an ihrem Leben. In Halbaland lernt er das "Land der Freiheit" kennen, eine Art westliche Demokratie, die in übertriebener Form aber auch ihre Mängel hat.

Diktaturen, Buddhismus, feiernde und eifernde Menschen - Ibn Fattuma wandert durch Staaten und Gesellschaften, unterbrochen nur wie in Jules Vernes 80 Tagen von Abenteuern und bunten Erlebnissen. "Nagib Fattuma" beschreibt sie alle, lobt, verwirft, kritisiert. Eine kleine Weltgeschichte der Ideologien und des menschlichen Seins, aber bezogen auf Arabien, erschien doch das Werk Anfang der 80er-Jahre, als dort der Islam und seine Ideologisierung ihren Siegeszug begannen.

Fattuma erinnert an Voltaires Candide auf der Suche nach der besten aller Welten. Er wägt ab, zieht eigene Schlüsse und präsentiert am Ende "seinen" modernen arabischen und islamischen Staat - die letzte Station der Lebensreise. Fürwahr: Manchmal ist alles arg konstruiert. Doch Machfus schreibt nicht nur für Intellektuelle, sondern auch für einfache Leute. So gesehen stellt er sich in eine Reihe mit Ibn Battuta, politisch, lehrhaft und doch einfach und lesbar.

Arabische Tradition . . .

Nagib Machfus: Die Reise des Ibn Fattuma. Deutsch von Doris Kilias. Unionsverlag, Zürich 2004; 192 S., 18,90 Euro.

 

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