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Aus aller Welt

Leihmutter: Ehepaar hatte sich über ein Verbot hinweggesetzt

Französisches Gericht erkennt Kindern ihre Eltern ab

Die Zwillinge leben in einem juristischen Vakuum. Auch in Deutschland dürfen Kinder nicht von Leihmüttern ausgetragen werden.

Paris. Drei Mütter, aber offiziell keine Eltern - in dieser ungewöhnlichen Situation befinden sich derzeit zwei acht Jahre alte Zwillingsschwestern in Frankreich. Der Fall von Isa und Lea hat im Nachbarland die Debatte über Leihmütter wieder aufleben lassen. In dieser Woche erkannte ein französisches Gericht den Mädchen ihren Familienstand ab. Das Ehepaar Mennesson verlangte vergeblich, dass Isa und Lea in Frankreich als ihre Töchter anerkannt werden.

Das Gericht verweist darauf, dass die Zwillinge von einer Leihmutter in den USA abstammen. In Frankreich ist Leihmutterschaft - wie in Deutschland - verboten. Die Richter wollen den Umweg über das Ausland nicht im Nachhinein billigen.

Sylvie Mennesson erfuhr 1998, dass sie wegen einer seltenen Krankheit keine Kinder bekommen konnte. Gemeinsam mit ihrem Mann entschied sie sich, in den USA eine Leihmutter zu suchen. "Warum soll sich eine Frau, die keine Kinder austragen kann, nicht von einer anderen Frau helfen lassen?", erklärte Sylvie Mennesson später. "Wir hätten nicht gedacht, dass wir später in Frankreich Probleme bekommen", sagte ihr Mann Dominique. "Schließlich ist das in den USA eine ganz legale Angelegenheit."

In den Staaten ließen die beiden eine Eizelle einer anonymen Spenderin - gewissermaßen der dritten Mutter - mit dem Sperma von Dominique befruchten. Leihmutter Mary brachte im August 2000 zwei gesunde Mädchen zur Welt. Nach amerikanischem Gesetz wurden in der Geburtsurkunde Sylvie und Dominique als Eltern genannt. Das französische Konsulat weigert sich jedoch, die Kinder in den Pass des Vaters einzutragen und alarmiert die französische Justiz wegen Verdachts der illegalen Adoption.

"Wir haben mit den Mädchen früh darüber gesprochen", sagt Sylvie. "Ich habe ihnen gesagt, dass ich keine Tasche im Bauch habe, wie andere Frauen, um Babys darin zu tragen", erklärt sie. Zu Leihmutter Mary hat die Familie weiterhin guten Kontakt, die Töchter kennen sie auch. "Aber sie wissen, dass ich ihre Mutter bin", sagt Sylvie.

Nach zahlreichen Behördengängen wurde das Ehepaar Mennesson im vergangenen Jahr in Frankreich als Eltern anerkannt. Doch die Staatsanwaltschaft ging in Berufung und erreichte nun, dass dies rückgängig gemacht wurde. Seitdem befinden sich die Kinder in einem juristischen Vakuum. Das Ehepaar schätzt, dass sich in Frankreich 500 bis 1000 Familien in einer ähnlichen Situation befinden.

Der Fall Mennesson hatte dazu geführt, dass sich eine Gruppe von Senatoren im vergangenen Jahr für eine eingeschränkte Legalisierung der Leihmutterschaft einsetzte. Familienstaatssekretärin Nadine Morano erregte Aufsehen, als sie erklärte, dass es sich bei einer Leihmutterschaft um einen "Akt der Liebe" handle. Sie sei selber bereit, im Notfall für ihre Tochter ein Kind auszutragen. Kritiker verweisen darauf, dass die Erlaubnis von Leihmutterschaft der Kommerzialisierung menschlichen Lebens die Tür öffnen würde. Außerdem seien die psychologischen Folgen für alle Beteiligten unabsehbar.

Im kommenden Jahr will Frankreich sein Bioethik-Gesetz überarbeiten und dann auch die Frage der Leihmutterschaft neu debattieren. Das Ehepaar Mennesson will unterdessen weiter vor Gericht um die Anerkennung von Isa und Lea als ihre Töchter kämpfen. "Es ist eine absurde Entscheidung, niemand denkt dabei an unsere Kinder", so die Mutter nach dem Urteil unter Tränen. Auch der US-Popsänger Ricky Martin (36) hat seine Zwillingssöhne von einer Leihmutter zu Welt bringen lassen.

 

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