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Journal

Russe in Deutschland, Faschist in Russland

Mein Vater ist ein Aussiedler: Ein Deutscher, der nach den Gesetzen der Bundesrepublik "ein Recht darauf hat, in Deutschland zu leben". Er ist ein Nachkomme von Deutschen, die vor mehr als 200 Jahren nach Russland ausgewandert sind. Mein Vater verließ Haus und Hof und gab seinen Bekanntenkreis auf, um nach Deutschland zu ziehen, trotz der ungewissen Zukunft, die ihn hier erwartete.

Aber warum verließ er Haus und Hof, um nach Deutschland zu kommen? Auf diese Frage antwortete er: "Meine Familie fühlte sich deutsch, auch nachdem sie nach Kasachstan ausgewandert war, und sie bewahrte immer noch ihren kirchlichen Glauben und ihre kulturellen Traditionen, zum Beispiel Volkslieder, obwohl sie deswegen verfolgt wurde. Diese Verfolgung motivierte sie, in ihr Heimatland zurückzukehren, weil sie als Deutsche leben wollten."

Des Weiteren war für meinen Vater die Zukunft seiner Kinder wichtig. "Ich sah für sie bessere Bildungsmöglichkeiten in Deutschland. Trotz der Schwierigkeiten, die das neue Leben brachte, zog ich um meiner Kinder Willen hierher. Meine Kinder sollten es einmal besser haben."

Die Schwierigkeiten, die mein Vater erfuhr: "Als wir nach Deutschland kamen, stellte ich bald fest, dass ich fast kein Deutsch mehr konnte und das, was ich noch konnte, war schon antiquiert. Daraus ergab sich, dass es mir schwer fiel, eine Arbeitsstelle zu finden. Weil die Ausbildung, die ich in Kasachstan gemacht habe, in Deutschland nicht anerkannt wird, musste ich mich umschulen lassen."

"Die Heimkehr war für mich schmerzhaft, weil die Einheimischen oft sehr reserviert sind und mich als Aussiedler nicht akzeptieren. Ich leide unter Feindlichkeit, die im Wesentlichen eine Art Ausländerfeindlichkeit ist, weil viele Deutsche mich für einen Russen halten. Es scheint, dass ich keine Heimat habe. In Russland gelte ich als Faschist und in Deutschland als Russe."

Slawa Kaiser, R 10 Schule Leuschnerstraße

 

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