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Aus aller Welt

Polizistenmord: Trauer und Wut in Heilbronn

Die erste Spur: Es waren zwei Täter

Beamter nach Kopfschuss noch immer in Lebensgefahr. Oettinger gab Geheimnisse preis.

Heilbronn. Der wichtigste Zeuge zum Heilbronner Polizistenmord ringt weiterhin mit dem Tod. Nach Kopfschüssen liegt der 24-Jährige Polizeimeister im Koma. Trotzdem verfolgen seine Kollegen eine erste heiße Spur. Eine Zeugin gab an, nach der Tat von einem Mann beinahe überrannt worden zu sein, der blutüberströmt und völlig außer Atem gewesen sei, wie ein Sprecher gestern sagte. Der Mann sei eindeutig aus Richtung des Tatorts, dem Festgelände Theresienwiese, gekommen und nach dem Zusammenprall mit der Frau auf den Rücksitz eines Pkw gestiegen, der sich dann mit hohem Tempo entfernt habe. Die 35-köpfige Sonderkommission "Parkplatz" fahndet nicht nur deshalb nach mindestens zwei Tätern. Ballistische Untersuchungen zufolge wurde mit zwei unterschiedlichen Waffen auf die Polizistin Michelle K. (22) und ihren Kollegen geschossen. Die Opfer gaben keinen Notruf ab. sie wurden nach Einschätzung der Ermittler von den Tätern überrascht. Insgesamt sind die Hinweise aber bisher dürftig. Erste Wohnungsdurchsuchungen haben nichts ergeben.

Bei dem brutalen Überfall am Mittwoch war die junge Polizistin aus Thüringen aus nächster Nähe mit Kopfschüssen getötet worden (wir berichteten). Sie hatte seit eineinhalb Jahren bei der Bereitschaftspolizei Böblingen gearbeitet. Wie ihr verletzter Kollege aus Sindelfingen (Kreis Böblingen) habe sie zuvor eine 30-monatige Ausbildung durchlaufen. "Sie war voll ausgebildet und eine Kollegin mit einer gewissen Erfahrung", so der Sprecher. Die Opfer waren von einem Passanten gefunden worden; sie lagen neben ihrem Streifenwagen. Ihre Dienstwaffen - Pistolen vom Typ P 2000 - und die Handschellen fehlten.

Zu den genaueren Umständen am Tatort sowie den ersten Ergebnissen wollte die Heilbronner Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst keine weiteren Angaben machen. Diesen Plan hat aber der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (53; CDU) offenbar durchkreuzt. Er soll Ermittlungsdetails öffentlich gemacht haben. Oettinger hatte nach Angaben des parlamentarischen Geschäftsführers der SPD-Landtagsfraktion, Reinhold Gall, dem SWR mitgeteilt, dass die Ermittler von mindestens zwei Tätern ausgingen, dass die Kugeln aus zwei Waffen stammten und dass es sich um einen Racheakt gegen die Landespolizei handle. Laut Gall habe die Polizei auf Nachfragen von Journalisten dann Oettingers Informationen notgedrungen zu einem Zeitpunkt bestätigen müssen, zu dem sie diese Details geheim halten wollte. Gall forderte den Ministerpräsidenten deshalb auf, zu erklären, "ob er tatsächlich Ermittlungsdetails ausgeplaudert hat, die die Polizei bis zu seinen Äußerungen geheim gehalten hat".

In Heilbronn wird indessen spekuliert, ob die beiden Polizisten zufällig Drogendealer überrascht haben, die sich regelmäßig auf der Theresienwiese treffen. Der Leiter der Bereitschaftspolizei, Thomas Hürder, bezeichnete den Einsatz der beiden als Routine. Die Beamten seien zwar jung, aber gut ausgebildet gewesen.

Der Mord löste bei Polizisten bundesweit Entsetzen aus. Wieder einmal werde "brutal ins Bewusstsein gerufen, wie gefährlich der Polizeiberuf ist", erklärte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg. Nach Berechnungen der Gewerkschaft sind seit Kriegsende in der Bundesrepublik 388 Polizistinnen und Polizisten im Dienst getötet worden. Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt kündigte an, eine Million Euro für persönliche Schutzwesten ihrer Polizisten zur Verfügung stellen zu wollen. Die getöteten Polizisten trugen Schutzwesten, wurden aber in den Kopf getroffen.afp, ap, dpa

 

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