Tieropfer: Wie Nepal Airlines den Gott des Himmels besänftigt
Tote Ziegen - besser fliegen?
Hamburg. Tieropfer ziehen sich blutig durch die Menschheitsgeschichte. Aber im Jahr 2007 unter dem Rumpf einer Boeing 757 eine Ziege mit dem Säbel abzuschlachten, um das Flugzeug vor Pannen zu schützen, verdient schon eine genaue Begründung.
Die lieferte gestern in Kathmandu ein Sprecher der staatlichen Fluglinie Nepal Airlines: Mitarbeiter hätten sich "vor dem Flugzeug verneigt und zwei Ziegen geopfert, um jeglichen technischen Problemen beim Flug vorzubeugen". Ein merkwürdiger Außencheck. Immerhin gelte das Flugzeug als "einsatzbereit", meldete die Nachrichtenagentur AFP. Im Gegensatz zu der zweiten 757 derselben Airline, die gerade in Brunei beim Pannen-Check ist.
Nepals Luftlinie hatte erst im August zehn Tage lang alle internationalen Flüge gestrichen, weil beide Maschinen fehlerhaft waren. Nun soll das Ziegenopfer den Flugplan sichern. Natürlich nur indirekt. Denn Hilfe erwarten die Hindus von Akash Bhairab, vom Gott des Himmels.
Das Opfer passt in die Jahreszeit. Denn im Monat Ashwin (September/Oktober) feiert Nepal zehn Tage göttliches Schlachtfest. Häuser werden geschmückt, und Schafe, Ziegen, Enten und Hühner zu Ehren der Göttin Durga getötet. Blut wird auch über Fahrzeuge gespritzt, um sie zu schützen.
Nicht nur in Nepal leben uralte Bräuche. Reste antiker Trankopfer haben sich auch bei uns gehalten. Zum Beispiel in dem Brauch, vor einer Schiffstour dem Meergott Poseidon (beziehungsweise Neptun) vom Schnapsvorrat einen kräftigen Schluck über die Wellen zukommen zu lassen. Oder etwas vom Wein zu verschütten, um die höheren Wesen zu besänftigen. Das galt auch als Spende für die Seelen der Toten, hat uns der antike Satiriker Lukian (120-180 v. Chr.) überliefert.
Und, liebe Hanseaten, woher wohl kommen die feierlichen Schiffstaufen? Historiker sehen den Ursprung in den Bitten an die Götter, Boot und Mannschaft zu begleiten. Blut floss dabei noch bei den Wikingern. Sie ließen Menschen auf Rutschbalken von Drachenbooten zerquetschen, wenn diese vom Stapel liefen. Später floss Tierblut über den Bug. Und in der Türkei war es noch bis in die Neuzeit üblich, den Stapellaufschlitten mit Schafsblut zu bestreichen. In Indien nahm man Kokosmilch dafür.
Die Zeremonie in Nepal war übrigens nicht vergeblich. Immerhin landete die Maschine anschließend sicher in Hongkong.


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