Neuer Trend: tragbare Mode
Paris: Abschied vom Glamour. Der Mode-Sommer 2005 wird locker-flockig.
Paris. Die Zeit des Glamours in den vergangenen Jahren ist vorbei. In Paris geht es wieder darum, was die Frau wirklich anziehen will. Die Mode für den Sommer 2005 verzichtet auf überladene Glitzer- Outfits. Auch zuviel Erotik ist nicht mehr im Trend. Das zeigten die ersten Tage der Schauen, die noch bis Montag dauern. Die Designer schneidern nicht mehr nur für die roten Teppiche zwischen Hollywood und Cannes, sondern auch für den Alltag. Offenbar ist es selbst den großen Häusern zu teuer geworden, nur für Werbezwecke Kleider zu entwerfen. Selbst Dior-Designer John Galliano, der sonst immer großes "Theater" bot, hat das erkannt. Seine Kollektion war diesmal kein Spektakel, bei dem man die tragbaren Kleider mit der Lupe suchen mußte, sondern eine Schau für Frauen (fast) aller Altersklassen. Vom Typ Barbie bis hin zur Dame war jede bedient.
Neben romantischen Kleidern mit Rüschen und gesteppten Jakken mit Schößchenwie in den Anfangszeiten des Modehauses Dior Ende der 40er Jahre gab es Mini- Jeansröcke mit Stickereivolants und Ringelstrümpfe. Vieles war ganz unglaublich farbig - von den T-Shirts in Rot, Türkis und Pink bis zu den Blumenkleidern und Schlaghosen im Stil der 70er Jahre. Star der Dior-Schau war Riley Keough. Sie ist die Enkelin von Elvis Presley und ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Die 14jährige stand nicht nur auf dem Laufsteg, sondern soll auch die Dior- Kampagne für den Sommer 2005 machen.
Farbe ist ohnehin einer der großen Trends des kommenden Sommers. Auch der Hamburger Karl Lagerfeld, der sonst auf den Schwarz-Weiß-Kontrast schwört, trieb es in seiner eigenen Linie "Lagerfeld Gallery" bunt. Weichfließende Satinroben und Plisseekleider in Fuchsia, Rot und Gelb. Trotz der leuchtenden Farben wirken sie elegant.Wer sich nicht an den neuen Trend gewöhnen mag, für den gibt es auch Lagerfeld- Kostüme mit ausgestellten Röcken in Weiß und Grau. Unter dem Saum blitzen kleine Spitzen. Weiblichkeit wird im kommenden Sommer großgeschrieben.
Kleider sind der zweite große Trend. Sie sollten möglichst leicht, flatternd und asymmetrisch sein. Sie dürfen auch bestickt und bedruckt sein oder exotisch aussehen. Hosen waren bisher kaum zu sehen.
Wie schon in Mailand ließen sich auch die Designer in Paris durch Reisen in alleWelt inspirieren. Afrikanische Drucke wie bei Stella McCartney oder zarte Stikkereien wie bei Dries van Noten ernteten beim Publikum viel Beifall. Der Belgier liegt mit seinem Ethno-Look mal wieder im Trend. Auch hier wie schon bei der italienischen Konkurrenz waren Rüschen sehr beliebt.
Weiße Blusen mit Puffärmeln passen bei ihm zu roten Röcken, die türkis bestickt sind. Mehrere Lagen Blumenkleider werden übereinandergetragen. Doch nichts wirkt kitschig, alles ist tragbar. Das Modepublikum war begeistert von dem Umschwung.
Theatralisch war bei Dries van Noten nur die Inszenierung und der Ort der Schau - abends um 22 Uhr im finsteren Pariser Vorort La Courneuve, eine stillgelegte riesige Fabrik, wo einst Heizanlagen für Kreuzfahrtschiffe hergestellt wurden. Da liefen einigen Gästen Schauer über den Rücken, so unheimlich war das. In der Fabrik war es anfangs fast dunkel, nur etwas rotes Licht an den Wänden.
Van Noten hatte zu seiner 50. Modenschau seit 1991 eingeladen, feierte sie mit einem Abendessen. Etwa 500 Gäste nahmen an einem 150 Meter langen Tisch Platz. Sie wurden von 250 Kellnern bedient. Nach dem Essen wurde der Tisch zum Laufsteg.



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