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Journal

Spannung wird garantiert

Ein lebensgefährlicher Rollentausch, eine Entführung aus Rachsucht oder ein Mordkomplott - bei Kinder- und Jugendkrimis gibt es große Auswahl. Wir haben einige Neuerscheinungen genauer unter die Lupe genommen.

ntgegen einem landläufigen Vorurteil ist es nicht leichter, für Kinder zu schreiben als für Erwachsene. Und Kinder so zu beschreiben, dass sie authentisch wirken, ist ebenfalls nicht leicht. Auch große (Autoren-)Namen können hier enttäuschen. Hört ein 14-Jähriger, der unbedingt E-Gitarrist werden will, wirklich CDs von Norah Jones? Und interessiert Kinder brennend, was eine Anamorphose ist? Wer beide Fragen mit "Ja" beantwortet, mag "Das unheimliche Auge" von Peter Zeindler (Nagel & Kimche; 12,90 Euro) lesen.

Finden Kinder es spannend, wenn eine angeblich entführte Frau sich bloß aus Liebeskummer versteckt? Finden sie Schulbrote mit Käse, Nutella, Salami und Honig "super lecker"? Dann mögen sie auch "Taco und Kaninchen", das erste gemeinsame Buch von Bestsellerautorin Amelie Fried und ihrem Mann Peter Probst (Heyne; 12 Euro).

Zum Glück gibt es Profis, die wirklich spannende Geschichten aus der Alltagswelt junger Leser erzählen. Allen voran Andreas Schlüter. In seinem Roman "Machtspiel" (Arena; 12,50 Euro) wird wirklich ein junges Mädchen entführt, zunächst von einem Mitschüler, der der verhassten Politikertochter einen Denkzettel verpassen will. Doch dann wird aus dem Dummejungenstreich bitterer Ernst. Selten hat man in einem Kinderkrimi eine so anrührende und starke Schlussszene gelesen. Erfreulich ist auch, dass ausnahmsweise einmal eine sympathische und engagierte Lehrerin agiert - es gibt sie also doch!

Nachdenklich stimmt auch "Reality Game" (Arena; 11 Euro) vom selben Autor: Warum wirken die Teilnehmer bei dem großen TV-Live-Spektakel alle wie ferngesteuert? Und hat das hier inszenierte skrupellose Experiment womöglich etwas mit uns zu tun?

Einen lebensnahen Konflikt entwirft Nina Schindler - für Kinder ab zehn Jahren - in "Abgefahren" (Bertelsmann Omnibus; 5,90 Euro): Leontine hat sich in einen wenig vertrauenswürdigen Typen verliebt. Wie können ihre jüngeren Geschwister ihr aus der Klemme helfen, ohne sie bei den Eltern zu verpetzen?

Auch in die Helden von Monika Feth sollten sich junge Mädchen besser nicht verlieben. Ihr eindringlich und doch behutsam entwickelter Thriller "Der Erdbeerpflücker" (C. Bertelsmann; 7,90 Euro) dürfte Mädchen (ab 14), aber auch den mitlesenden Müttern die Nachtruhe rauben.

Ebenfalls spannend für Ältere: "Das große Spiel des Herrn Trabac" von Günther Bentele (Thienemann; 18 Euro), dem mehrfach ausgezeichneten Meister des historischen Kinder- und Jugendkrimis. David, den Sohn des Oberamtmannes, verschlägt es in eine Räuberbande und seine jugendlichen Leser mit ihm in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts - so macht Geschichtsunterricht Spaß!

Verstärkung im historischen Genre erhält Bentele in diesem Jahr von Ulrike Schweikert, die mit "Das Jahr der Verschwörer" (Arena; 16,50 Euro) ihren ersten Jugendschmöker vorlegt. Schwäbisch Hall um 1450 - angesichts der Kämpfe und (Mord-)Komplotte um eine der wichtigsten mittelalterlichen Handelswaren, das Salz, fühlt man sich mühelos um fünf Jahrhunderte zurückversetzt, erste, zart auf Wangen "gehauchte" Küsse inbegriffen.

Von einer fantastischen Situation geht Edith Schreiber-Wicke in "Der andere JD" (Thienemann; 9,90 Euro) aus: Mit Hilfe einer Art Hexenspuk findet sich der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Jakob plötzlich nicht nur im Haus, sondern auch im Körper seines reichen Mitschülers Julius wieder. Der Tausch erweist sich als lebensgefährlich, verhilft aber auch zu neuen Einsichten - eine Mischung aus "Prinz und Bettelknabe" und "Pünktchen und Anton", für alle, die es etwas (altmodisch) ruhiger mögen.

Und dann gibt es da noch die "Spezialeinheit Kreiner" von Adelheid Dahimène (NP; 12,90 Euro). Köstlich schon die Vorwarnung: "Ähnlichkeiten der Romanfiguren mit lebenden Personen und Einrichtungen sowie deren Querverbindungen können ganz plötzlich ab Seite eins von rechts oder von links auftreten . . ." Und so geht es weiter, irgendwie österreichisch anmutend, sprachspielerisch und sprachverliebt Kapriolen schlagend und sehr speziell, "für jedes Alter, auch ab zwölf".

 

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