Weltrekord: TGV mit 574,8 km/h fast so schnell wie Magnetschwebebahn
Schussfahrt auf Schienen
Der französische Hochgeschwindigkeitszug stößt in eine neue Bahn-Dimension vor.
Paris. Grelle Blitze zucken in der Oberleitung, eine gewaltige Staubwolke wirbelt auf, die beiden Triebwagen röhren wie ein Düsenflugzeug: Der französische TGV fliegt förmlich über die Schienen. Exakt um 13.13 Uhr und 41 Sekunden war es geschafft: Das Messgerät im Cockpit des Hochgeschwindigkeitszuges zeigt 574,8 km/h - damit hat er nach 17 Jahren seinen eigenen Weltrekord für Schienenfahrzeuge gebrochen. Die für 30 Millionen Euro aufgerüstete Spezialversion des TGV übertraf seine bisherige Spitzenmarke von 515,3 km/h aus dem Jahr 1990 um fast 60 km/h. Denkbar knapp scheiterten die Franzosen mit dem Versuch, auch die Schwelle von 581 km/h zu knacken. Diese Geschwindigkeit hatte vor vier Jahren die japanische Magnetschwebebahn Maglev erreicht, die allerdings nicht zu den radgebundenen Schienenfahrzeugen zählt.
Die TGV-Rekordfahrt wurde im französischen Fernsehen live übertragen. Mehrere Flugzeuge begleiteten das silber-schwarze Geschoss, das die Konstrukteure des Zugbauers Alstom "V 150" getauft hatten - für 150 Meter pro Sekunde. Tausende Menschen jubelten dem Zug an der abgesperrten Strecke zu, seine Spitzengeschwindigkeit erreichte er im Departement La Marne, 191 Kilometer vor Paris. "Ich bin stolz, die Mission erfüllt zu haben", sagte der Testpilot Eric Pieczac. Alles sei gut gegangen, kein Vogel habe gestört, sogar das Wetter habe mitgespielt.
Glückwünsche kamen auch von der Deutschen Bahn: "Das ist eine stolze Leistung, die zeigt, wie modern die Eisenbahn auch im 21. Jahrhundert ist und unser Herz höher schlagen lässt", sagte DB-Chef Hartmut Mehdorn. Aufgrund der Siedlungsstruktur seien in Deutschland Geschwindigkeiten von mehr als 250 km/h allerdings nicht sinnvoll. Im praktischen Einsatz fährt der von Siemens gebaute ICE dem TGV gerade davon. Den Rekord für Serienzüge hält bereits der ICE Velaro mit Tempo 404. Ab Mai verkehrt er in Spanien mit 350 km/h zwischen Madrid und Barcelona.
Der 106 Meter lange Spezial-TGV für den Rekordversuch bestand aus zwei Triebköpfen und drei doppelstöckigen Waggons. Die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Straßburg, die am 10. Juni eröffnet wird und die Fahrzeit von Paris nach Frankfurt am Main von sechs auf vier Stunden verkürzt, wurde speziell abgesichert und präpariert. Die Gleise wurden in den Kurven zusätzlich befestigt und die Spannung in der Oberleitung von 25 000 auf 31 000 Volt erhöht.
"Für die Umwelt war die Rekordfahrt schrecklich", kritisierte Heidi Tischmann vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Ab 200 km/h sei der "ganze Umweltvorteil der Bahn hin". Zwar liege der Ausstoß von Kohlendioxid bei einem Flugzeug je Kilometer, den eine Person damit zurücklege, bei 176,9 Gramm und damit immer noch deutlich über dem Wert eines Zuges mit einer Geschwindigkeit von mehr als 200 km/h (56,3 Gramm). Ein voll besetzter Reisebus komme aber auf nur 23,5 Gramm pro Reisenden.
















