Strattera: ZDF klagt an
Streit um Zappelphilipp-Arznei: Vier Kinder tot
Das für Kinder und Jugendliche mit dem sogenannten Zappelphilipp-Syndrom genutzte Medikament Strattera steht nach Angaben des ZDF-Magazins "Frontal...
Mainz. Das für Kinder und Jugendliche mit dem sogenannten Zappelphilipp-Syndrom genutzte Medikament Strattera steht nach Angaben des ZDF-Magazins "Frontal 21" (heute, 21 Uhr) in Zusammenhang mit vier Todesfällen bei Kindern.
Insgesamt seien 234 Verdachtsfälle von zum Teil gefährlichen Nebenwirkungen wie Herzschwäche, Hörstürze und Suizidgedanken gemeldet worden, berichtete der Sender unter Berufung auf Unterlagen des Bundesinstituts für Arzneimittel. Die Todesursachen der vier verstorbenen Kinder seien Suizid, Herzinfarkt und Gehirnschlag gewesen. Das jüngste Kind war vier Jahre alt.
Ingrid Weber, Sprecherin des Bad Homburger Herstellers Lilly, sagte, dem Unternehmen seien die genannten Zahlen nicht bekannt. Bei klinischen Studien zu Strattera sei kein Zusammenhang festgestellt worden zwischen der Medikation und Todesfällen. Ein Zusammenhang sei weder zu 100 Prozent auszuschließen, noch könne er eindeutig hergestellt werden. Vergleichsstudien mit der Verabreichung von Placebos hätten bei Strattera tatsächlich eine höhere Gefahr suizidaler Verhaltensweisen gezeigt. Es sei aber in keinem Fall zum Suizid gekommen.
Der Patientenbeauftragte im Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, Jörg Schaaber, forderte, Strattera vom Markt zu nehmen. Professor Peter Schönhöfer vom "arznei-telegramm": "Die Substanzen in dem Medikament sind gefährlich, weil sie einen übererregten Zustand auslösen - und dazu gehört auch die Selbstaggression, also der Suizid."
Das Mittel wird in Deutschland von Tausenden Kindern eingenommen, weltweit sind es 3,5 Millionen.



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