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Journal

Schule - Die ungeliebte Anstalt

Soll die Schule Bildung ver- mitteln oder Erziehungs- anstalt sein? Ist Unterricht nur gut, wenn er Spaß macht? Müssen Lehrer wie Kumpels sein? 17 Autoren machen sich in einem neuen Buch Gedanken über einen "Aufbruch aus der Bildungsmisere". Hier lesen Sie Auszüge.

Das schlechte Abschneiden deutscher Schüler bei der Pisa-Studie hat Eltern, Pädagogen und Bildungspolitiker aufgestört. Was läuft falsch an unseren Schulen? Warum wird Wissen, das für die Gesellschaft der Zukunft notwendig wäre, offenbar nicht genügend vermittelt? Warum haben Schüler aus sozial oder bildungsschwachen Familien keineswegs die gleichen Chancen wie Kinder aus besser gestellten Familien? Warum herrscht in so vielen Klassen eine lernfeindliche Atmosphäre?

In der Krise liegen auch Chancen, sagten sich zwei Fachfrauen. Die Hamburgerin Claudia Ludwig, früher Studienrätin und heute Personalcoach, und die Bildungsreferentin Astrid Mannes lassen in ihrem Buch "Mit der Spaßgesellschaft in den Bildungsnotstand" 17 Expertinnen und Experten aus der Schul- und Bildungspraxis zu Wort kommen. Darunter sind Hochschullehrer - etwa der bekannte Pädagogikprofessor Dr. Hermann Giesecke - Historiker, Theologen, Psychotherapeuten und Lehrer. Das Vorwort schrieb Prof. Gertrud Höhler. Einige der Autoren sind bisher mit "konservativen" Standpunkten verbunden worden, etwa die Psychotherapeutin und Pädagogin Christa Meves.

Aber das Buch ist keine Kampfschrift. Es geht um einen "Aufbruch aus der Bildungsmisere", so der Untertitel. Die Beiträge folgen dabei keiner einheitlichen "Linie". Aber dass die Zustandsbeschreibungen aus der Schul- und Lehrerpraxis zutreffen, werden Eltern und Pädagogen beim Lesen selbst feststellen.

Das Buch greift ganz grundsätzliche Fragen auf, die man sich nach jedem Elternabend stellt: Was bedeutet heute "Allgemeinbildung"? Sind "Kulturtechniken" wie flüssiges und korrektes Schreiben heute wirklich Nebensache? Ist "Unterricht" die spaßige Verlängerung von kindlichen Freizeitinteressen - oder fordert er die Fähigkeiten der Kinder auf deutlich andere Weise? Welche "Verwöhnangebote" für Schüler haben sich eingeschlichen? Wie hat sich das Lehrerbild (zurück-) entwickelt? Warum brauchen Lehrer eine Supervision?

Auf dieser Seite lesen Sie Auszüge aus zwei Beiträgen: Der Gymnasiallehrer Michael Felten befasst sich mit dem Begriff "pädagogische Strenge" - was heißt "streng", und warum ist sie heute geradezu verpönt? Und: Finnlands Schüler haben bei PISA signifikant besser abgeschnitten als deutsche; Thelma von Freymanns Vergleich zwischen dem deutschen und dem finnischen Schulsystem bietet Einblicke und Erklärungen.

  • Claudia Ludwig und Astrid Mannes (Hg.): Mit der Spaßgesellschaft in den Bildungsnotstand. Leibniz Verlag, 336 Seiten; 14,90 Euro.ju

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