Ein Perfektionist, der nur den Motor sah
Als "Vater des Volkswagens" ist Ferdinand Porsche Legende geworden. Dass er aber weit mehr schuf als sein bekanntestes "Baby" VW, darüber gibt jetzt eine Biografie Auskunft: Der Berliner Autor Reinhard Osteroth (46) beschreibt den "Pionier und seine Welt".
"Gemma, gemma" lautete Ferdinand Porsches Devise. Der 1875 in Böhmen geborene Sohns eines Spenglers sollte den väterlichen Betrieb übernehmen, war aber mehr fasziniert von Elektrizität und Motoren. Alles, was an Antriebsarten zu verbessern war, fesselte den "rastlosen Pragmatiker und Perfektionisten" (Osteroth). Er machte bei der Vereinigten Elektrizitäts-AG in Wien eine Lehre, wechselte zu einer Kutschenfabrik, zu Austro-Daimler, Mercedes und zu Steyr, als Generaldirektor. 1930 gründete er in Stuttgart ein Konstruktionsbüro.
Was er dann schuf, hat der Autor erfrischend lesbar beschrieben: ein Elektromobil, mit dem der 25-jährige Porsche auf der Pariser Weltausstellung Furore machte; eine Zugmaschine, die schwere Mörser der österreichischen Armee in den Ersten Weltkrieg zog; eher ungewohnte Porsches wie den Tiger-Panzer der Wehrmacht oder den luxuriösen SSK von Mercedes, einen Rekord-Rennwagen von Audi, der den Silberpfeilen von Mercedes Konkurrenz machte. Alle waren "schwere Geburten", denn der zur Cholerik neigende Österreicher achtete auf jedes Detail - außer auf Finanzierung. Was nicht zuletzt ihm selbst oft Probleme bescherte.
1932 wollte Stalin ihn verpflichten, für ein gigantisches Projekt zur Produktion von sowjetischen Panzern, Traktoren, Last- und Kleinwagen. Porsche sagte ab. Dafür kam Hitler, der dem "deutschen Henry Ford" eine Autostadt in Wolfsburg baute; Planziel war ein Wagen mit höchstens 30 PS, der nicht mehr als 1000 Reichsmark kosten dürfe. Ersteres wurde erfüllt, der Preis überzogen. Der Rest ist Käfer.
Dass die SS den Tüftler Porsche zum Oberführer ernannte, dass mit seinem Wissen in der Leichtmetallgießerei Wolfsburg 500 KZ-Insassen arbeiteten und weit mehr Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten, verschweigt Osteroth nicht, doch er geht auch nicht näher darauf ein. Porsche war jedes Mittel recht, wenn es nur seinen Zielen diente.
Am Wunderlauf des Käfers wie am Aufstieg der Autoschmiede in Zuffenhausen war er nicht mehr beteiligt. Porsche starb 1951 in Stuttgart. (Helmut Söring)
Reinhard Osteroth: Ferdinand Porsche - Der Pionier und seine Welt. Rowohlt, 320 S.; 22,90 Euro.



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