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Aus aller Welt

Zirkus-Elefant soll leben

Tiertragödie: Sikims Leid hat die Debatte um die Großwildhaltung zwischen Käfig und Manege neu entfacht.

Osnabrück. Abgemagert und krank erholt sich die Elefantenkuh Sikim langsam im Osnabrücker Zoo. Und es gibt eine gute Nachricht: Das 23 Jahre alte Tier wird nicht eingeschläfert. Das sagte gestern Zoodirektor Dr. Wolf Everts. Das Blutbild habe ergeben, dass es keine entzündlichen Prozesse in Sikims Körper gibt. "Wenn sie mit ihrem kranken Fuß zurechtkommt, soll sie mit den anderen Elefanten zusammen gebracht werden", so Everts. Das Veterinäramt des Landkreises Borken hatte den Dickhäuter in einem erbärmlichen Zustand aus dem Zirkus Althoff befreit (wir berichteten). Sikim ist das jüngste Beispiel für eine oftmals qualvolle Haltung von Wildtieren in Zirkussen. Zumindest für Elefanten, Bären und Affen ist Besserung in Sicht: Hessen will Ende September einen Antrag im Bundesrat einbringen, der ein Haltungsverbot dieser Tierarten in Zirkussen vorsieht. Schleswig-Holstein unterstützt dieses Vorhaben. Was in Tiernummern in den Manegen zur Schau gestellt wird, hat eine Kehrseite: Fehlernährung, Bewegungsmangel, unqualifizierte Pfleger und fragwürdige Dressurmethoden gehören in vielen Wanderzirkussen zum Alltag. Jeder Abenteurer, der im Urwald übernachtet, zündet sich ein Feuer an, um sich vor Überfällen von Großkatzen zu schützen, denn sie fürchten das Feuer wie der Teufel das Weihwasser. Wie viel Zwang gehört dazu, eine Raubkatze wie Tiger oder Löwe dazu zu bringen, durch einen brennenden Reifen zu springen? Fachleute bezweifeln, dass Wildtiere, die nicht wie Nutz- und Haustiere über Generationen an ein Leben in der Obhut des Menschen angepasst sind, in Zirkussen artgerecht zu halten sind. "Die Tiere haben nach wie vor dieselben Bedürfnisse wie ihre Artgenossen in freier Wildbahn", betont Wildtierexperte Robert Kleß vom Verein "Vier Pfoten". Er fordert, das geplante Verbot auf andere Arten wie Tiger, Löwen, Giraffen und Robben auszudehnen. Bislang gibt es für die Haltung von Wildtieren in Zirkussen nur unverbindliche Leitlinien. "Sie haben kaum Wirkung", urteilt Tierrechtsexperte Dr. Johannes Caspar, Berater des schleswig-holsteinischen Landtags. Das schreibt auch Jutta Schmitz, die im Auftrag des hessischen Tierschutzbeauftragten in einem Bericht die Notwendigkeit eines Haltungsverbots begründet. Schmitz nennt als Beispiel die Menschenaffen: Einige seien heute noch in Zirkussen zu finden, "obwohl sie gemäß den Leitlinien seit 1990 nicht mehr in mobilen Haltungen mitgeführt werden sollen". Zumindest an die allgemeinen Anforderungen des Tierschutzgesetzes sind die Betriebe gebunden. Doch der Vollzug des Gesetzes ist schwierig: Noch bevor die Kontrollbehörden über Verfügungen oder Bußgelder Verbesserungen durchsetzen können, ist der Zirkus weitergezogen. Nach Angaben von "Vier Pfoten" gibt es in Deutschland etwa 250 fahrende Zirkusse. Die genaue Zahl der mitgeführten Tiere ist nicht bekannt - die hessische Initiative fordert ein Zentralregister, das einen genauen Überblick über den Wildtierbestand in den Unternehmen und die jeweilige Haltungsform gibt. Vermutlich fristen um die 90 Elefanten, 20 bis 25 Bären und 60 bis 70 Affen ihr trauriges Dasein zwischen Käfig und Manege. Jurist Caspar plädiert dafür, die Haltung aller exotischen Wildtiere in Zirkussen zu verbieten. Das Herumdoktern an bestehenden Leitlinien hält er für wenig sinnvoll: "Entweder kommen radikale Verbote, oder die Situation bleibt wie sie ist."

 

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