Mittwoch, 15. Februar 2012, 01:03

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Aus aller Welt

Neue Heimat für Papageien

Deutschland bietet den gefiederten Exoten offenbar alles, was sie benötigen. Schon zehn wild lebende Arten gezählt.

Stuttgart. Die Frage, ob Deutschland ein Einwanderungsland ist, haben der Halsbandsittich und die Große Gelbkopfamazone längst für sich entschieden. Selbst harte Winter brauchen die Papageien nicht zu fürchten. Ein warmes Federkleid und der Appetit auf Samen und Früchte aller Art lässt die Krummschnäbel gut durch die kalte Jahreszeit kommen.

Etwa zehn Papageienarten sind in deutschen Landen bereits frei fliegend gesichtet worden. "Wirklich etabliert hat sich nur der Halsbandsittich", sagt Rag-nar Kinzelbach, Biodiversitätsforscher von der Universität Rostock und Mitautor einer Studie zu Neubürgern im Tierreich. "Der Vogel hat Heimatrecht erworben." Eine größere Population lebt zum Beispiel im Hamburger Alstertal. Mit etlichen Exemplaren ist auch die Gelbkopfamazone zur einheimischen Art avanciert, allerdings auf den Raum um Stuttgart beschränkt. Beim Dritten im Bunde, dem frei lebenden und im Freien brütenden Mönchssittich, sind sich die Beobachter nicht einig, wie stark eingebürgert der 30 Zentimeter große Vogel ist. Unter starker Beobachtung von Naturfreunden steht auch der Große Alexandersittich. Im Biebricher Schlosspark in Wiesbaden entdecken Vogelschützer immer wieder Brutpaare in Naturhöhlen oder als Nachmieter von Grünspechten. Etablierte Neubürger sind aber nur der Halsbandsittich und die Gelbkopfamazone. Sie haben frei lebend mehr als drei Generationen hervorgebracht.

Selten sind Pfirsichköpfchen, Bergpapageien, Mohrenkopf-, Grau-, Grünsperlingspapageien, Blaumaskenamazonen, Nymphen- sowie Bartsittiche und Rosenköpfchen.

Kein geringerer als Alexander der Große (356-323 v. Chr.) verhalf zum Beispiel dem Halsbandsittich als beliebtem Käfigvogel zur Einbürgerung in Ägypten und im Römischen Reich. Schon in der Antike verwilderte der ursprünglich aus Indien und Zentralafrika stammende Vogel in den Mittelmeerländern. In den 60er-Jahren zog es ihn nach Norden. "Er brütet inzwischen in 15 bis 20 Städten in Deutschland", sagt Kinzelbach. Halsbandsittiche sind von Süddeutschland aus über Bonn, Köln bis nach Hamburg und Berlin vorgedrungen.

Vor allem Städte mit großen Parkanlagen sind attraktiv für den lautstarken Vogel. "Mit Vorliebe brütet er in den Höhlen großer Bäume", sagt Jochen Hölzinger vom Kuratorium für avifaunistische Forschung in Baden-Württemberg. "Knospen, Samen und Früchte gibt es überall das ganze Jahr über." In den Großstädten seien die Papageien zudem vor Greifvögeln sicher. Etwa 70 Brutpaare hat er allein in Baden-Württemberg gezählt. Bis zu 4000 Tiere könnten es leicht in ganz Deutschland sein, schätzen Vogelbeobachter.

Die Gelbkopfamazone verdankt ihre Einbürgerung nachweislich einem entflohenen Vogel, dem Mitarbeiter des Wilhelma-Tierparks in Stuttgart vor etwa 20 Jahren wohl aus Mitleid zur Zweisamkeit verhalfen. Das Pärchen erwies sich als fruchtbar. Etwa 35 bis 40 Gelbkopfamazonen bevölkern heute den Rosensteinpark in Stuttgart, Tendenz steigend. Aber auch auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg wurden diese Vögel gesichtet.

"Die Papageien haben eine ökologische Nische gefunden", erklärt Paul Kornacker vom Bundesamt für Naturschutz die erfolgreiche Einwanderung der Exoten. "Sie haben kaum Feinde und sind vor allem nur eine geringe Konkurrenz für hier lebende Vogelarten."

Der Halsbandsittich fühlt sich sowohl im Alstertal als auch in der Wedeler Marsch wohl. Der Vogel ist an seinem roten Schnabel gut zu erkennen.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus