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Journal

Der Tod riecht nach Mandelblüte

Der französische Krimiautor Pierre Magnan blickt in "Tod in Bronze" hinter die Fassaden einer bürgerlichen Welt.

Pierre Magnan ist der große alte Mann des französischen Kriminalromans. Im vergangenen Jahr 80 geworden, lebt er von Geburt an in Manosque, einer Stadt in der rauen Bergwelt der Haut-Provence. In dieser so unwirtlichen wie faszinierenden Landschaft spielen auch all jene Geschichten, die Magnan in mehr als 20 Büchern veröffentlicht hat. Sechs Bücher sind bislang auf Deutsch erschienen, zuletzt "Tod in Bronze". Magnans Kriminalromane um seine Serienfigur Kommissar Laviolette sind meist in der dunklen Jahreszeit platziert, wenn Kälte und Nässe auf das Gemüt der Menschen drücken. In "Tod in Bronze" beginnt alles mit einer nieselnden Pestizidwolke, die sich weniger auf das Gemüt als auf die Haut eines Apfelbauern legt. Als er den sonderbaren Geruch registriert, ist es bereits zu spät. Es riecht nach Mandelblüte, Blausäure also ist im Spiel. Es soll nicht bei einem Toten bleiben. Einer nach dem anderen wird dahingerafft, ihnen allen ist scheinbar nur eines gemein: Die Toten waren Mitglieder einer Gourmetvereinigung. Laviolette stößt bei seinen Ermittlungen auf eine Mauer des Schweigens - Pierre Magnan entwirft das Sozialporträt einer dörflichen Gemeinschaft, in der Verschwiegenheit eine Primärtugend ist und Verlogenheit keine Frage der moralischen Integrität, sondern Überlebensstrategie. Die Menschen, die Magnan skizziert, sind wie die Landschaft, in der sie leben - schroff, unnahbar, in sich ruhend und sich selbst genug, kreisend um ihre kleine Welt, deren Kern hohl ist. Schnell scheint klar zu sein, dass finanzielle Interessen als Motiv hinter den Morden stehen. Doch Laviolette traut dieser Lösung nicht, allzu viele Fragen bleiben offen, die den Blick auf das Wesentliche, auf das entscheidende Indiz verstellen. Schließlich führt ihn sein Weg in das Atelier eines Bildhauers, der sinnlich-erotische Frauenplastiken gleich zuhauf modelliert. Aber wer mordet schon wegen eines schönen Rückens? Bedächtig, gleichwohl ungemein intensiv entwickelt Magnan seine Geschichte, die Spannung schwelt unter der Oberfläche dieser kulissenhaft verstellten Welt, in der Laviolette nach der Wahrheit hinter bürgerlichen Fassaden und Charaktermasken sucht. Pierre Magnan ist ein Autor von hohem Format.

  • Pierre Magnan: Tod in Bronze. Deutsch von Irène Kuhn, Scherz-Verlag, 256 Seiten; 19,90 Euro.

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