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Journal

Rätsel raten mit sich selbst

. . . dazu fordert Ira von Kunhardt mit ihren abstrakten Bildern heraus. Oft steht sogar für sie selbst am Anfang nicht fest, was am Ende herauskommt. Die Kunsttreppe zeigt 34 Kunhardt-"Rätsel" vom 28. Juni bis 6. Juli.

Bei mir muss es sehr schnell gehen mit der Malerei!" Deshalb nimmt Ira von Kunhardt grobe Spachtel und Pinsel und lässt die unteren Farbschichten sichtbar. "Meine Bilder sind nicht vorher konzipiert. Ich reagiere auf das, was ich gerade gemacht habe." So überzeugt ihre Malerei durch Spontaneität. Und doch findet zu jeder Zeit eine analytische Kontrolle statt. In ihrem Studium beschäftigte sie sich besonders mit der Wirkung der Farben. Sie hatte damals die Atelierwand mit allerlei Zitaten zur Farbtheorie vollgehängt, von modernen Wissenschaftlern, aber auch den Bauhausmeistern und natürlich von Goethe. Ihre Theorien wurden von Ira von Kunhardt praktisch umgesetzt und auf Stimmigkeit getestet. Mit Hilfe des Computers erprobte sie in der Diplomarbeit neue Wege: Sie scannte Ausschnitte ihrer intuitiven Skizzen ein, abstrahierte sie und veränderte die Farbigkeit ("was wäre wenn...?"). Daraus entwickelte sie farbige Quadrate auf Pappe (30 x 30 cm, denn das Quadrat ist nach Josef Albers "die reinste Form"). Diese experimentellen Studien verwahrt die pfiffige Malerin penibel beschriftet in unzähligen Pizzaschachteln. Einige der kleinen Versuche setzte von Kunhardt im Großformat auf Leinwand um. Drei solcher Gemälde sind in der Ausstellung auf der Kunsttreppe zu sehen. (Es ist übrigens für Ira von Kunhardt die erste Einzelausstellung.) Doch auch die anderen Pizzaschachteln sind ein unerschöpflicher Fundus, aus dem sich schöpfen und variieren lässt. Am schwierigsten ist der Anfang: Manche Maler können davon ein Lied singen. Erst wenn viele Schichten übereinander liegen und die Komposition beim Malen eine eigene Dynamik entwickelt, wird von Kunhardt so richtig frei. Am Schluss gerät sie in eine Phase der gesteigerten Konzentration, in der sie alles um sich herum vergessen kann -, und schon ist das Bild fertig. Es ist kaum zu glauben, wie die Mutter von zwei Kindern, Lukas (7) und Lara (2), es schafft, "nebenher" so produktiv zu sein! Zum Glück malen die Kinder auch gern. Doch der künstlerische Höhepunkt sind die Sommerakademien in Paderborn: "Da tauche ich vom Alltag ab!" Oder die Zeiten, wenn Ehemann Felix die Kinder entführt und ihr eine sturmfreie Bude hinterlässt. Als Tochter einer Malerin und Innenarchitektin und eines Arztes und Jazzpianisten ist Ira (geb. Meister) mit den Musen aufgewachsen. Sie studierte Grafikdesign und Illustration an der Fachhochschule Münster bei Wolfgang Troschke und zog mitten im Diplomstress nach Hamburg. Ira von Kunhardt hat keine Angst, dass ihr die Themen ausgehen. Ein Stillleben, eine Landschaftsskizze oder eine Pappstudie aus den Pizzaschachteln kann ein Anstoß für ein abstraktes Bild sein. Stets geht es dabei um eine lebhafte Oberfläche mit festeren oder auch freieren Formen, oft mit wässrigen Tropfspuren, und um die grafische Überarbeitung in Ölkreide, Pastell und Bleistift. Die Wahl der Farben und Kontraste entscheidet die Stimmung des Bildes, ob ruhig oder unruhig, heiter oder ernst. "Ich gebe meine Bilder so ungern weg!", sagt die Künstlerin lachend. Nur bei den Auftragsarbeiten stellt sie sich von vorn herein darauf ein, dass das Bild das Haus verlässt. Diese Bilder sind in der Regel konkreter als die freien Werke. Elefanten in Afrika oder Strandkörbe auf Sylt sind hierfür gelungene Beispiele. "Mir ist wichtig, mich auf etwas Neues einzulassen", sagt die Künstlerin voll Tatendrang. "Das ist wie Rätsel raten mit sich selbst."

 

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