Todesorkan über Europa
Sturm mit Tempo 155 forderte mindestens 24 Opfer. Bäume umgeknickt, Flüge abgesagt, Stromausfälle.
Amsterdam/London. Ein schwerer Orkan mit Windgeschwindigkeiten bis zu 155 Stundenkilometern hat gestern in Europa mindestens 24 Menschen das Leben gekostet. Vielerorts warnten die Behörden in Deutschland, die Häuser zu verlassen. Vor allem von Bäumen sollten sich die Menschen fernhalten. Der Bahnverkehr brach in vielen Gebieten zusammen. Zehntausende Bahnreisende mussten mit Verspätungen rechnen. Etliche Flüge wurden gestrichen. Mehrere Autobahnen und Straßen waren wegen umgestürzter Bäume stundenlang gesperrt. Polizei und Feuerwehr waren im Dauereinsatz.
In Schleswig-Holstein wurde ein 46-jähriger Landwirt von einem Blitz erschlagen. Allein in Nordrhein-Westfalen sind vier Menschen ums Leben gekommen. Ein 21-jähriger Feuerwehrmann war im Privatwagen unterwegs zu einen Einsatz in Velbert, als er eine Frau (43) und ihre Tochter im Sturm erfasste. Die Frau starb. In Aachen ertrank ein 70-jähriger Mann, der kopfüber in einen überfluteten Gully stürzte. Ein Mann in Hamm wurde vom herabstürzenden Dach eines Asylbewerberheimes erschlagen. In Bocholt am Niederrhein krachte ein Baum auf das Auto einer niederländischen Familie, dabei wurde die Mutter getötet. In Hessen und Österreich starb je zwei Menschen in ihrem Auto unter einem Baum. In Großbritannien kamen durch den Orkan sechs Menschen ums Leben (zwei Kinder), in Frankreich drei. In den Niederlanden wurden vier Menschen getötet, ein Mann wurde in die Nordsee geschleudert. In der Schweiz starb eine Frau unter einem Baum. In Belgien wurde ein Junge beim Inline-skaten auf dem Deich in einen Lkw getrieben. Der von Großbritannien kommende Orkan "Jeanett", dessen Ausläufer bereits am Sonnabend Deutschland erreicht hatten, verwüstete ganze Landstriche: Bäume und Strommasten stürzten um, Gebäude wurden beschädigt, Dächer abgedeckt, starke Regenfälle überfluteten Straßen und Keller. "Die Behörden rotieren", sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Düsseldorf. Zehntausende Bahn-Reisende erreichten wegen des Orkans deutlich verspätet ihr Ziel. Wie viele Züge Verspätung hatten oder gar ausfielen, war zunächst nicht klar. Die Bahn hatte bis zum Abend keinen Überblick über die Schäden. Auch viele Flüge fielen aus. Die Behörden warnten vor Aufenthalten im Wald: Äste und umstürzende Bäume bedeuteten Lebensgefahr. Aber auch in den Städten war es gefährlich: Masten, Gerüste stürzten um. Dachteile flogen umher. So riss der Sturm in Würzburg eine Kirchturmspitze ab.
In Großbritannien richtete der Orkan verheerende Schäden an. Ein spanischer Fischer wurde im Atlantik per Hubschrauber unter großer Gefahr von seinem Schiff geborgen. Im Hafen von Portsmouth wurde eine Fregatte der Marine vom Wind gegen eine Fähre gedrückt. Nach Angaben des niederländischen Wetterdienstes war dies der schwerste Sturm seit zwölf Jahren.



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