Manchmal wäre ein Zwilling auch mal gern ein Einling
"Okay, Lena. Oder bist du Johanna?" Diese Frage bekommt man als Zwillingsschwester mindestens fünf Mal pro Tag gestellt. "Ich bin Johanna", ein genervter Blick trifft den Gesprächspartner, der sich bereits seit zehn Minuten mit einem unterhalten hat. Manchmal kann eine Verwechslung durchaus lustig sein, es gibt einem jedoch zu denken, wenn der Klassenlehrer einen nach zwei Jahren immer noch nicht auseinander halten kann.
Und so stellen wir uns immer wieder die gleiche Frage: "Sehen wir uns wirklich so ähnlich?" Als Zwilling kann man diese Frage nicht beantworten, das ständige Verwechseln ist sowieso kaum nachvollziehbar. Denn man selbst kann sich natürlich sicher sein, wer man ist.
Auf jeden Fall haben die, die uns nicht auseinander halten können, interessante Möglichkeiten entwickelt, einen Zwilling anzusprechen. Die meisten raten und sprechen einen einfach mit dem Namen an, der ihnen als Erstes in den Sinn kommt. So stehen die Chancen eins zu eins, dass sie richtig geraten haben.
Die ganz Klugen erfinden Mischungen wie "Lenajohanna" oder "Jole". Mit der Zeit lernt man, diese Anredearten zu ignorieren. Nicht mehr allzu komisch ist es allerdings, wenn diverse Zeugnisnoten vertauscht werden und man die schlechtere der beiden erwischt.
Ob am Bahnhof oder in dem Einkaufszentrum, überall stecken Leute die Köpfe zusammen und flüstern über uns. "Guck mal da drüben", sagen sie, oder "Oh, wie süß, Zwillinge". Oft passiert es auch, dass einem die dämliche Frage "Seid ihr Zwillinge?" hinterher gerufen wird. Mit der Zeit haben sich Standartantworten wie "Nein, Drillinge" oder "Nein, das sieht nur so aus" durchgesetzt.
Traurigerweise gehen viele Leute davon aus, dass, wenn man das gleiche Aussehen hat, man auch den gleichen Charakter besitzt. Das ist ein großer Irrtum, auch wenn man natürlich ähnliche Angewohnheiten hat, was beim Aufwachsen im selben Haushalt nicht zu vermeiden ist.
Ebenfalls nicht sehr angenehm ist es, dass man ständig miteinander verglichen wird. Das kann ganz schön deprimierend sein. Nachteile entstehen auch durch den Geburtstag am selben Tag. Es wird eine Feier für beide Zwillinge zusammen gemacht, und das stellt ein kleines Problem dar. Denn weil jeder seine eigenen Freunde hat, kommt es, dass jeder nur die Hälfte seiner Freunde einladen kann, da die Eltern keinen Wert auf zwei Geburtstagspartys direkt hintereinander legen.
Aber das ist natürlich nicht alles. Das Dasein als Zwilling hat auch Vorteile. Man bedenke, dass das Teilen von Hausaufgaben durchaus nützlich und das Reinlegen der Eltern echt spaßig sein kann!
Johanna von Stebut und Lena von Stebut, 9 e Gymnasium Süderelbe



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