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Aus aller Welt

Italien: Organspenderin war HIV-positiv

Empörung nach Aids-Skandal

Einer Biologin unterlief der Fehler - sie war unter Zeitdruck.

Florenz. Die Europäische Union hat das italienische Sicherheitsmodell für Transplantationen übernommen, und doch sind ausgerechnet in Florenz Organe einer HIV-positiven Spenderin verpflanzt worden. Vor einer Woche transplantierten die Experten der Careggi-Klinik zwei Nieren und die Leber einer Verkäuferin und Mutter. Drei Patienten, die seit mindestens vier Jahren auf der Warteliste standen, schöpften nach gelungenen Operationen endlich Hoffnung auf ein neues Leben. Bis Tests an Haut und Hornhaut, die von derselben Spenderin stammten, zu der niederschmetternden Diagnose führten.

Das Blut der Spenderin war vor der Transplantation den üblichen Tests unterzogen worden. Doch beim handschriftlichen Übertragen der Daten vom Computerauszug in die Begleitakte unterlief der zuständigen Biologin ein fataler Fehler: Unter extremem Zeitdruck trug sie in die Spalte des HIV-Tests "negative" statt "reactive" (positiv) ein. Drei Organe wurden sofort transplantiert.

Nur für die Organe, die zu einem späteren Zeitpunkt verpflanzt werden, ist eine zweite Testreihe vorgesehen. So schlug das zuständige Labor in Pisa eine Woche nach den ersten Transplantationen Alarm. Noch während sie sich von den schweren Operationen erholten, erhielten die Empfänger der Organe die schlechte Nachricht. Die Ärzte des Careggi-Krankenhauses starteten umgehend eine antivirale Therapie, die eine Aids-Infizierung stoppen soll. Erst nach Ablauf eines Jahres wird sich aber herausstellen, ob die drei Patienten infiziert sind.

Die für den tragischen Übertragungsfehler verantwortliche Biologin erlitt einen Nervenzusammenbruch. Mittlerweile steht die vom Dienst suspendierte Mitarbeiterin unter Beruhigungsmitteln. Einer ihrer drei Kollegen, mit denen sie acht Millionen Bluttests pro Jahr durchführt, betont: "Die vorgesehene Prozedur wurde eingehalten."

Bislang erstattete keiner der drei betroffenen Patienten Anzeige. Einer von ihnen bat die Ärzte, seine Familienangehörigen noch nicht zu informieren. "Werde ich es schaffen?", fragte ein anderer seinen Chirurgen. Doch die Antwort wird lange auf sich warten lassen. Für die beiden Frauen und den Mann, denen die gestorbene Spenderin neue Hoffnung gab, beginnt ein zweites Mal der Wettlauf gegen den Tod.

Die Spenderin war Mitte Februar mit dem Staubsauger in der Hand leblos am Boden liegend in ihrer Wohnung entdeckt worden. Ihre Mutter war hellhörig geworden, als die 41-Jährige nicht wie verabredet zum Mittagessen erschienen war. Nachdem der eilig herbeigerufene Ehemann nicht in die Wohnung kam, holten sie die Feuerwehr. Doch im Krankenhaus konnte nur noch der Tod durch eine Hirnblutung bei der Frau festgestellt werden.

Die gemeinsam getroffene Entscheidung, ihre Organe zu spenden, sollte Trost bringen. Stattdessen stürzte sie die Empfänger und die Angehörigen der Toten in eine schwere Krise. Die Frau sei immer kerngesund gewesen, versicherte ihre Familie. "Meine Tochter wusste nicht, dass sie Aids hatte", sagte der schockierte Vater. Ein Teil der Familie wird sich nun einem Aids-Test unterziehen, obwohl sie nicht zu einem Risiko-Milieu gehört.

Während die Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung ermittelt, bemüht sich Italiens Gesundheitsministerin Livia Turco um Schadensbegrenzung. Ebenso wie das Transplantationszentrum von Florenz fürchtet sie einen Rückgang der Spendenbereitschaft. Deshalb lobte sie die Schnelligkeit, mit der die Klinik auf die Testergebnisse reagierte. Trotzdem fordert der Transplantationschirurg und Chef der Gesundheitskommission im Senat, Ignazio Marino, eine Überprüfung der Sicherheitsmechanismen.

 

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