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Journal

"Eine Frau mit Blut an den Händen"

Keira Knightley räumt als Guinevere in "King Arthur" mit alten Frauenklischees der britischen Heldensaga auf.

JOURNAL: Träumt nicht jedes Mädchen, eine Prinzessin wie Guinevere zu sein?

KEIRA KNIGHTLEY: Aus dem Alter bin ich doch schon lange raus. Als ich das Angebot zu dieser Rolle bekam, dachte ich erst, die Geschichte sei schon so oft adaptiert worden, dass eine weitere Verfilmung keinen Sinn macht. Dann las ich das Drehbuch und merkte, dass man die Legende ganz neu erzählen wollte. Guinevere stand plötzlich in einem anderen Licht da.

JOURNAL: Und das reizte Sie?

KNIGHTLEY: Ja, sie ist eine starke Frau, die Blut an den Händen hat. In "King Arthur" zieht sie mit den Rittern der Tafelrunde aufs Schlachtfeld und manipuliert sie, um sie für ihre eigenen Ziele zu gewinnen. Sie wickelt sogar King Arthur um den Finger.

JOURNAL: Mit der Guinevere aus den alten Filmen hat das nicht mehr viel zu tun . . .

KNIGHTLEY: "King Arthur" ist ja auch kein Märchenfilm. Er versucht, den Mythos von einer realistischen Seite zu betrachten. Guinevere ist die Tochter von Merlin, die ihr Land sowohl von den Römern als auch von den Sachsen befreien will. In jener Zeit war es übrigens nichts Ungewöhnliches, dass Frauen und Männer gleichberechtigt in den Krieg zogen.

JOURNAL: Und jetzt also auch Gleichberechtigung auf der Leinwand?

KNIGHTLEY: Und ob! Noch vor 15 Jahren herrschte ein ganz anderes Frauenbild im Kino. Guinevere wäre ein schwaches Persönchen gewesen, das heulend in der Ecke steht und wartet, bis sie der Held rettet. Auf solche Rollen hätte ich keine Lust. Ich glaube nicht, dass so etwas bei heutigen Mädchen noch ankommen würde. Die wollen sehen, wie eine Frau kämpft und sich gegen Männer zur Wehr setzen kann.

JOURNAL: Sie haben die meisten Stunts selbst gedreht. Wie bereitet man sich auf so eine anstrengende Rolle vor?

KNIGHTLEY: Ich fing drei Monate vor den Dreharbeiten mit dem Training an und lernte boxen, Gewichtheben, mit Axt und Schwert zu kämpfen und reiten. Ich hätte nach dem Film gern mit dem Training weitergemacht. Aber mir fehlt einfach die Zeit, viermal die Woche ins Sportstudio zu gehen.

JOURNAL: . . . weil jetzt die Karriere wichtiger ist?

KNIGHTLEY: Ich habe gerade "The Jacket" abgedreht (mit Adrien Brody, Kris Kristofferson und Jennifer Jason Leigh), zur Abwechslung mal kein Kostümfilm, sondern ein Thriller. Bald stehe ich für "Pride and Prejudice" vor der Kamera, dann folgt schon die Fortsetzung vom "Fluch der Karibik".

JOURNAL: Sie sind in kurzer Zeit zu einer der beliebtesten Filmschauspielerinnen geworden. Wie gehen Sie damit um?

KNIGHTLEY: Ich finde es sehr merkwürdig, wenn ich mein eigenes Gesicht auf Zeitschriften sehe. Ich will gar nicht wissen, was so alles über mich geschrieben wird. Ansonsten versuche ich, mein Leben normal weiterzuleben.

JOURNAL: Sie arbeiten mehr in Hollywood als in Ihrer Heimat. Werden Sie England bald den Rücken kehren?

KNIGHTLEY: Anfangs konnte ich Los Angeles nicht leiden, weil alles so weit voneinander entfernt ist. Aber das Wetter und die Strände machen das wett. Trotzdem möchte ich London nicht verlassen. Je öfter ich woanders arbeite, desto mehr vermisse ich die Stadt. Aber wer weiß? Sag niemals nie!
Interview: MARKUS TSCHIEDERT

 

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