Die heimliche Geliebte - und andere staunenswerte Vorfälle
Erzählungen: Die Short Stories von John Updike drehen sich um Sex als Sittenbild der amerikanischen Gesellschaft.
Es gab eine Zeit, als New Yorker Frauen vor und nach dem Sex rauchten. Damals wäre zwar eine Fernsehserie wie "Sex and the City" undenkbar gewesen, aber das heimliche erotische Leben im "Big Apple" und einigen anderen Orten Amerikas war wohl nicht weniger prickelnd. John Updike, dieser Meister kluger Ironie und flotter Boshaftigkeiten, erinnert sich daran mit kaum überlesbarer Wehmut.
Die meisten der zwölf Erzählungen, die der Rowohlt Verlag unter dem Titel "Wie wars wirklich" herausgebracht hat, behandeln Updikes Lieblingsthema: Frauen. Genauer gesagt: Geliebte.
Als die Erzählungen vor einigen Jahren im "New Yorker" und schließlich in dem Sammelband "Licks of Love" erschienen, nutzten manche Updike- Kritikerinnen das erwartungsgemäß, um sich einmal mehr an dem Meister der Erzählkunst zu reiben. Aber der hier und da erneut laut gewordene Vorwurf, Updike schreibe über Frauen voyeuristisch, allein aus maskuliner Perspektive, mithin frauenfeindlich, ist ebenso abgestanden wie unbegründet.
Seine Männergestalten sind keineswegs überlegen und durchaus nicht weniger verunsichert als ihre Partnerinnen. Sicher, da ist wieder dieser nostalgisch-bittersüße Ton, mit dem Updike schon früher über Sex schrieb. Die Erotik ist für Updike kein Selbstzweck, sondern integraler Bestandteil einer Sittenskizze Amerikas.
In einer Erzählung formuliert er beim Nachdenken über die Geschlechterbeziehungen eine Grunderkenntnis: "Du kannst auf die dunkle Seite des Mondes reisen und wieder zurück und erlebst doch nichts, das wunderbarer und staunenswerter wäre als die Art, in der es Männern und Frauen gelingt, zueinander zu kommen."
Wieder einmal lässt der Star der "short story" seiner Ironie und seiner Fantasie freien Lauf.



Branchenbuch Hamburg
Schatzbüdel

100. Geburtstag
Axel Springer




Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages



