Hinter Gittern: Partygirl tritt Haft an
Das neue Paris Hilton
Von der MTV-Gala ins Gefängnis: Millionenerbin sitzt 23 Stunden pro Tag in ihrer Einzelzelle.
Los Angeles. So einen Haftantritt erleben die Wärter vom zentralen Männer-Gefängnis in Los Angeles County auch nicht alle Tage. Gegen 22.30 Uhr Ortszeit kommt Paris Hilton (26) im Schutz der Nacht in einer dunklen Limousine mit Chauffeur vorgefahren. Im Auto sitzen auch Anwalt Richard Hutton, Mutter Kathy (48) und Schwester Nicky (23).
Zum Abschied noch ein Küsschen von der Mama für Paris, dann bringen Justizmitarbeiter die von der MTV-Movie-Awards-Party noch aufgetakelte Blondine zum Century Regional Detention Frauengefängnis in Lynwood, einer Kleinstadt bei Los Angeles.
Kurz vor Mitternacht checkt der "VIP-Gast" dort ein: Erkennungsfoto, Fingerabdrücke und schließlich der berühmte Häftlingsanzug in Orange. Das County Jail ist nicht gerade "hiltonlike": Der zweistöckige Betonklotz liegt neben einer Eisenbahn-Trasse und unterhalb eines viel befahrenen Highways. Hiltons Zelle ist vier mal 2,5 Meter groß. Toilette, Waschbecken und Spiegel sind aus Stahl. Ursprünglich war Paris Hilton zu 45 Tagen Haft wegen Fahrens ohne Führerschein verurteilt worden. Sie war binnen weniger Monate gleich dreimal betrunken am Steuer erwischt worden, trotz Fahrverbot.
Doch nach einem Gnadengesuch zeigte sich das Gericht milde und halbierte die Dauer der Strafe. Sofern sich Miss Hilton gut führt, könnte sie sogar vor Ablauf der 23 Tage freikommen. Eigentlich hätte sie erst heute früh einrücken müssen. Doch die Nacht-und Nebel-Aktion hatte einen guten Grund: Die sonst so medienbewusste Partykönigin wollte dem lauernden Heer von Fotografen ausweichen.
Es hatte sogar Morddrohungen gegeben. Deshalb wird Hilton auch getrennt von den meisten der 2200 Häftlinge in einem Hochsicherheitstrakt untergebracht, in dem ehemalige Polizistinnen, Stars und andere Insassen einsitzen, die im Knast zur Zielscheibe werden könnten. Die Mutter eines Mädchens, das im normalen Block sitzt: "Typisch. Meine Tochter musste sogar auf dem Boden schlafen. Aber das kommt für Frau Hilton natürlich nicht infrage." Steve Whitmore, Sprecher des Sheriffs, über Hilton: "Sie benimmt sich sehr anständig, wirkt konzentriert, und sie kooperiert mit uns." Das ist auch besser so. Denn die Wärter sind auch zu ihrem Schutz da. Ob Paris wirklich begriffen hat, was die Stunde geschlagen hat, ist fraglich. Während der MTV-Awards gab sie Interviews, die so scheinheilig waren wie kürzlich ihr gewollter Auftritt mit Bibel unter dem Arm. "Ich versuche jetzt stark zu sein", sagte sie. "Ich habe wirklich Angst. Aber ich bin bereit, meine Strafe abzusitzen." Angeblich hätte sie gegen Bares auch in ein Gefängnis gehen können, in dem die Umstände angenehmer wären. "Doch ich will allen zeigen, dass ich keine Sonderbehandlung brauche. Ich war in den vergangenen Wochen sehr viel allein und hatte Zeit zum Nachdenken." Sie wird 23 Stunden in ihrer Zelle sitzen. Eine Stunde pro Tag darf sie duschen oder telefonieren. Handy oder Computer sind in dem Gefängnis nicht erlaubt.



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