Kerosinkosten: Piloten sollen weniger Treibstoff laden
Passagiere in Sorge: Erste Airline spart an Tankreserve
Piloten werfen der Führung von US Airways vor, ein "erhebliches Sicherheitsrisiko" in Kauf zu nehmen.
Washington. Die Pilotengewerkschaft der amerikanischen Fluglinie US Airways hat schwere Vorwürfe gegen die Fluggesellschaft erhoben: Der Konzern verlange von seinen Piloten, eine geringere Kraftstoffreserve für Notfallsituationen zu tanken, um angesichts des rapide steigenden Ölpreises durch ein niedrigeres Fluggewicht Kerosin zu sparen. Dies sei ein "erhebliches Sicherheitsrisiko".
Morgan Durrant, ein Sprecher der Airline, die auch Deutschland anfliegt, spricht dagegen von einem "Missverständnis": Sicherheit stehe für das Unternehmen an erster Stelle, sagte er.
Die insgesamt 5200 Piloten wandten sich mit einer ganzseitigen Anzeige in der größten US-Tageszeitung "USA Today" an die Öffentlichkeit. Sie erklärten darin, dass US Airways "ein Programm zur Einschüchterung geschaffen habe, um Flugkapitäne zu zwingen, weniger Kraftstoff an Bord zu nehmen", als diese möchten. Flugkapitän James Ray, Sprecher der amerikanischen Pilotenvereinigung, erklärte, dass "acht altgediente US-Airways-Piloten und die Gewerkschaft eine Beschwerde in der Sache an die US-Luftfahrtbehörde FAA geschickt" hätten. Die Piloten wurden von ihrem Arbeitgeber angewiesen, eine "Schulung zum Einsparen von Kraftstoff" zu besuchen, da sie immer mehr Kerosin tankten, als gesetzlich vorgeschrieben sei, und dadurch zusätzliche Kosten verursachten. Der Flugkapitän hat grundsätzlich das letzte Wort, wie viel Treibstoff er tanken lässt.
Die FAA verlangt von den Fluglinien, dass sie "genug Kraftstoffreserven an Bord haben, um den Zielort und einen Ausweichflughafen zu erreichen, plus einer Reserve von 45 Minuten". Durrant: "Wir haben im Schnitt doppelt so viel Reservekerosin im Tank, wie die FAA vorschreibt." Aber bei dem hohen Ölpreis gelte es, die Reisesicherheit und das effiziente Fliegen "auszubalancieren". Es koste etwa 80 Dollar, für 15 Minuten zusätzlich Sprit zu transportieren.
Nach einem Bericht des US-Fernsehsenders ABC kommt es in den USA bereits zu Notfällen, bei denen Piloten melden, dass sie wegen einer Spritreserve von nur 30 Minuten dringend landen müssten. Der Report: "In den ersten sechs Monaten des Jahres 2005 gab es auf dem Flughafen Newark (bei New York) nur fünf Fälle, wo Maschinen landeten, die weniger als die vorgeschriebene Mindestspritmenge im Tank hatten, in der gleichen Zeit 2007 gab es 73 solche Fälle." Die deutsche Pilotenvereinigung Cockpit und das Luftfahrtbundesamt waren gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Im Vergleich zum Vorjahr sind die Kosten für Kerosin in den USA um 69 Prozent gestiegen. Belief sich die jährliche Kraftstoffrechnung für die US-Luftfahrt im Jahr 2000 noch auf 16 Milliarden Dollar, so dürfte sie dieses Jahr 60 Milliarden Dollar betragen. Inzwischen sind die Kraftstoffkosten bei den meisten Fluglinien höher als die Ausgaben für Personal. Deshalb versuchen alle Fluggesellschaften, ihre Treibstoffmengen, wo immer möglich, zu reduzieren. Neben der Anschaffung von neuen, energiesparenden Flugzeugen hat US Air zum Beispiel inzwischen leichtere Wagen für Essen und Trinken konstruieren lassen und auch in der 1. Klasse Porzellangeschirr durch leichteres Plastik ersetzt.
Nach Meinung von Experten ist die Lufthansa der Konkurrenz auf diesem Gebiet weit voraus. So sparte die größte deutsche Fluglinie im vergangenen Jahr, dank einer speziellen intelligenten Software, 187 000 Tonnen Kerosin und reduzierte den Ausstoß von Kohlendioxid um 590 000 Tonnen. Die Software berechnet unter anderem die optimale Route angesichts des Wetters, der Ladung, der Flugsituation im betreffenden Luftraum und anderer Faktoren. Besonders Chartergesellschaften gehen inzwischen dazu über, das Tempo zu senken. Das bringt die Passagiere zwar etwas langsamer an ihren Urlaubsort, spart jedoch Hunderttausende, wenn nicht Millionen, an Treibstoffkosten.
Weitere Informationen und Videos zum Thema finden Sie unter www.abendblatt.de/reserve



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