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Journal

Hunde in der Stadt? Na klar!

Die Buchautorin Katharina von der Leyen plädiert für eine hohe Pfoten-Quote: Gerade in der Stadt brauchen wir Hunde - nicht nur zum Spielen und Spazierengehen, sondern auch zum Kontakte-Knüpfen.

Hunde in der Stadt? Das ist immer noch ein Aufrege-Thema. Dem einen tun Stadthunde einfach Leid, der andere verweist darauf, dass Hunde schon immer und überall mit Menschen gelebt haben. Katharina von der Leyen hat Hunde seit ihrem 15. Lebensjahr und bisher schon mehrere Ratgeber über Hunde und Pferde geschrieben. Ihr jüngster, "Stadthunde", ist ein fröhliches Plädoyer für die vierbeinigen Begleiter - mit vielen bodenständigen Tipps für die Wechselfälle des Alltags, vom Straßenverkehr bis zu "Wahnsinnsanfälle bei Welpen". "Während man auf dem Land von Gartenzaun zu Gartenzaun Kontakt mit den Nachbarn aufbauen kann", schreibt sie, "bedarf es in der Stadt schon stärkerer Geschütze, um aus der Anonymität herauszutreten. Hunde sind wundervolle Verbindungsfaktoren: Wenn ich mit meinen Hunden die Straße hinunter gehe, muss dauernd jemand über sie lächeln - so viel Sonnenschein habe ich allein noch nie verbreiten können, leider." JOURNAL: Was hat Ihnen an bisherigen Hunderatgebern denn gefehlt, dass Sie selbst welche schreiben müssen? VON DER LEYEN: Mir fiel auf, dass in den Ratgebern vieles fehlt. Da steht: Der Cockerspaniel ist der wunderbarste Hund, den es gibt. Der Schäferhund ist der wunderbarste Hund, den es gibt, und so weiter. Da steht aber nie, dass der Jack Russell zum Beispiel ein irrsinnig aktiver Hund ist, der Kindern eine raue Behandlung durchaus übelnimmt. Da steht auch nicht, welche Rassen so stark haaren, dass man denkt, die ganze Wohnung sei mit Flokati ausgelegt. Oder, dass Dackel nun mal Kläffer sind. JOURNAL: Dann kaufen die Leute aber keine Dackel mehr. VON DER LEYEN: Meistens kaufen die Leute sich Hunde nach dem Postkartenprinzip "den finde ich schön, den nehme ich". Und sie bedenken nicht, dass ein Hund nach kurzer Zeit vielleicht bis 45 Kilo wiegt, und sie wohnen im 5. Stock ohne Fahrstuhl. Wie kriegt man den hoch und runter? Und was ist, wenn der Rückenprobleme bekommt? Viele Leute haben beim Kauf den frisch gewaschenen, wohlerzogenen, ruhigen zweijährigen Hund aus der Frolic-Reklame vor Augen. Aber Hunde haaren, kotzen auf den Teppich, schlafen auf dem Sofa und fressen die Vorspeise zwei Minuten bevor die Gäste kommen. JOURNAL: Was antworten Sie, wenn jemand sagt: Ein Hund gehört überhaupt nicht in eine Stadtwohnung? VON DER LEYEN: Das ist mit Kindern in der Stadtwohnung doch ähnlich: Kinder, die auf der Etage aufwachsen, können leider keine Baumhäuser bauen und haben keinen Garten zum Tollen. Deshalb müssen sich ihre Eltern etwas ausdenken. Trotzdem wäre es doch ein Graus, wenn es in der Stadt keine Kinder gäbe! Genauso sehe ich das mit Hunden. Man muss in der Stadt nur vieles vorher bedenken. Zum Beispiel: Wie kriegt man einen Welpen im vierten Stock stubenrein? Wenn er anfängt zu suchen und Kreise zieht, nimmt man ihn hoch und schießt die Treppe runter, zur Haustür raus und da steht ein Nachbar und sagt: "Ach Frau Von der Leyen, was ich Sie fragen wollte . . ." Inzwischen hat der Welpe schon losgepieselt oder komplett vergessen, worum es eigentlich ging. Natürlich gibt es ein paar Methoden, zum Beispiel mit Zeitungspapier in einer bestimmten Ecke. Das Problem ist: Sobald mal die Tageszeitung auf dem Fußboden liegen bleibt, denkt der Hund: Hmm Superidee! JOURNAL: Müssen Hundebesitzer besonders charmant sein, um hundefeindliche Mitmenschen zu besänftigen? VON DER LEYEN: Man muss manchmal einen unglaublichen Charme entwickeln. Aber ich finde, dass Hunde mindestens meine persönlichen Sonnenscheinhunde das Stadtbild ungeheuer verfreundlichen. Hunde gelten in Frauenmagazinen sogar schon als "Flirt- faktor". JOURNAL: Aber sie machen diese Häufchen. VON DER LEYEN: Ich habe lange in Amerika gelebt und bin an die Tüten-Methode gewöhnt: Ich verlasse das Haus nicht ohne so eine kleine Plastiktüte. Wenn ich mal eine vergessen habe, finde ich unterwegs immer Zeitungspapier oder Tüten, leider. Es gibt ja genug Müll in Straßen und Parks. Aber das ist eben so: In der Stadt muss man viele Kompromisse schließen. Ich kann nicht nachts meinem Liebsten Liebeslieder vor dem Fenster singen, da fallen alle aus dem Bett. Und meine Hunde dürfen im Haus nicht viel bellen, nur im Park. JOURNAL: Hundebesitzer sind selbst so unterschiedlich wie ihre Hunde. Müsste es nicht Ratgeber für den Umgang mit Hundebesitzern geben? VON DER LEYEN: Bei denen ist es dasselbe wie bei Autofahrern: Manche parken einfach rücksichtslos in der zweiten Reihe, und andere sind höflich und umsichtig. In einer Stadt drängen sich die verschiedensten Typen, es gibt unendlich viele Spinner, viele Leute mit Profilierungssucht, Leute, die schreien einen mitten auf der Straße an. Mit Hunden muss man auf andere Rücksicht nehmen. Ein paar Regeln müssen sein. Ein Hund, der groß und schwarz ist, gehört an die Leine, weil es Leute gibt, die wirklich davor Angst haben. Und es nützt überhaupt nichts und ist wenig rücksichtsvoll, ihnen einfach zu sagen: "Der will doch nur spielen!" Beim Mops ist es eher egal, der ist harmlos und nicht größer als ein Turnschuh, und so richtig "erziehen" kann man einen Mops sowieso nicht. JOURNAL: Nicht jeder hat erzieherisches Fingerspitzengefühl, für Kinder wie für Hunde. VON DER LEYEN: Aber selbst Leute, die von Hunden keine Ahnung haben, halten sich bei uns für Hundeerziehungsexperten. Und man neigt auch dazu, die eigenen Hunde immer zu entschuldigen. Wie die eigenen Kinder. Wenn fremde Kinder kreischend um den Tisch rennen und über Stuhl und Bänke springen, findet man das grauenhaft. Wenn es die eigenen sind, wird man milde. Katharina von der Leyen: Stadthunde Hundeleben in der Stadt. Rassen, Aufwand, Erziehung, blv, 222 S., 14,95

 

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