Die Fische der ewigen Finsternis
Tiefsee: Einmalige Aufnahmen aus dem Pazifik. US-Forscher entdecken bizarre Bewohner eines unbekannten Lebensraumes.
Monterey. 3000 Meter unter der Wasseroberfläche ist es stockdunkel. Nur der Lichtkegel des U-Bootes "Tiburon" erhellt das Schwarz einige Meter. Hier unten wachsen keine Pflanzen mehr. Deshalb glaubte der schottische Meeresforscher Edward Forbes noch vor 160 Jahren, daß es in der Tiefsee kein Leben geben könne.
Heute weiß man: Die Tiefsee ist bewohnt. Einmalige Bilder bizarrer Meerestiere, darunter auch unbekannte, hat das Tauchboot des kalifornischen Monterey Bay Aquarium Research Institutes drei Kilometer unter Wasser aufgenommen. Durchsichtige Stachelfische, Schlangenfische mit riesigen Mäulern, einen Vampirtintenfisch mit kobaltblauen Augen oder rote Quallen, die wie kleine Raumschiffe anmuten.
Die Tauchfahrt der "Tiburon" - das unbemannte Boot ist so groß wie ein Kleinwagen - ging in den Monterey Canon, eine bis zu 3800 Meter tiefe Schlucht vor Kalifornien. Sie erstreckt sich 175 Kilometer weit in den Pazifik - und ist noch nahezu unerforscht.
"Das ist keine Ausnahme: Die Meere sind der größte Lebensraum der Erde, und wir kennen davon gerade einmal eine Fläche, so groß wie ein Kinderspielplatz", sagte Dr. Kai Horst George, Meeresbodenforscher am Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung (DZMB) in Wilhelmshaven, dem Abendblatt. "Wenn ich an die Tiefsee denke, beginne ich zu schwärmen. Es ist das Paradies für Forscher."
Bisher sind rund 250 000 marine Tier- und Pflanzenarten bekannt, doch es könnten bis zu zehn Millionen sein, schätzen die Experten des Projekts "Census of Marine Life"- einer Art Volkszählung im Meer, die von Forschern aus 73 Staaten betrieben wird.
Das U-Boot begegnete auch der aus mehreren Organismen zusammengesetzten Staatsqualle "Physophora hydrostatica", die wie eine Ananas aussieht und grün-blau oder rot-orange schimmert. Oder den Pelikan-Aal, der mit seinem aufklappbaren Kiefer und dem Hautsack an Pelikane erinnert. Er kann Fische hinunterschlucken, die so groß sind wie er selbst. Weil es in 3000 Meter Tiefe kaum Nahrung gibt, sind die meisten Tiere Räuber. Andere ernähren sich von absinkendem Phytoplankton - Reste abgestorbener Pflanzen und Tiere. Dr. George: "Es gibt noch soviel zu erforschen - den Mond kennen wir jedenfalls schon besser als die Tiefsee."














