Isabelle Eberhardt: Eine Frau, die an die Grenzen ging
Isabelle Eberhardt, geboren 1877 in Genf als Tochter russischer Emigranten, schien ein Jahrhundert zu früh geboren. 1897 reiste sie mit ihrer Mutter nach Algier und begann dort nach deren Tod ein Nomadenleben: Sie trug Männerkleider (links), nannte sich Si Mahmoud, zog mit Beduinen und bekannte sich zum Islam. 1900 wurde sie sogar in eine Moslembruderschaft aufgenommen, ein Jahr später jedoch von einem Moslem mit dem Messer attackiert. Von dem wenigen Geld, das sie mit Reiseberichten verdiente, gab sie einen Großteil für Drogen und Absinth aus.
Wegen ihrer Affairen mit einheimischen Männern hielten französische Kolonialbeamte sie für eine "triebhafte, neurotische" Spionin. In ihren Tagebüchern erweist sie sich als empfindsame Kritikerin der Kolonialherrschaft, aber auch als Heimatlose "mit dem traurigen Gefühl meiner absoluten Einsamkeit und der Gewissheit, dass nirgendwo auf dieser Welt auch nur ein Herz für das meinige schlägt". 1904 starb sie nach einem Wolkenbruch in ihrer Hütte - sie ertrank paradoxerweise in der Wüste. Gestützt auf den Nachlass zeichnet Catherine Sauvat in "Abenteuer in der Wüste" dieses ungewöhnliche Leben nach. Historische Aufnahmen und die aktuellen Bilder des Fotografen Jean-Luc Manaud machen die Faszination der grandiosen Wüstenlandschaft spürbar, in der Eberhardt "vom Schweigen leben" wollte.
Catherine Sauvat, Jean-Luc Manaud: Isabelle Eberhardt - Abenteuer in der Wüste. Gerstenberg, 168 S., zahlr. Abb.; 35 Euro.



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