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Aus aller Welt

Doodles: Dennis Hwang ist der bekannteste unbekannte Künstler der Welt

Der Google-"Kritzler"

Seine Werke, die verzierten Logos, werden von 180 Millionen Menschen pro Tag bewundert. Man darf auf seinen Jubiläums-Entwurf gespannt sein.

London. Dennis Hwang ist der wohl bekannteste unbekannte Künstler der Welt. Seine Werke hängen weder in Museen noch in Galerien, werden jedoch von mehr als 180 Millionen Menschen pro Tag angeschaut. Der 30 Jahre alte US-Amerikaner designt die sogenannten "Google Doodles" - die digitalen Kunstwerke, die zu besonderen Anlässen das sonst eher spartanische Google-Logo verzieren. Der nächste Anlass wird wohl das zehnjährige Bestehen von Google am 7. September sein. Dazu dürfte sich Hwang etwas Besonderes einfallen lassen.

Seine chaotische Arbeitsnische in der Google-Zentrale im kalifornischen Mountain View wird von drei Riesen-Monitoren dominiert, auf denen Hwang mittlerweile fast 400 Doodles, zu Deutsch "Kritzeleien", kreiert hat. Zu Feiertagen, bedeutenden Sportereignissen oder Geburtstagen berühmter Leute bekommt das Logo einen kunstvollen Anstrich. So wand sich während der Olympiade ein chinesischer Drache um die sechs Buchstaben und an Louis Brailles Geburtstag (4. Januar) prangte das Logo in Blindenschrift.

Der Sohn koreanischer Einwanderer beginnt seine Karriere bei Google mit einem unbezahlten Praktikum als Programmierer. Angesteckt von der Start-up-Stimmung legt er den Google-Gründern Larry Page (35) und Sergey Brin (35) eigene Designs vor - und bekommt seine Chance: Am 14. Juli 2000 erstrahlt das Logo rot-weiß-blau zum französischen Nationalfeiertag.

Seine Chefs sind so begeistert von Hwangs Talent, dass sie ihm mit gerade einmal 22 Jahren eine Festanstellung als Programmierer anbieten und ihn zum Hüter der "Doodles" ernennen. Obwohl die Doodles nur 20 Prozent seines Jobs ausmachen - Hwangs offizieller Titel ist Webmaster, er managt ein 40-köpfiges Team und ist für den Inhalt der weltweiten Seiten verantwortlich -, sind sie sein Steckenpferd. "Sie sind wie meine Kinder. Ich mag sie alle", sagt er, wenn er nach seinem Lieblings-Doodle gefragt wird.

Bei Feiertagen oder Ereignissen, die lange im Voraus bekannt sind, kann sich Hwang viel Zeit mit der Logo-Transformation lassen. Manchmal muss es jedoch schnell gehen. "Als der Mars-Rover landete, habe ich ein Logo in weniger als 24 Stunden kreiert", erzählt er. Die meiste Mühe jedoch gibt er sich für die Geburtstage von Künstlern. Zu Ehren des norwegischen Malers Edvard Munch (12. Dezember) adaptierte er sogar dessen Gemälde "Der Schrei". Den Stil der großen Meister zu kopieren sei "eine ganz große Herausforderung", mache aber auch "besonderen Spaß". Ebenfalls nicht leicht sei es, jährliche Feiertage neu zu erfinden: "Es gibt nur so und so viele Möglichkeiten, einen Kürbis zu malen!"

Bei der Suche nach neuen Motiven liefern auch Nutzer gute Ideen. So machte ein französischer Astronom Hwang auf den Venus-Transit aufmerksam, bei dem alle 122 Jahre ein dunkler Schatten auf der Sonne erscheint. Kurz darauf prangte ein "Venus-Transit-Doodle" auf der Google-Seite. Die Doodles sind übrigens nicht nur Dekoration. Klickt ein User auf das transformierte Logo, gelangt er auf eine Übersichtsseite mit Links zum jeweiligen Thema. "Zuerst war mir die Reichweite dieser Bilder nicht bewusst", so Hwang. "Sogar jetzt kann ich kaum glauben, wie viele Leute sie anschauen." Trotz aller Bescheidenheit gibt er zu, dass sein Job ein prima Smalltalk-Starter auf Partys ist. "Aber ich habe ihn noch nie ausgenutzt, um ein Date zu bekommen!"

 

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