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Journal

Science-Fiction à la Blumenberg

Das Jahr 2020: Der Staat ist zusammengebrochen, die Menschen vegetieren vereinsamt vor ihren Fernsehgeräten. Ein Massenmedium hat die Weltherrschaft übernommen und unterhält das Volk mit bizarren Gameshows. An den Schaltstellen sitzen äußerlich menschliche Aliens, die zufällig auf der Erde gestrandet sind. Planet der Kannibalen. Das Setting erinnert an überholten Science-Fiction-Horror - als wir uns das Grauen noch als totalitären Überwachungsstaat wie in George Orwells "1984" vorstellten. In Hans Christoph Blumenbergs Zukunftssatire darf man etwa nicht rauchen oder mit Handys telefonieren. Die Helden tragen klingende Namen: die Reporterin Emma Trost, abgekürzt E.T., der Hacker Adam Singer, der Menschenfresser Oskar Wagenknecht, der Medienkonzernchef Professor Werner Best oder ein Physiker und Spinner Bruno Ringeltaub - Kästner lässt grüßen. In der Medienzukunft, die im Berlusconi-Italien schon begonnen haben könnte, erblickt Blumenberg, der selbst für das Fernsehen arbeitet (Tatorte und Doku-Dramen), zumindest ästhetisch die Vergangenheit. Die schwarz-weißen, manchmal grobkörnigen Bilder sind eine Hommage an den Film Noir - mit Anspielungen an Godards Klassiker "Alphaville" von 1965. Aber auch ein Zugeständnis an ein schmales Budget: In Schwarz-weiß wirkt schon vieles verfremdet, was man sonst kostspielig erfinden müsste: Capitol und Freiheitsstatue im Heidepark Soltau als Senderzentrale oder die Jöhnk-Werft in Harburg als Unterschlupf verfolgter Sinn- und Wahrheitssucher. Für nur 1,63 Millionen Mark (830 000 Euro) wurde der Film im Februar 2001 in nur 18 Tagen gedreht. Schauspieler wie der verstorbene Matthias Fuchs, Vadim Glowna, Peter Fitz, Heikko Deutschmann, Barbara Auer und Nina Petri verzichteten weitgehend auf Gagen. Für Blumenberg ist sein dritter Film mit Produktionspartner Patrick Brandt eine Herausforderung. "Wir wollen versuchen, was wir in der Independent-Nische ausrichten können." (Frauke Hartmann)

 

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